| Interview

Der SEV will dieses Jahr 1800 neue Mitglieder werben, um den Rückgang weiter zu bremsen

«Mitgliederwerbung heisst ‹dran bleiben›!»

«Gemeinsam sind wir immer stärker» lautet das Motto der Werbekampagne des SEV in diesem Jahr. Bald ist ein halbes Jahr durch – Zeit für eine Zwischenbilanz mit der Werbeverantwortlichen Elena Obreschkow. Sie ist grundsätzlich zufrieden, erwartet aber noch eine Steigerung im zweiten Halbjahr.

kontakt.sev: Ganz allgemein: wie läuft die Aktion dieses Jahr?

Elena Obreschkow: Sie läuft. Stetig. Wir konnten, dank dem neu aufgeschalteten Online-Beitrittsformular und dem TPG- Streik, einen guten Verlauf der Zahlen zum Jahresbeginn verzeichnen. Die Lancierung der Werbeaktion und die ersten Aktionstage haben sicherlich auch dazu beigetragen, dass die Zahlen im Vorjahresvergleich relativ stabil sind. Aber wir wollen mehr …

Hast du das so erwartet, oder bist du etwas enttäuscht?

Enttäuscht bin ich überhaupt nicht. Vorläufig sind zwar meine Erwartungen noch nicht übertroffen, unsere Sektionen und Mitglieder sind aber bereits sehr aktiv und werden in der zweiten Jahreshälfte sicherlich ihr Bestes geben. Und so bin auch ich motiviert, der Werbung gemeinsam mit ihnen erneut etwas Schub zu verleihen.

Dieses Jahr gibt es die erste Werbeprämie – eine kleine, starke Taschenlampe – bei drei geworbenen Neumitgliedern. Das sollte Gelegenheitswerberinnen und -werber anspornen. Klappt es?

Ja. Unsere Werbeprämien stehen für unsere Werberinnen und Werber nicht primär im Zentrum. Ihnen geht es um die Stärke der Organisation und um die Überzeugung, dass der SEV den Kolleginnen und Kollegen, die sie anwerben, Schutz und Leistung bietet. Insofern ist die Taschenlampe ein Dankeschön, nicht jedoch Motivator.

Erstmals überhaupt hat sich der SEV ein Werbeziel gesetzt. Wenn Ende Jahr 1800 Neumitglieder erreicht werden, gibt es eine Sonderprämie. Wird der SEV das Ziel erreichen?

Ich hoffe sehr, dass wir dieses Ziel erreichen. Im Kern der Zielsetzung steht die Absicht, als Organisation wieder wachsen zu können. Dieser Absicht genügen wir nur, wenn wir uns ambitiöse Ziele setzen.

Vielleicht würde es die Werberinnen und Werber anspornen, wenn du etwas durchblicken lässt, was die Spezialprämie sein könnte …

Überraschungen machen das Ganze doch erst richtig spannend. Vorläufig heisst es also: Kräftig anpacken und gemeinsam auf 1800.

Zurzeit laufen Werbetage in den Regionen. Welche Erfahrungen machst du vor Ort?

Unsere Präsenz ist sehr wichtig. Sie ermöglicht dem Mitglied und den Interessierten eine unkomplizierte Kontaktaufnahme. An diesen Werbetagen geht es einerseits immer darum, für SEV-Mitglieder da zu sein. Und andererseits möchten wir mit den Flächenbesuchen auch das Interesse neuer Angestellter und noch nicht organisierter Kolleginnen und Kollegen wecken. Dies gelingt den Sektionen sehr gut.

Die Statistiken der letzten Jahre zeigen, dass es keinen erkennbaren Saisonverlauf gibt; was beeinflusst eigentlich, ob die Beitritte steigen oder sinken?

Sicherlich sind gewerkschaft-liche Aktionen ein Faktor, der Mitgliedschaftsabschlüsse fördert. Wichtige Vertrags- und Lohnverhandlungen beispielsweise, und auch lokale Aktivitäten – wie die Mobilisierung der Sektion TPG Ende letzten Jahres. Über die Bedeutung von Werbung zu sprechen und unsere Mitglieder zu begeistern, als Werberinnen und Werber aktiv zu sein, hilft ebenfalls, gute monatliche Ergebnisse zu erzielen. Dabei können Werbeaktionen und gemeinsame Werbetage eine Unterstützung sein, sie ersetzen jedoch nie die persönliche Überzeugung und Motivation unserer Mitglieder, die dem SEV ein offizielles Gesicht verleihen.

Die zweite Jahreshälfte braucht also auf jeden Fall nochmals einen Effort. Was ist geplant?

Gemeinsam mit den Unterverbänden und den Sektionen sind wir am Planen weiterer Aktivitäten. Auch findet Ende November der dritte und letzte Aktionstag statt, zu welchem ich mir noch mehr Präsenz und noch mehr Beteiligung wünsche. Bei der Werbung bedeutet der grösste Effort in der Regel «dran bleiben». Und das werden wir mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln tun.

Hilfreich ist jeweils auch, wenn der SEV aufzeigen kann, dass er für die Betroffenen etwas erreicht, so wie jetzt bei der BLS. Braucht die Werbung mehr Konflikte?

Die Werbung braucht Erfolge. Und wir können vermehrt lernen, über unsere Erfolge zu sprechen – auch im Werbegespräch. Konflikte können, im Sinne eines Werbearguments wirken, sofern die betroffenen Mitglieder sie entsprechend umformulieren und aufzeigen: Gemeinsam sind wir immer stärker.

«Mitglied wirbt Mitglied» ist der Grundsatz beim SEV; du bist dabei also in erster Linie Motivatorin. Was ist dein Appell fürs zweite Halbjahr?

Eine starke Mitgliedschaft ist der Nährboden für gute Arbeitsbedingungen und gewerkschaftliche Erfolge. Danke allen, die dazu beitragen, dass der SEV wachsen und sich erneuern kann.

Fragen: Peter Moor

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