SBB Infrastruktur
Fahrbahn-Instandhaltung: Abbau von 200 Stellen trotz mehr Aufträgen – ein No-Go!
SBB Infrastruktur will bei der Instandhaltung trotz laufend steigendem Arbeitsvolumen 200 Stellen abbauen. Zudem will sie beim Fahrbahnunterhalt den Anteil des Auftragsvolumens, bei dem private Auftragnehmer als General- oder Totalunternehmer die volle Verantwortung tragen, bis 2025 von heute 6 auf rund 50 Prozent erhöhen. Beides lehnt der SEV ab und fordert ein sofortiges Treffen mit den SBB-Verantwortlichen.

Die Abbau- und Auslagerungspläne machte am Samstag die «Schweiz am Wochenende» publik. Die SBB schrieb in einer Stellungnahme, dass kein Stellenabbau geplant sei. Denn das Auftragsvolumen bleibe gleich: Die externen Firmen würden wie bisher für die Erneuerung von rund 100 Kilometern Fahrbahn pro Jahr eingesetzt. Was ändere, sei «nur» das Beauftragungsmodell: Bei der Fahrbahnerneuerung machten heute externe Vergaben nach dem Modell «Bauen mit Dritten» (mit Übertragung der Auftragsverantwortung an die beauftragten Firmen) 6% des Arbeitsvolumens aus. Nun solle dieser Anteil bis 2025 auf rund 50% erhöht werden.
Davon erhoffe man sich «mehr Innovation» und damit einen «effizienteren Einsatz der Steuergelder.» Das «Umlagerungsprojekt» trage den Namen «Beauftragung Grossunterhalt und Projekte (BGP)» und sei am 1.Oktober gestartet worden. Verantwortlich für die Umsetzung sei eine neue Geschäftseinheit, die zurzeit aufgebaut werde.
Die SBB bestätigte, dass in den vergangenen Jahren markant mehr Fahrbahnkilometer erneuert wurden. 2017 seien es 212 Kilometer gewesen.
SEV verlangt sofortigeAussprache mit SBB-Chefs
Gewerkschaftssekretär Urs Huber, der beim SEV für die SBB-Division Infrastruktur zuständig ist, widerspricht der SBB-Darstellung, dass kein Stellenabbau geplant sei: «Ein internes Dokument der Geschäftsleitung Infrastruktur spricht von ‹beträchtlichen Einsparmöglichkeiten› durch den Abbau von bis zu 200 SBB-Stellen. Das ist angesichts der massiven Zunahme des Arbeitsvolumens verantwortungslos und inakzeptabel. Wir verlangen eine sofortige Aussprache mit den Verantwortlichen von SBB Infrastruktur.»
«Markt» existiert nicht
Aber auch die geplante Auslagerung der Ausführungsverantwortung für Instandhaltungsarbeiten findet Urs Huber keine gute Idee: «Das Problem ist, dass es beim Fahrbahnunterhalt in der Schweiz zurzeit gar keinen richtigen Markt privater Anbieter gibt.»
Urs Huber ist sehr besorgt. «Jede Reorganisation der vergangenen Jahre – und davon gab es unzählige – hat Know-how vernichtet und die Abwanderung von Fachleuten gefördert. Das wird sich mit diesem Projekt noch zuspitzen. Denn den so genannten Privaten fehlt zurzeit weitgehend das nötige Know-how, um die Idee der SBB-Chefs überhaupt umsetzen zu können. Dieses Know-how können sie zurzeit eigentlich nur bei der SBB holen, was zu einer weiteren markanten Schwächung des Know-hows bei der SBB führt. Dadurch wird die SBB immer abhängiger von den privaten Unternehmungen.»
Es droht Rosinenpickereider Auftragnehmer
Was passiert beim geplanten Vorgehen konkret? «Logischerweise werden sich Private nur um Aufträge bemühen, die für sie attraktiv, gewinnversprechend und mit möglichst wenig Komplikationen verbunden sind», erklärt Urs Huber.
«Umgekehrt heisst das, dass die SBB tendenziell mehr unattraktive, schwierige Arbeiten ausführen darf. Und natürlich werden die Intervention und das Störungsmanagement bei der SBB bleiben. Mit der vorgesehenen Aufteilung werden diese bestimmt nicht billiger werden.»
Markus Fischer,
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