Bahnhofreinigung
SBB Immobilien will auf Kosten der Temporären auslagern
SBB Immobilien will künftig nur noch grössere Bahnhöfe mit eigenem Personal reinigen und deshalb 130 bis 150 Temporärmitarbeitende weniger einsetzen. Zugleich sollen von diesen 30 bis 50 festangestellt werden. Temporär- wie Festangestellte sind stark verunsichert und haben sich an den SEV gewandt. Der SEV hat nun eine Petition lanciert.

SBB Immobilien informierte am 15. April intern über das Projekt «Compass», mit dem beim Bereich Facility Management geklärt werden soll, welche Leistungen künftig durch SBB-Mitarbeitende ausgeführt werden, welche Leistungen durch Temporärangestellte und welche durch externe Dienstleister.
Die Absicht der SBB ist es, die technischen- und die Reinigungsleistungen mit eigenem Personal nur noch in grossen Bahnhöfen zu konzentrieren. So sollen von Mitte 2022 bis Ende 2023 130 bis 150 Arbeitsplätze, die derzeit Temporärmitarbeitenden zugeordnet sind, wegfallen und 30 bis 50 Arbeitsplätze in mittelstark und stark frequentierten Bahnhöfen entstehen.
Die SBB informierte nur sehr allgemein, was das Personal völlig verunsicherte. Den Temporären, von denen viele seit mehr als fünf Jahren bei der SBB arbeiten, wurde mitgeteilt, dass sie ihren Arbeitsplatz eventuell verlieren, sich aber für die neuen internen Stellen bewerben dürfen.
SEV fordert Integration aller Temporärmitarbeitenden
Der für SBB Immobilien zuständige SEV-Gewerkschaftssekretär Patrick Kummer umreisst die SEV-Position zum Projekt «Compass» wie folgt:
«Der SEV wird das Projekt sehr eng begleiten und für folgende Punkte Lösungen fordern, die sich an den Personalbedürfnissen orientieren:
- Der Abbau von 130 bis 150 temporären Stellen ist für den SEV nicht akzeptabel.
- Der SEV ist grundsätzlich der Meinung, dass Leistungen im Facility Management intern erbracht werden sollen, also durch SBB-Mitarbeitende. Die Auslagerung an externe Dienstleister ist nicht im Interesse der Öffentlichkeit. Im Sinne eines starken Service public müssen alle Bahnhöfe von internen SBB Mitarbeitenden betreut werden. Dass die SBB 30 bis 50 Temporärangestellte internalisieren will, ist ein Schritt in die richtige Richtung, der aber nicht genügt.
- Das bisherige Chaos in der Leistungserbringung mit Temporären und externen Dienstleistern soll mit diesem Projekt geklärt werden, was an sich positiv ist.
- Funktionsänderungen hatten wir bereits mit "Silhouette". Wenn es weitere Funktionsänderungen gibt, dann ausschliesslich im Sinne der betroffenen Mitarbeitenden.
- Mögliche Arbeitsortverschiebungen müssen mit den betroffenen Mitarbeitenden diskutiert werden, um für beide Seiten akzeptable Lösungen zu finden.»
Der SEV bleibt dran und wird laufend informieren. Bei Fragen oder Anliegen helfen die SEV-Regionalsekretariate oder SEV-Gewerkschaftssekretär Patrick Kummer weiter:
Auslagerung einer traditionellen Aufgabe der SBB
«Die Auslagerung der Reinigung von kleinen Bahnhöfen ist de facto eine Ausgliederung einer bestehenden SBB-Kompetenz und in diesem Fall eine Kosteneinsparung auf dem Rücken der Arbeiterinnen und Arbeiter, die eine wenig prestigeträchtige und undankbare, aber sehr wichtige und nützliche Arbeit leisten», kommentierte SEV-Gewerkschaftssekretär Angelo Stroppini in seiner Medienmitteilung vom 17. April an die Tessiner Medien. «Die Bahnhofsreinigung ist eine der Visitenkarten der SBB. Warum diese Aufgaben auslagern? Nach Ansicht des SEV sollte die SBB stattdessen alle derzeit beschäftigten Temporärkräfte fest anstellen, anstatt einen grossen Teil von ihnen durch eine weitere Reorganisation zu entlassen. In ihrem Newsletter an die Mitarbeitenden betonte die SBB, dass sie darauf achten werde, dass den externen Partnern, die den Auftrag übernehmen, genaue Vorgaben gemacht werden, damit sie die SBB mit Mitarbeitenden repräsentieren, die durch das SBB-Logo auf den Geräten erkennbar sind. Das ist kurz gesagt ein grosser Witz für die derzeitigen Temporärangestellten, die ihren Job verlieren! Auf diese Externalisierung antworten Gewerkschaft und Mitarbeitende, dass die Verwendung oder Übertragung eines Firmenlogos nicht ausreicht, um zu verbergen, womit wir es zu tun haben: mit einer echten Auslagerung einer traditionellen Aufgabe der SBB an Dritte.»
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