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Weltfrauentag

Ungleichheit: Frauen mobilisieren sich

Betrachten wir den aktuellen Stand der Dinge. Seit Jahren hat sich nichts geändert: Die Ungleichheit zwischen Frauen und Männern besteht nicht nur fort, sondern nimmt sogar zu. Löhne, Altersvorsorge, Gewalt, Sexismus und Arbeit: Zahlreich sind die Probleme, mit denen die Frauen konfrontiert sind. Wenn es stimmt, dass die Wirtschaftskrise im Zusammenhang mit der Pandemie alle betrifft, so zahlen Frauen den höheren Preis.

Beginnen wir mit der geradezu klassischen Mitteilung des Bundesamtes für Statistik, die jedes Jahr vor dem Internationalen Frauentag am 8. März publiziert wird. Auf der Gehaltsebene nehmen die Ungleichheiten zu: Frauen verdienen jetzt im Durchschnitt 19 % weniger als Männer. Zwischen 2014 und 2018 hat sich der Abstand zwischen Männern und Frauen vergrössert und insbesondere der klar diskriminierende Anteil ist gewachsen. Während Frauen im Jahr 2016 durchschnittlich 18,3 % weniger verdienten als Männer, stieg dieser Anteil 2018 auf 19 %. Diese Ungleichheiten wirken sich bereits heute unweigerlich auch auf die Situation bei Pensionierung aus. Dies, obwohl es gemäss Entwurf der AHV-Reform 21 für Frauen eine weitere Kröte zu schlucken gilt. Aber das haben sie keineswegs vor!

Die Frauenbewegung und die Gewerkschaften sind dafür nicht zu haben und sie sagten am 8. März klar: Ein Kurswechsel ist dringend und notwendig.

Am 8. März mobilisieren die Gewerkschaften und die Frauenbewegungen gegen die anhaltende Ungleichheit und gegen die AHV21. Aber müssen wir jeden 8. März wieder von vorn beginnen? Wir haben diese Frage Regula Bühlmann gestellt, der Gleichstellungsbeauftragten und Zentralsekretärin des SGB.

«Wir beginnen ja nicht jeden 8. März von vorne, sondern wir finden jeden 8. März zusammen, um unsere Forderungen zu bekräftigen. Aber wir sind auch sonst dran und engagieren uns. Aber ja, es geht zu langsam vorwärts, gerade in der rückwärtsgewandten Schweiz. Trotzdem gibt es immer wieder Erfolge, wobei der Frauen*streik 2019 unseren Anliegen neuen Schub gegeben hat: Den Appell gegen den Abbau bei den Frauenrenten haben innert kürzester Zeit Hunderttausende von Frauen unterzeichnet, seit diesem Jahr haben wir einen Vaterschaftsurlaub und die nationalrätliche Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur hat im Februar beschlossen, dass der Bund die familienergänzende Kinderbetreuung besser unterstützen muss.»

2021, dessen sind wir sicher, wird ein weiteres Jahr der Mobilisierung sein: Am 14. Juni jährt sich der erste nationale Frauenstreik zum 30. Mal. Und der Verfassungsartikel zur Gleichstellung wird 40 Jahre alt. Die Stimmen der Frauen werden im ganzen Land zu hören sein. Und sicherlich wird das Recht auf eine Rente eines der zentralen Themen sein.

«Wir kämpfen dieses Jahr für bessere Frauenrenten» sagt Regula Bühlmann. «Wir wollen keinen Abbau, wie die Vorlage AHV21 dies mit einer Erhöhung des Frauenrentenalters vorsieht, sondern substanzielle Verbesserungen – zum Beispiel mit einer 13. AHV-Rente, wie wir sie mit einer Initiative verfolgen. Und natürlich braucht es Massnahmen gegen die Doppelbelastung, die vor allem Frauen mit der Vereinbarkeit von Beruf und Familie haben: Wir brauchen eine nationale Familienpolitik, der Bund muss dafür sorgen, dass es überall genügend familien- und schulergänzende Kinderbetreuungsplätze hat und diese für alle Familien bezahlbar sind. Eigentlich gehört dies ja zum Service public …»

Und werden wir uns am 14. Juni, einem weiteren symbolischen Datum für die Frauen unseres Landes, wieder auf der Strasse treffen? 

