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SEV-LPV zur Zunahme der Rangiersignalfälle

Mehr Signalfälle: Ausbildung verbessern und Arbeitsdruck senken

Letztes Jahr sind im Rangierdienst auffällig viele Signale missachtet worden. SBB und BLS wollen ihr Personal verstärkt sensibilisieren und schulen. Dies begrüsst der SEV, fordert aber auch Massnahmen zur Reduktion des Arbeitsdruckes.

Rangiersignalfälle 2008 bis 2017 auf dem SBB-Netz, aufgeschlüsselt nach Verursachern. Quelle: SBB.

 Unter dem Titel «Lokführer sehen Grün statt Rot» machte die «SonntagsZeitung» am 29. Juli publik, dass 2017 gemäss Statistik des Bundesamts für Verkehr (BAV) auf allen Bahnnetzen in der Schweiz durch Lokpersonal aller Unternehmen insgesamt 325 Signale missachtet wurden, dies sei «ein Rekord und ein Plus von 40 Prozent» gegenüber dem Jahr 2010. Betrachtet man nur das Normalspurnetz, waren letztes Jahr 102 Haupt- und 179 Rangiersignale betroffen, gegenüber 100 Haupt- und 93 Rangiersignalen 2010.

Signifikante Zunahme im Rangier

Damit seien die Hauptsignalfälle 2017 im Jahresschnitt seit 2010 gelegen, relativierte das BAV. Trotz der jährlichen Verkehrszunahme seien die Hauptsignalfälle nicht gestiegen, wohl aber die Rangiersignalfälle. Als mögliche Ursachen nennt das BAV nach Gesprächen mit den Bahnen ein neues Rangier- und Zustellkonzept, das ca. 15% mehr Rangierbewegungen verursacht (WLV17), die allgemeine Verkehrserhöhung sowie «komplexe Verhältnisse und Veränderungen der Anlagen durch Baustellen». Die Grafik (unten nochmals in besserer Bildauflösung, dafür nötigenfalls draufklicken) zeigt, wie viele Rangiersignalfälle auf dem SBB-Netz durch die einzelnen SBB-Divisionen 2008 bis 2017 verursacht wurden. Bei SBB-Infrastruktur ereigneten sich 66% der Fälle im Baubereich.

Sensibilisierung und Ausbildung

Die Leitung Zugführung des Personenverkehrs SBB schrieb ihrem Lokpersonal im März: «Gerade im Bereich der Rangierereignisse sind wir besorgt, da keine Sicherheitseinrichtung vorhanden ist und die möglichen Konsequenzen von grossem Ausmass sein können.» Weil «berufsjunge Mitarbeitende häufiger betroffen» seien, empfiehlt ihnen die Leitung ZF, mit Vorgesetzten zu sprechen, um von deren Erfahrung zu profitieren, und sich in grossen Bahnhöfen von Ausbildungslokführern begleiten zu lassen. Auch würden Refresher-Kurse für Rangierbahnhöfe und grosse Knotenbahnhöfe erarbeitet.

In der «Liberté» vom 2. August wird die SBB zudem mit dem Satz zitiert, dass sie daran sei, die Grundausbildung zu überprüfen und an die künftigen Anforderungen anzupassen. Dies wollte sie auf Anfrage von kontakt.sev nicht präzisieren. Die BLS will laut «Liberté» ab Dezember eine obligatorische Intensivkurswoche mit Rangierdienst unter Aufsicht von Ausbildern einführen.

Auch beim Arbeitsdruck ansetzen

Sensibilisierung und freiwillige Massnahmen speziell für Junglokführer findet Hans-Ruedi Schürch, Zentralpräsident des SEV-Unterverbands des Lokpersonals (LPV) «etwas billig». Umso mehr befürwortet er eine Verstärkung der Ausbildung: «Es braucht mehr Praxis im Manöverdienst, und zwar nicht nur am Simulator.»

Eine Ursache für Signalfälle sei aber auch der gestiegene Arbeitsdruck: «Durch die Optimierung der Zugumläufe sind die wichtigen Entspannungspausen von wenigen Minuten zwischen zwei Einsätzen vielfach weggefallen. Diese gehören bewusst eingeplant!» Wenig förderlich für die Konzentrationsfähigkeit sei auch häufiges Einspringen für kranke Kolleg/innen an freien Tagen als Folge von Personallücken in gewissen Depots: «Diese Lücken sind rasch zu schliessen.» Zudem seien für die Manöver genügend grosse Zeitfenster einzuplanen.

Fi

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