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Fahrleitung I-VU

Neues Laufbahnmodell bringt Bewegung

Harmonisierung, Perspektiven und Transparenz: Dies sind die wichtigsten Punkte des neuen Laufbahnmodells für den Bereich Fahrleitung.

Es ist kein Quantensprung, aber immerhin eine klare Verbesserung: SBB Infrastruktur, respektive der Bereich Verfügbarkeit und Unterhalt (I-VU), lanciert ein neues Laufbahnmodell im Bereich Fahrleitung. Für den SEV ist dabei wichtig, dass es auch eine Dynamik im Lohnbereich gibt. Die Umsetzung erfolgt bereits auf den 1. Juni 2021.

Dieser Tage wurden die 290 Mitarbeitenden des Bereichs Fahrleitung über das neue Laufbahnmodell orientiert. Dabei hielt die SBB folgende wichtige Punkte fest:

  • Die SBB will eine schweizweite Harmonisierung, wobei die Aufbauorganisation bestehen bleibt.
  • Keine Abstufung von Mitarbeitenden aufgrund der Anforderungen im Laufbahnmodell.
  • Transparentes Laufbahnmodell mit neuen Perspektiven für die Mitarbeitenden
  • Eine Harmonisierung mit dem Bereich Fahrbahn. Künftig soll es noch acht Funktionen geben, bisher gab es über 30 Stellenbeschriebe (Steb).

Im sogenannten Konsultationsverfahren hinterfragte der SEV das Projekt und konnte schriftliche Absicherungen und Zusicherungen erreichen.

Altbekanntes Problem

Grundsätzlich thematisiert der SEV seit Jahren die personellen Probleme in vielen Fachbereichen der Infrastruktur, so auch im Fahrleitungsbereich. Er sah schon lange Handlungsbedarf.

Ob gut gemeint auch gut umgesetzt bedeutet, wird sich wie immer zuerst weisen müssen. Immerhin zeigen die Angaben der SBB auch bei Einreihung und Lohn erfreuliche Wirkung.

Der SEV wies darauf hin, dass nicht nur beim Bereich Fahrleitung Handlungsbedarf besteht. SBB Infrastruktur sagte zu, auch andere Bereiche einer Untersuchung zu unterziehen. Schon in absehbarer Zeit ist eine Umsetzung für weitere Bereiche geplant.

Umfeld und Wirkung

Bereits vor kurzem konnte der SEV mit zähen Verhandlungen erreichen, dass 40 weitere Mitarbeitende für die Marktzulage B100 bei I-VU berechtigt werden.

Gerade die Nichtberücksichtigung der Chefmonteure FL blieb ein grosses Ärgernis. Mit dem Fahrplanmodell Fahrleitung kommen nun auch sie zum Zug. Das ist erfreulich. Ungelöst bleibt aus SEV-Sicht auch im neuen Laufbahnmodell das Laufbahn-Thema B100.

Wahlfreiheit garantiert

Die Höhereinreihungen führen teilweise zum Verlust von Valida. Je nach Alter und Situation wäre dies für die betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein klarer Verlust und kein Gewinn. Dem SEV wurde aber schriftlich zugesichert, dass die betroffenen Chefmonteure eine Wahlfreiheit zugesprochen erhalten.

Nicht selten gibt es bei neuen Modellen schöne Worte mit wenig Wirkung. Immerhin 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen aber nun schon auf den 1. Juni eine konkrete Lohnwirkung bekommen, weitere sind absehbar.

SEV
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Endlich kapiert!

Kommentar von Urs Huber, SEV-Gewerkschaftssekretär.

Es geschehen erfreuliche Dinge bei Infrastruktur SBB. Man muss es sagen. Nicht überall, aber punktuell kommt etwas in Bewegung. Um was geht es?

Seit Jahr und Tag hat der SEV bei jeder Gelegenheit auf den Fachkräftemangel in vielen Bereichen von SBB Infrastruktur hingewiesen. In den Medien kamen sie nicht vor, die fehlenden Fahrleitungsmonteure, SA-Monteure, Leute im Gleisbau etc. Es war teilweise einfach zum Verzweifeln.

Während bei den Lokführern P irgendwann der Chefetage und den Medien klar war, dass gehandelt werden muss, ging bei Infrastruktur SBB jahrelang nichts. Unglücklicherweise spickte es sogar noch bewährte Kolleginnen und Kollegen wegen einer der unzähligen Reorganisationen raus.

Es gab und gibt krasse Beispiele: So das Fahrleitungsteam in der Zentralschweiz, das mich zu Hilfe holte, nachdem ein nominelles 10er-Team noch fünf Leute umfasste und zwei weitere gekündigt hatten. Oder als bei einem gesundheitlichen Zwischenfall im Gotthardtunnel sichtbar wurde, dass kein einziger der sechs eingesetzten B100-Lokführer auch bei der SBB angestellt war: Alle waren eingemietet. Bei solchen Zuständen ist das Aufrechterhalten des Betriebs gefährdet, und die Einmietungen kosten astronomische Summen. Die Pikettfähigkeit mancher Teams ist oft nur noch mit extremem Goodwill des Personals, «kreativen» Übergangslösungen und schlechteren Einsatzzeiten möglich.

Nun, im Grossen und Ganzen geht heute noch nicht viel. Dennoch haben die Verantwortlichen aber begonnen, die einzelnen Fachbereiche zu durchleuchten, und endlich auch zu handeln. Das nimmt der SEV erfreut zur Kenntnis.

Es ist zu hoffen, dass die Bemühungen nicht zu spät kommen und dass bei der Umsetzung die neuen Möglichkeiten schnell genutzt werden. Und nicht wieder interne Prinzipienreiter die Chancen zu Problemen verdrehen. Hier zu sparen wird definitiv teuer, enorm teuer! Denn der Markt spielt, und Fachleute sind begehrt.

Kommentare

  • Burkhard Peter

    Burkhard Peter03/06/2021 19:38:16

    Das Foto ist ok aber die Kleider leider nicht

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