Da sind wir optimistisch: Online-Mobilisierungen sind zwar möglich, aber es ist schon nicht dasselbe, wie auf der Strasse zusammenzukommen… Am 8. März waren wir leider noch nicht so weit, aber der SGB hat zusammen mit Movendo eine spannende feministische Kurswoche angeboten – quasi als Vorbereitung für die grosse Mobilisierung vom 14. Juni.»

Auch die Frauenverbände werden in der ganzen Schweiz aktiv. Bei den feministischen Online-Versammlungen – an denen 800 Frauen aus der ganzen Schweiz teilnahmen – ist der Tenor der Forderungen klar: Der Feminismus ist eindeutig eine der unausweichlichen sozialen Kräfte in der Gesellschaft. Und seine Stimme wird immer lauter, zumal die Pandemie und die Gesundheitskrise die sozialen, wirtschaftlichen und geschlechtsspezifischen Ungleichheiten verschärfen. Ganz zu schweigen vom Engagement der Frauen in der Klimakrise. Das derzeitige Produktionssystem zerstört nicht nur den Planeten, sondern nährt sich auch von der Ausbeutung der Arbeit von Frauen*.

Lucie Waser, die beim SEV für das Gleichstellungsdossier zuständig ist, ist selbstverständlich an allen Fronten beteiligt. Speziell befasst sie sich auch mit der Welt des Transports. «Wir werden unsere Themen mit Nachdruck verfolgen», sagt sie, «um die Arbeitsbedingungen zu verbessern, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu erleichtern, und um das Arbeitsklima zu verbessern, das immer noch von einer sehr männlichen Dynamik geprägt ist. In einem immer noch sehr männerdominierten Sektor wie dem Transportwesen fordern wir auch eine Modernisierung der Infrastruktur (z.B. Toiletten und Umkleideräume für Frauen, Kantinenessen usw.). Und dann werden wir nie aufhören, gegen Gewalt gegen Frauen am Arbeitsplatz zu kämpfen. Die Arbeitgeber müssen Verantwortung übernehmen und gegen die Täter vorgehen.»

Lucie ist auch auf europäischer Ebene aktiv. «Natürlich werden wir als SEV-Frauen in diesem Jahr in neuen Arbeitsgruppen bei der SBB aktiv sein, um die Forderungen der ETF Women in Rail voranzutreiben. Es gibt viel zu tun, denn auf europäischer Ebene liegt der Frauenanteil an der gesamten Belegschaft der Transportbranche bei nur 22 % und ist damit unzureichend. Wir müssen uns bewusst sein» – so die Gewerkschaftssekretärin des SEV abschliessend –, «dass sich der Transportsektor in Europa schnell verändert und dass sich die Rolle der Arbeitnehmerinnen in diesem Sektor weiterentwickelt. Es gibt jedoch noch wenig Erkenntnis darüber, wie sich die Änderungen auf sie auswirken werden».

Françoise Gehring Enable JavaScript to view protected content.

Feministische Kurswoche bei Movendo

Der 8. März ist der internationale Frauenkampftag – normalerweise begehen wir ihn gemeinsam draussen. Dieses Jahr ist einiges anders: Obwohl die Corona-Pandemie deutlich gezeigt hat, wie unentbehrlich und unterbewertet die Arbeit der Frauen* ist, dürfen wir diesen 8. März nicht physisch zusammenkommen. Aber treffen werden wir uns trotzdem – in einer feministischen Kurswoche beim Bildungsinstitut Movendo: Erfahre hier ab dem 8. März mehr zu Themen wie der Altersvorsorge von und für Frauen, der Gewerkschaftsgeschichte aus feministischer Sicht, zu sexueller Gewalt und Belästigung am Arbeitsplatz und was du dagegen tun kannst, zu den Auswirkungen von Covid 19 auf die Frauen sowie über die ungleiche Verteilung der bezahlten und unbezahlten Arbeit zwischen Frauen und Männern. In der Woche vom 8. März kannst du dann online mit den Referentinnen und weiteren Interessierten diskutieren, Fragen klären und Pläne schmieden, wie wir weiterkommen auf unserem feministischen Weg. So dass wir bereit sind, wenn wir uns wieder draussen mobilisieren dürfen – zum Beispiel am 14. Juni! 

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