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Migration

3 Fragen an: Arne Hegland

Arne Hegland

Mit welchen Themen sind Migrant/innen heute in den öV-Betrieben konfrontiert?

Arne Hegland: Es kommt darauf an, in welchem Bereich sie arbeiten. Wenn sie direkten Kundenkontakt haben, sind sie regelmässig mit verstecktem oder offenem Rassismus konfrontiert. Die Palette reicht dabei von abschätzigen Blicken über giftige oder herablassende Bemerkungen bis zu Anpöbeleien oder gar Tätlichkeiten. In anderen Positionen, zum Beispiel Kaderpositionen, gibt es ausser Sprachproblemen wenig Schwierigkeiten.

Wie überall sind Migrant/innen auch beim öV in Berufen mit tiefen Löhnen stark überproportional vertreten und haben Schwierigkeiten in anspruchsvollere und besser bezahlte Tätigkeiten zu wechseln, auch wenn sie die nötigen Kapazitäten und Qualitäten dazu hätten. Ausschlaggebendes Stichwort ist hier die Nicht-Anerkennung ausländischer Diplome in der Schweiz. Das ist allerdings kein öV-spezifisches Problem und die Gewerkschaften setzen sich seit Jahren für bessere und unbürokratischere Lösungen ein. Bis jetzt leider mit geringem Erfolg.

Generell sind Migrant/innen überall da gesuchte Arbeitskräfte, wo Mangel herrscht – sei dies bei spezifischen Fachkräften oder in Bereichen, wo der Lohn und/oder die Arbeitszeiten (Schichtarbeit) nicht attraktiv sind. So finden wir neben dem Tieflohnbereich (z.B. Reinigung oder Bahngastronomie) auch bei den Buschauffeuren oder Zugbegleitern viele Kolleg/innen mit Migrationshintergrund.

Wo und wie ist die Migrationskommission für unsere Mitglieder aktiv?

Wir erarbeiten auf nationaler Ebene aktiv Sachthemen, die den Mitgliedern weiterhelfen. Wir organisieren z.B. Bildungsangebote und Migrationstagungen zu Sozialversicherungen oder politischen Rechten. Oder ganz praktisch: Was muss man bei der Einbürgerung machen? Was wir nicht bieten können: direkte Hilfe, wie beim Ausfüllen der Steuererklärung oder von Formularen. Und wir sind nur in den Landessprachen aktiv.

Wo siehst du die Migrationskommission in 10 Jahren?

Am liebsten wäre es mir, wenn die Migrationskommission überflüssig wäre. Weil dann wären die Probleme, die Migrant/innen im öV haben, entweder gelöst – was wohl ein Wunschtraum ist – oder so allgemeiner Natur, dass sie nicht mehr öV-spezifisch wären.

Daneben wünsche ich mir, dass wir über unsere Nasenspitze hinausdenken und unsere Mitglieder für Fragen der Migration sensibilisieren und politisch aktiver werden. Die Migration wird wohl noch zunehmen, sie wird dadurch aber auch normaler. Das bietet uns die Chance, hoffentlich unverkrampfter und sachlicher mit dem Thema umzugehen – natürlich vorausgesetzt, dass die von rechts instrumentalisierte Hetze abflaut. Was leider wiederum ein Wunschtraum sein dürfte. Deshalb müssen wir umso aktiver am Thema arbeiten und Gegensteuer geben.

Fragen: Elisa Lanthaler

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