Kommentar von Urs Huber
Lasst uns doch einfach mal arbeiten!
Sie toben sich wieder aus, die obersten SBB-Kader. Sie können es nicht lassen, wie auch. Denn offensichtlich sehen sie die Kernaufgabe ihres Jobs nicht darin, den Kunden eine möglichst störungsfreie, effiziente Dienstleistung zu bieten und dazu vielleicht auch etwas ans Personal zu denken. Nein, man gewinnt den Eindruck, sie sind nur am Reorganisieren interessiert, am Verschieben, Zerschneiden, dann wieder Zusammenführen. Im Kleinen, fast im Monatsrhythmus, und jetzt kommen noch die grossen Kisten. WEP Weiterentwicklung Personenverkehr und Infrastruktur 2.0 etc. Und immer haben sie eine gute Begründung parat. Dumm nur, dass das Ganze selten mehr als drei Jahre hält, dann kommt die nächste Reorg, natürlich auch die mit einer guten Begründung.
Ausbaden darf diese Reorganisationsmanie das Personal, und oft auch die Kundschaft. Und genau diese Kombination tut den Eisenbahnern und Eisenbahnerinnen am meisten weh. Selber zahlen sie den Preis für die Dauer-Reorgs, aber es wird ja nicht mal besser, für die Kunden, für den Betrieb.
Die aktuelle Störungsanfälligkeit des Systems scheint auch nicht besonders zu stören. Die obersten Chefs reden nur noch von 4.0, von der Bahn der Zukunft etc. Sie vergessen nur zu gerne: Um in die Zukunft zu gelangen, muss man erst mal die Gegenwart überstehen!
Auch die SBB steuert auf einen gravierenden Fachkräftemangel zu, das realisieren einige Top-Kader auch. Aber im echten Leben wird aktiv Fachwissen vernichtet, denn jede Reorganisation beginnt immer mit einem Knowhow-Verlust der Organisation, gute Fachleute haben genug, verlassen die SBB, gehen schneller in die Pension oder in die innere Resignation.
Natürlich, das ist das Gemecker eines Gewerkschafters. Aber dafür gibt es auch Beweise, schwarz auf weiss: die entsprechenden Werte der Personalumfrage. Das Vertrauen in die Führung sinkt und sinkt.
Wir sind keine Zukunftsverweigerer, die Welt verändert sich, auch die Bahnwelt. Doch was nützt das Gerede über die ferne Zukunft, wenn man die Gegenwart nicht überlebt?
Diese Wutrede zur Reorganisationswut der obersten SBB-Chefs habe ich gehalten im Namen all jener Mitarbeitenden der SBB, die tagtäglich ihr Bestes tun für ihre Bahn, für ihre SBB, für ihre Kunden, und an ihrer Führung verzweifeln. Sie haben nur einen Wunsch, den sich die Chefs der SBB zu Weihnachten zu Herzen nehmen sollten: Lasst uns doch einfach mal arbeiten!
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