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Fernbusse

Eurobus: Nur kurz da und schon weg

Eurobus-Swiss Express hat angekündigt, dass sie den Betrieb auf ihren Fernverkehrslinien einstellen wird. Ist das eine Überraschung? Nein, und zwar aus mindestens zwei Gründen.

Vorab weil es in einem Land, wo die Bahn so stark ist, mehr als überraschend gewesen wäre, dass dieses Angebot funktioniert, zumal es keinen andern Vorteil hatte als einen Schleuderpreis. Bei Komfort und Reisezeit hatten sie es schwer.

Es kommt hinzu, dass vor dem Start des Betriebs keine ernsthafte Marktstudie gemacht wurde, weder eine Bedarfsabklärung noch eine Machbarkeitsstudie. Nun, wir hatten schon weit vor dem Start von Eurobus auf diese Mängel hingewiesen.

Es gibt allerdings kaum Gründe, sich über dieses Scheitern zu freuen. Die Einstellung des Verkehrs hinterlässt Fahrerinnen und Fahrer, deren Stelle, mit ohnehin schon miesen Arbeits- und Lohnbedingungen, bedroht ist.

Das ist nun also das Ergebnis des Wettbewerbs – aus purer Ideologie –, den einige als Allheilmittel verkaufen wollten. Bestimmt geben die Verantwortlichen von Eurobus- Swiss Express nun lautstark dem zu harten System die Schuld: Es habe zu wenig Spielraum gelassen!

Schon nach wenigen Betriebsmonaten reduzierten sie das Angebot, aber sie hätten noch viel freier handeln müssen. Sie vergessen dabei jedoch, dass das System des konzessionierten Verkehrs Rechte und Pflichten vorsieht, damit der öffentliche Verkehr zuverlässig funktioniert.

Letztlich zeigen die Erfahrungen mit Eurobus nochmals die Auswirkungen des liberalisierten Marktes. Auch wenn nun andere Unternehmen vom Fernbusmarkt träumen – Dr. Richard steht bereit –, ist es höchste Zeit, dass das BAV auf jegliche weiteren Konzessionen in diesem Bereich verzichtet.

Der Wettbewerb bewirkt nichts Gutes. Es genügt ein Blick darauf, was im Kanton Jura seit Monaten vor sich geht: Die Ausschreibung aller Buslinien im Kanton und Unternehmen, die vor der Tür drängeln, um ein paar schöne Millionen einzustreichen.

Mitten drin stehen Männer und Frauen, die nicht wissen, ob sie ihre Stelle verlieren, oder wie ihre Arbeitsbedingungen und Löhne aussehen, falls ein anderer Betreiber den Zuschlag erhält.

Zeigen wir uns solidarisch und unterschreiben die Petition. Wie bei Wahlen und Abstimmungen gilt auch hier: Jede Stimme zählt!

Edito von Christian Fankhauser, Vizepräsident SEV

Eurobus gibt nationale Fernbuslinien auf

Eurobus stellt sein innerschweizerisches Fernbusangebot mit dem Namen «Swiss-Express» per Mitte November ein. Betroffen sind sechs Busse, die noch bis 15. November auf drei öffentlichen Linien verkehren. Das Bundesamt für Verkehr hebt die Konzession auf für die täglichen Verbindungen St.Gallen–Zürich–Lausanne–Genf, Zürich-Bern–Montreux und Zürich–Basel– Luzern–Lugano mit je mehreren Zwischenhalten. Damit verschwindet das einzige derartige Angebot. Ob es zu Entlassungen kommen wird, ist unklar. Eurobus zeigte sich zuversichtlich, dass sich für die von der Aufgabe dieser Strecken betroffenen 20 Mitarbeitenden teilweise eine interne Lösung finden lasse. Nicht tangiert vom Rückzug werden die Fernverbindungen ins Ausland.

Eurobus stellt die innerschweizerischen Fernverkehrslinien mangels Kundennachfrage ein. Bereits im vergangenen Dezember hatte Eurobus die Teilstrecken zwischen Chur und Zürich sowie zwischen Martigny und Sitten eingestellt. Die Auslastung der Busse lag nur bei rund 10 Prozent.

