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SBB Infrastruktur: Totaler Fehlstart bei NORS

SBB Infrastruktur Instandhaltung I-IH hat per 1.1.2019 mit NORS (Neuorganisation Organisationsmodell Region Süd) eine tiefgreifende Reorganisation in Betrieb genommen. Wie zu befürchten war, kam es zu einem totalen Fehlstart.

«Das pure Chaos! So kann man einfach nicht arbeiten», sagen die Mitarbeitenden dem SEV.

Die erste Umfrage unter dem Personal mit einem sagenhaften Rücklauf von 80% ergab folgendes Bild:

  • Die Arbeitsabläufe und Zusammenarbeit mit anderen Teams funktionieren noch nicht gut genug und noch nicht reibungslos.
  • Die NORS-Veränderungen sind noch nicht für alle nachvollziehbar.
  • Die Einsatzplanung ist nicht verlässlich, es bestehen Herausforderungen in der Arbeitsplanung und der Disposition.
  • Das VP-Tool ist noch nicht genügend benutzerfreundlich und der Überblick ist noch zu verbessern
  • VPGO ist noch zu wenig benutzerfreundlich.
  • Fahrzeuge sind nicht gut auf die Teams zugeteilt.
  • Ständig ändernde Teams führen zu einer gewissen Unzufriedenheit.
  • Der Austausch in beiden Landessprachen ist teilweise eine Herausforderung.

Die aufgeführte Wortwahl stammt von der Projektleitung NORS. Dem SEV sagen die Mitarbeitenden: «So kann man einfach nicht arbeiten, das pure Chaos!» So ist auch das Problem der Zweisprachigkeit ein typisch selbstverursachtes Eigengoal, dass man nicht einfach wegdiskutieren kann.
Praktisch alle Punkte hat der SEV im Leitfadenverfahren vor dem Start und seit Beginn 2019 schon angesprochen und moniert. Wieder einmal hat es ein SBB-Bereich fertig gebracht, sein Personal zu demotivieren und gleichzeitig seine Produktivität in den Boden zu fahren.

Nächste Regionen nicht vor 2021

Positiv zu werten ist hingegen der Umgang der zuständigen Stellen mit diesem Fehlstart. Die Probleme werden anerkannt (auch wenn es manchmal mehr braucht als eine Rückmeldung). Mit dem SEV wurde sofort eine Begleitgruppe und ein Fachausschuss eingerichtet, der laufend Probleme einspeist und zu lösen sucht. Die Kommunikation ist offen, auch gegenüber den Mitarbeitenden. Insbesondere die Leitung I-IH anerkennt die grossen Probleme und versucht sie zu lösen. «Augen zu und durch, und dann voll an die Wand» scheint nicht die Idee zu sein.

Die Projektleitung reagiert nun sogar schon so, dass sie gewisse Fachbereiche nochmals wesentlich korrigiert. Aus unserer Sicht in die richtige Richtung. Aber ob das genügt? Wesentlich für den SEV sind die Aussagen des Leiters Infrastruktur Instandhaltung. Absolut zentral sei in diesem Zusammenhang der Begriff «Bahn im Griff». Man wolle auf jeden Fall, dass die NORS-Organisation stabil werde, dass das Personal wieder gut arbeiten könne. Das habe zurzeit absolute Priorität. Darum sagt Jean-Michel Germanier, Leiter I-IH, auch, dass eine allfällige Ausdehnung einer NORS-Organisationsform auf andere Regionen keinesfalls vor 2021 kommen kann. Zudem ist auch klar, dass die Region Süd so oder so nicht unangepasst auf andere Regionen übertragen werden kann.

Der SEV wird weiter am Ball und bei den Mitarbeitenden bleiben. Die grosse Frage bleibt: Ist das Pilotprojekt NORS mit riesigem Aufwand überhaupt so zu reparieren, dass das Personal einfach wieder arbeiten kann, und die Effizienz sich tatsächlich verbessert im Vergleich zu vorher?

Wir haben da unsere Zweifel.

Urs Huber, Gewerkschaftssekretär SEV
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Kommentare

  • Ewald Berchtold

    Ewald Berchtold02/04/2019 18:50:03

    Danke für diesen Kommentar! Mir als Mitarbeiter der Region Süd von I-IH fällt beim Projekt NORS auf, dass die Tessiner Kultur (die durchaus ihre Berechtigung hat) auf die Mitarbeiter nördlich des Gotthards übertragen werden soll. Das wird nicht funktionieren. Es besteht nicht nur ein Sprachproblem!

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