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SBB-Division Infrastruktur

Instandhaltung SBB: Wer hat hier die Prüfung nicht bestanden?

Anfang Jahr bekam der SEV Kenntnis davon, dass in einer Region von Instandhaltung Infrastruktur SBB bei der Prüfung «RTE 20100 Sicherheit bei Arbeiten im Gleisbereich» die Mehrheit einer ganzen Berufskategorie nicht bestanden hatte. In drei Niederlassungen lag die Misserfolgsquote zwischen 60 und 90%.

Für den SEV war klar: Da stimmt doch etwas nicht. Die Erkundungen gaben folgendes Bild: Diese Mitarbeitenden mussten die Prüfung erstmals digital ablegen. Aus verschiedenen Quellen erfuhren wir, die digitale Prüfung sei mühsam und gewöhnungsbedürftig, auch für Kollegen, die durchaus digital unterwegs sind.

Dazu kommt, dass die bisherige Schulung mit Ausbildnern um 50% gekürzt wurde – auf noch einen halben Tag. Als Ersatz für die weggefallene Schulungszeit sind jetzt digitale Schulungen vorgesehen. Aber nicht alle Facharbeitenden im Netzunterhalt haben den gleichen Zugang zu brauchbaren digitalen Geräten, sind damit gleich vertraut etc.

Was den SEV aber am meisten erstaunte, was wir nicht verstehen können, ist die Tatsache, dass Mitarbeitende, die die Prüfung nicht bestehen, nicht mal Kenntnis davon erhalten, was sie falsch gemacht haben. Um ihre Fehler zu erfahren und daraus lernen zu können, müssen sie quasi ein Gesuch stellen, als würden sie die Prüfung anfechten. Mit Verlaub, das ist absurd. Wo bleibt der Lerneffekt? Dass dieser Systemfehler auch bei anderen Prüfungen gemacht wird, macht die Sache nicht besser. Der SEV hat deshalb bei der SBB interveniert. Die Peko hat in ihrer Stellungnahme an die SBB ebenfalls eine Korrektur verlangt.

Urs Huber

So geht Digitalisierung nicht

Kommentar von Urs Huber*

Die hohe Misserfolgsquote bei den Prüfungen liess aufhorchen. Denn das waren nicht einfach Neulinge, sondern Kollegen, die sich teilweise seit Jahrzehnten auf den Gleisen bewegen. Das kann ja nicht wahr sein! Was ist hier schiefgelaufen?

Wurde an der Schulung gespart? Wohl auch. Immerhin wurde die Schulungszeit mit Ausbildnern um 50% gekürzt. Und der digitale Ersatz der weggefallenen Schulungszeit scheint nicht zu funktionieren, auf jeden Fall nicht gut.

Ist der Prüfungsvorgang nicht bedienerfreundlich? Scheint so zu sein. Das muss überprüft werden. Eine Prüfung soll man dann nicht bestehen, wenn man zu wenig Sachkenntnis hat. Nicht weil man mit dem Tool nicht zurechtkommt.

Und dann diese Situation, dass man nicht erfahren kann, was man falsch geantwortet hat. Was soll das bitte schön? Geht es wirklich nur um Ja/Nein? Bestanden/nicht bestanden? Sollte es nicht vor allem auch darum gehen, zu wissen, was ich falsch mache? Ob bestanden oder nicht. Ein Test zur Sicherheit, und man will mir nicht sagen, was ich falsch geantwortet habe? Das kann nicht sein. Das ist lernmethodisch Mittelalter und sicherheitspolitisch fahrlässig. Kaum zu glauben, in der alten Papierwelt ging das: Man teilte die korrigierten Prüfungsbogen aus, sodass die Geprüften sehen konnten, was sie falsch gemacht hatten. Und dann zog man die Bogen wieder ein.

Das Beispiel zeigt auch: Es genügt nicht, wenn die Chefetage sagt, jetzt sind wir alle digital. Die Umsetzung entscheidet über Erfolg oder Misserfolg. Es braucht auch keine Rückkehr zu Papier und Kugelschreiber. Aber nicht die Systeme sind das Mass, sondern die Mitarbeitenden. Der SEV hat seine Kritik angebracht und hofft auf schnelle Korrekturen. Gerade wegen der Sicherheit.

*Urs Huber ist Gewerkschaftssekretär und leitet das SEV-Team Infrastruktur.