Roger Müri, Geschäftsführer des Schweizer Geschäfts von Eurobus, kritisierte aber auch die Rahmenbedingungen als schwierig. «Damit Fernbusse in der Schweiz ihre Rolle als sinnvolle Ergänzung des öV finden können, muss es neue Regeln geben», sagte Müri. Heute könnten private Anbieter zu wenig schnell und zu wenig flexibel auf die effektive Nachfrage reagieren. «Wir sind bei geklärten Rahmenbedingungen gerne bereit, ein neuerliches Engagement in Betracht zu ziehen», so Müri. Er sei weiterhin vom Fernbuskonzept überzeugt. Ins Ausland bietet Eurobus Gruppenreisen bzw. den «Rust-Express» an. Das zur Knecht-Gruppe gehörende Unternehmen betreibt 300 Mini-, Linien- und Reisebusse. Über 500 Mitarbeitende erwirtschafteten 2018 einen Umsatz von 127 Mio. Franken.

Bund sieht wenig Potenzial für nationale Fernbuslinien

Das Ende des nationalen Fernbusangebots «Swiss-Express» von Eurobus per Mitte November verläuft nicht ohne Nebengeräusche. Da steht etwa die Kritik im Raum, wonach der Wettbewerb für private Pionierbetriebe praktisch verunmöglicht werde. Das Scheitern sei deshalb absehbar und wenig überraschend gewesen, lautet der Tenor von Kommentatoren. Die «Neue Zürcher Zeitung» schrieb von einem «regulatorischen Korsett».

In der Schweiz ist das Bundesamt für Verkehr (BAV) für das Ausstellen der Fernverkehrskonzessionen zuständig, es setzt die rechtlichen Rahmenbedingungen in die Praxis um. Die sich überschlagenden Ereignisse sieht die Behörde gelassen. Die «angebliche Trägheit des Bundes im Konzessionierungsprozess» sei vom Gesetzgeber so gewollt, schreibt das BAV auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Basis des «Gesamtsystems öV» seien die «Durchlässigkeit des Tarifsystems», ein «stabiler Fahrplan» sowie «Kontinuität und Verlässlichkeit». Dafür profitierten konzessionierte Transportunternehmen «von einem gewissen Konkurrenzschutz». Die oberste Maxime laute, dass im Fernverkehr keine bestehenden und vom Bund konzessionierten Verkehrsangebote in ihrem Bestand gefährdet werden. Im Fernverkehr wird so vor allem die SBB geschützt.

Parlament trat auf die Bremse

Der Bundesrat habe in seinem Bericht zum internationalen Personenverkehr und zu den Fernbussen vom Oktober 2017 die Einbindung der nationalen Fernbusse klar unterstützt, schreibt das BAV weiter. Für die Konzessionserteilung an Fernbusbetreiber gebe es in Gesetz und Verordnung aber klare Vorgaben. Das Parlament ist gegenüber einer vorsichtigen Liberalisierung im Fernverkehr skeptisch eingestellt: Es hat vor längerem ein Gesetz für Fernbusse beschlossen, das Rosinenpickerei auf Kosten der Bahn verhindern soll. Eine Mehrheit glaubt nicht, dass sich mit mehr Wettbewerb das Angebot und die Qualität wesentlich verbessern liessen.

Punktuelle Angebote möglich

Der potenzielle Markt für neue Anbieter bleibt deshalb klein. «BAV und Bundesrat haben das Potenzial für eigenwirtschaftliche nationale Fernbusleistungen von Anfang an als gering beurteilt», gibt die Konzessionsbehörde zu bedenken – und verweist auf den bereits erwähnten Bericht aus dem Jahr 2017. Nationale Fernbusse können demnach eine «punktuelle Ergänzung des bestehenden öV-Systems» darstellen. «Die weitere Entwicklung des Markts wird sich zeigen», so das BAV. Die letzten politischen Entscheide hätten den Markteintritt aber nicht attraktiver gemacht.

Nicht in die Karten blicken lässt sich das BAV betreffend Stand der hängigen Gesuche. Es lasse sich keine Prognose machen, bis wann darüber entschieden werde, sagte Sprecher Müller.

Hinter den Kulissen heisst es, dass sich bereits in den nächsten Wochen was tun könnte. Einerseits will der österreichische Anbieter Dr. Richard in die künftige Lücke im nationalen Fernbusverkehr springen. Er strebt einen Busbetrieb auf den Strecken Zürich Flughafen–Zürich–Bern, Zürich–Basel–Bern sowie Zürich–Luzern–Bern an. Auch ein Gesuch von Eurobus und der SBB ist hängig. Die beiden Unternehmen planen Nacht- und Frühanbindungen mit Bussen an die Flughäfen.

Kommentare

  • Doris Peier

    Doris Peier08/11/2019 00:17:49

    Wie aber gestern im Fernsehen bekannt gemacht wurde
    kommt nun ein Bus-Reise aus Österreich unter Schweizer -
    Leitung auf nächstes Jahr!!!!!

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