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Delegiertenversammlung des Unterverbandes LPV

«Basta!» – «Es reicht!»

Die Delegierten des Unterverbands des Lokomotivpersonals sagten in Bellinzona «Stopp!» zu den Forderungen der SBB. Der geladene Personalverantwortliche Markus Jordi erläuterte an der DV die Ausbildung des Lokpersonals.

Die Lokführer Peter Mathis, Stefan Bruderer und Rolf Braun reden Klartext mit Markus Jordi.

«Die Delegiertenversammlung findet zum ersten Mal im Tessin statt», freute sich Thomas Giedemann, Präsident LPV Tessin.

Gleichwohl war die DV geprägt von der Wut des Lokomotivpersonals gegenüber der SBB und deren inakzeptablen Forderungen in den GAV-Verhandlungen. Markus Jordi, Personalverantwortlicher der SBB, präsentierte die Fortschritte in der Ausbildung des Lokpersonals. «Es ist wichtig, dass er unsere Forderungen wahrnimmt. Denn unsere Produktivität steigt schon heute. Beim GAV SBB sprechen wir von einem Leitstern. Er ist unser Stolz und sollte dies auch fürs Unternehmen sein, wenn es seine Mitarbeitenden behalten möchte», betonte Zentralpräsident Hans-Ruedi Schürch. Die Delegierten bestätigten dies mit Nachdruck. So auch Peter Mathis, der kein Blatt vor den Mund nahm: «Die Forderungen der SBB haben mich schockiert! Sie sind inakzeptabel von einem Unternehmen in öffentlicher Hand. Hier drückt klar der Kapitalismus durch.»

Stefan Bruderer betonte, dass sonst zurückhaltende Kolleginnen und Kollegen nun plötzlich laut werden. Rolf Braun brachte es schliesslich auf den Punkt: «Die Produktivitätssteigerung durch das Personal wird nicht finanziell abgegolten. Im Gegenteil. Und nun wollen uns jene, die Sabbaticals geniessen, unsere Garantie der 115 arbeitsfreien Tage pro Jahr streichen. Das ist eine Ohrfeige fürs Personal!»

Markus Jordi war schlau genug, nicht noch Öl ins Feuer zu giessen. Trotzdem versuchte er, die Politik der SBB zu rechtfertigen: «Unsere Branche ist geprägt von zahlreichen Veränderungen: das vierte Eisenbahnpaket der EU mit der dazugehörigen Liberalisierung, die vom BAV geförderten nationalen Fernbusse und die Konkurrenz im Fernverkehr.» Diese äusseren Faktoren konnten Thomas Giedemann nicht überzeugen: «Ich kann das Management nicht verstehen. Es hat Probleme, die ‹von oben› gemacht wurden und lässt sie ‹von unten› bezahlen. Und die einzige Lösung ist die Verschlechterung der Arbeitsbedingungen?» Dass wir uns nicht einfach in unser Schicksal fügen müssen, verdeutlichte er mit einem provokativen Vergleich: «Als Europa unter der Fuchtel der Nazis stand, hat die Schweiz das nicht einfach hingenommen. Wir müssen uns gegen die EU-Projekte wehren.» Damian Vogel ergänzte: «Auch die Reduktion der Ferien oder die Abschaffung der Regionalzulage sind ein Schlag ins Gesicht der Mitarbeitenden. Es ist demotivierend, und sollte euch zu denken geben. Denn ohne Personal läuft der Kasten nicht.»

Am Ende des Tages betonte SEV-Vizepräsidentin Barbara Spalinger die Notwendigkeit, für den GAV zu kämpfen: «Die Verhandlungen sind schwierig, denn man spürt, dass eure Realitäten verkannt werden. Es ist an euch, sie zu erklären und euch für eure Arbeitsbedingungen einzusetzen. Was die Fernverkehrskonzessionen betrifft, ist es nun an der Zeit, dass die SBB, die BLS und das BAV sich an einen Tisch setzen.»

Vivian Bologna/chf


Wahlen und Rücktritte

Gewählt wurden: Christian Meyer (Ersatz Geschäftsprüfungskommission, GPK), Thomas Giedemann (Vizepräsident der DV), Hanny Weissmüller (Frauenkommission), Matthias Papp (GAV-Delegierter SBB/SBB Cargo), Giuseppa Lupica (Ersatzdelegierter GAV), Sven Zimmermann (Jugendkommission). Die Kassiererin Mirjam Ensner hat ihren Rücktritt auf Ende Jahr bekanntgegeben. Interessierte können sich beim LPV melden. Verdankt wurden die Abtretenden Kurt Kälin (GPK-Verantwortlicher), Manuel Grünig (Jugendkommission) und Bernhard Frauenfelder (Präsident der DV).

vbo/kt

Das LPV-Logo passt sich dem des SEV an

Markus Kröpfli von der Peko refe- rierte zum Thema Sopre und des- sen Problemen. Die Software hat die SBB schon um die 100 Millio- nen gekostet – und wirft inmitten von unverständlichen und ständig wechselnden Informationen viele Fragen auf. «In einigen Fällen wurde sogar das AZG verletzt. Das darf nicht passieren!», so Kröpfli.

Bei der Diskussion um das SEV- Logo gab Barbara Spalinger den Ton an: «Ein Logo ist wie ein Kind, bevor es zur Welt kommt. Man interessiert sich dafür, alle wollen bei der Namenswahl mitreden und sechs Monate später spricht niemand mehr davon.» Am 4. Mai hat der SEV-Vorstand entschieden, seine visuelle Identität zu vereinheitlichen. Der LPV schliesst sich den anderen Unterverbänden mit 15 zu 5 Stimmen bei 3 Enthaltungen an. Zum 100-jährigen Jubiläum wird der ganze SEV als Einheit auftreten.

Lokführerausbildung

SBB-Personalchef Markus Jordi in- formierte als Gastreferent über die Bundesprüfung des Lokpersonals, die in der Verantwortung des Vereins für die höhere Berufsbildung der Lokomotivführer/innen (VHBL) liegt, bei dem der SEV Mit- glied ist. «Die Prüfung erhöht den Wert und die Attraktivität des Be- rufes auf dem Markt und hilft, den Fachkräftemangel zu entschärfen», erklärte Jordi. Die Kosten der freiwilligen Ausbildung und die Betei- ligung der SBB sind noch unklar. Weitere Infos: www.vhbl-afsm.ch.

Ferner haben die Delegierten zwei Resolutionen verabschiedet, die allen Unterverbänden vorgelegt wurden (siehe Bericht zur DV AS im kontakt.sev Nr. 6/18). Zum Schluss wurden die Delegierten über eine Umfrage bezüglich Klimaanlage/Heizung in den Führerständen informiert und zur Teilnahme eingeladen. Auch du kannst deine Meinung kund- tun: Scanne einfach den QR-Code, um zur Online-Umfrage zu gelangen und teilzunehmen.

vbo/kt

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