Kommentare

  • Christoph Walther

    Christoph Walther 15/03/2019 10:03:15

    Guten Tag Urs
    ich antworte Dir basierend auf meinen Erfahrungen als Entwickler von Bildungsprodukten bei HR-BIL.
    Aus meiner Sicht sprichst Du in deinem Artikel und Kommentar verschiedene Aspekte und Ebenen an:
    - Funktionalität der IT-Infrastruktur, inkl. dem Learning Management System (LMS)
    - Dauer der Ausbildung
    - Gestaltung der Ausbildung / didaktisches Verständnis
    und ich finde, dass diese ganz unterschiedlich zu behandeln sind.

    Mit den Funktionalitäten der IT-Infrastruktur haben wir alle zu leben - sie sind Rahmenbedingungen welche in strategischen Entscheidungen gefällt wurden. Da bitte ich Dich in deiner Funktion als Gewerkschaftssekretär bei den zuständigen Führungskräften die solche Rahmenbedingungen geschaffen haben zu intervenieren und auf eine Verbesserung der Funktionalitäten hin zu wirken. Du würdest uns allen einen Gefallen tun.

    Ausbildungszeit: In meinem Verständnis ist es nicht die Absicht die Ausbildungszeit zu kürzen, sondern diese zu verändern und den veränderten Gegebenheiten an zu passen: Es wurde der Präsenzunterricht gekürzt und das Auffrischen von Fachwissen in die Vorbereitungszeit verlegt. Die Vorbereitungsaufgaben gehören natürlich auch zu der Ausbildungszeit! Für die seriöse Vorbereitung muss Zeit eingeplant werden und hier wäre aus meiner Sicht eine klare und deutliche Intervention der Gewerkschaft mehr als wünschenswert. Du würdest allen einen Gefallen tun, wenn Du dich in der Linie/Fläche dafür einsetzen würdest, dass die Vorbereitungszeiten verbindlich geplant und umgesetzt werden.

    Gestaltung der Ausbildung/didaktisches Verständnis: Beides hat sich im Laufe der letzten Jahren (Jahrzehnten) gewandelt und mit den aktuellen gesellschaftlichen und technologischen Gegebenheiten Schritt gehalten. Das umfasst die oben beschriebene Gestaltung der Lernzeiten, die Nutzung und Anwendung aktueller Hilfsmittel und ein modernes Verständnis von Lernen. Dazu gehört auch der Umgang mit Prüfungen und Standortbestimmungen. Gerne lade ich Dich zu einem persönlichen Update in diesen Themen ein. Auch hier wäre eine zeitgemässe Unterstützung durch die Gewerkschaft in meinen Augen sehr wünschenswert.

    Zu einem Austausch immer gerne bereit verbleibe ich mit einem freundlichen Gruss, Christoph

  • Martin

    Martin 16/03/2019 18:06:12

    Bonjour,
    bravo pour cet article. C'est exactement ce qui se passe actuellement. c'est pire qu'à l'école enfantine, du n'importe quoi ! et encore, à l'école on pouvait regarder où nous faisions des fautes afin de pouvoir les corriger. Cela fait 34 ans que je travaille aux CFF, chez Infra, service des câbles et 17 ans que je suis Direction de Sécurité. Chaque année des nouveautés arrivent, de plus en plus compliquées qu'ils nous faut à chaque fois assimiler. Pas étonnant, dès lors qu'il aie autant d'échec.
    Je suis conscient que l'évolution technique amène des changements, mais rien n'est fait pour aider les collaborateurs qui exécutent des tâches de sécurité.
    J'aime mon métier, j'aime établir des dispositifs de sécurité afin que mes collaborateurs travaillent en toute sérénité et sécurité. C'est ce qu'on appelle de la conscience professionnelle.
    Pour moi, il n'y a pas de fumée sans feu ! J'ai plutôt l'impression, que vu le nombre d'examens loupés, cela devienne une bonne excuse pour que notre Direction crée des "Professionnels" de la sécurité, qui ne feront plus que ça, sans se soucier des problèmes que nous rencontrons quotidiennement sur le terrain.
    Voilà mon avis sur la question.
    Cordiales salutations à tous les collègues.
    Bernard Martin.

  • Pascal

    Pascal 17/03/2019 11:36:54

    Ravi pour votre réaction, j’espère que cela aboutisse à quelque chose

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