Gewerkschafts- und Vertragspolitik

Positionspapier Gewerkschafts- und Vertragspolitik

(Referendumsfrist läuft bis 25. Februar 2023)

Für eine Vertragspolitik, die auf einer soliden Basis steht, stützt sich der SEV auf seine Gewerkschaftspolitik. Wir zählen zurzeit 76 Gesamtarbeitsverträge (GAV) im Verkehrsbereich, die wir verhandeln und zur Unterschrift bringen. Der GAV SBB ist aufgrund seiner Dimension wegweisend und dient bei der Bahn als Referenz, insbesondere als Garantie für die Sozialpartnerschaft. In der Schifffahrt, bei den Busbetrieben oder auch in der Luftfahrt setzt der SEV die Branchenstandards. Dank dieser Vertragsdichte spielen wir innerhalb des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes (SGB) eine entscheidende Rolle; der SEV ist ein respektierter Partner, dessen Stimme gehört wird, auch bei Fragen der Verkehrsstrategie. Durch seinen Einsatz im öffentlichen Verkehr wirkt der SEV für einen starken Service public von hoher Qualität.

Der SEV nimmt auch Einfluss in der Europäischen Transportarbeiter-Föderation (ETF): Wir müssen die Stärken unserer zentralen Rolle innerhalb von Europa ausspielen, um nicht unter die Räder der EU zu kommen. Durch seine aktive Mitwirkung in den Organen der ETF trägt der SEV zur Festlegung der Rahmenbedingungen der europäischen Verkehrspolitik bei. Dank diesem Zusammenhalt und der Beharrlichkeit gilt der SEV bei allen Partnern als grösste und stärkste Gewerkschaft im Verkehrsbereich, und er kann seinen Einfluss zielgerichtet geltendmachen.

Die Forderungen stützen sich auf die Bedürfnisse der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ab

Während der Coronakrise haben sich die vom SEV ausgehandelten GAV als robust genug herausgestellt, um zu gewährleisten, dass es keinen Abbau bei den Arbeitsbedingungen und den Löhnen gab. Nach zehn Jahren ohne Inflation ist diese erneut aufgetaucht und schafft eine ganz neue Situation. Wir müssen jeglichen Kaufkraftverlust verhindern und einen Teuerungsausgleich fordern. In den Verhandlungen stützt sich der SEV gegenüber den Unternehmen auf die Forderungen seiner Mitglieder, und sie sind es, die über die Verhandlungsresultate entschieden.

Durch diese klare, eindeutige Haltung des Einbezugs der Basis entwickelt der SEV seine Verhandlungspositionen, auch mit Bezug zu den Veränderungen, die in der Arbeitswelt durch Corona entstanden sind, und bezieht insbesondere Rahmenbedingungen für die Arbeit zu Hause (Homeoffice) in die GAV mit ein.

Im Rahmen der bestehenden GAV setzt sich der SEV seit mehreren Jahren für Lösungen bei Berufskrankheiten und Berufsunfähigkeit ein. Wir haben die Arbeitgeber für diese Themen sensibilisiert, aber wenn es zu keiner gemeinsamen Lösung kommt, müssen wir unsere Vorschläge ergänzen und vertiefen. Unter anderem müssen wir Lösungen finden bei Berufsunfähigkeit aufgrund des Arbeitsplatzes, der Digitalisierung oder Automatisierung der Arbeit. Zu unseren wichtigsten Zielen gehören Angebote zur Weiterbildung und für vorzeitige Pensionierungen.

Neue Strategien, um neue Mitglieder zu gewinnen

Der SEV, die Unterverbände und Sektionen entwickeln Strategien, damit die Forderungen der Jungen, der Frauen und der Migrant:innen berücksichtigt werden. Der SEV muss sich besonders um die Jungen und die Frauen kümmern, da sie die Zukunft der Gewerkschaft ausmachen. Entsprechend werden Junge und Frauen möglichst früh in die Gewerkschaftsarbeit einbezogen. Durch den Einfluss der jungen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer enthalten die GAV neue Arbeitsmodelle, die Teilzeitarbeit, eine bessere Vereinbarung von Berufs- und Privatleben sowie beweglichere Laufbahnen vorsehen (unterschiedlicher Beschäftigungsgrad nach der jeweiligen privaten Situation).

Organisationsgrad stärken, um die Qualität der GAV zu erhalten

Auch wenn der SEV bereits über einen hohen Organisationsgrad verfügt, gilt es diesen noch zu steigern, um gewisse Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen abzuwehren und insbesondere Verbesserungen in den GAV zu erreichen.

Um seine Stärke beibehalten zu können, muss der SEV eine Umkehr bei der Entwicklung der Mitgliederzahl erreichen. 2021 war ein Wendepunkt, mit einem Zuwachs bei den Neumitgliedern. Dieser hat 2022 angedauert. Um auf diesem Weg weiterzugehen, hat der SEV für 2022 eine neue Werbestrategie entwickelt, die sich in allen Unternehmen auswirken soll.

Wir werden unseren Einsatz festigen und ausweiten, insbesondere bei der SBB. Denn die bevorstehenden Pensionierungen werden eine Erneuerung und Verjüngung der Belegschaft bewirken. Der SEV muss sich zeigen und dem Personal klarmachen, dass die Arbeitsbedingungen eine Errungenschaft sind und dafür persönlicher Einsatz nötig ist. Der SEV erachtet die entschlossene und systematische Arbeit in der Mitgliederwerbung als zentral für die Unterverbände und Sektionen. Dabei ist aber zu beachten, dass die Pflege der bisherigen Mitglieder nicht vernachlässigt wird, ebenso der Verbleib als Mitglied nach der Pensionierung.

Die Mitgliederwerbung durch zielgerichtete Aktionen sowie der Ausbau des Vertrauensleutenetzes werden durch die konsequente Präsenz des SEV vor Ort umgesetzt, aber auch durch die Qualität seiner Dienstleistungen sowohl im individuellen als auch im gemeinschaftlichen Bereich.