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Porträt – Sabrina Tessmer

«Ich kam von selbst in den SEV»

Mit der neuen ZPV-Vizepräsidentin Sabrina Tessmer kommt die zweite Frau in den SEV-Vorstand.

Ich treffe Sabrina Tessmer um 05.45 Uhr – für mich noch mitten in der Nacht – auf Gleis 13 am Zürcher Hauptbahnhof. Trotz Frühschicht sieht die Zugbegleiterin ganz munter aus in ihrer SBB-Uniform. Sie trägt sogar das Foulard, obwohl es heiss werden soll heute. Der Zugchef teilt ihr die vier Wagen der vorderen Zugkomposition zu und wir machen uns auf den Weg nach vorne.

Von selbst zur Gewerkschaft

«Ich bin seit acht Jahren bei der SBB und im SEV», erzählt Tessmer, die im Mai dieses Jahres zur Vizepräsidentin des Zugpersonalverbands gewählt worden ist. Wie sie zum SEV gekommen ist, will ich wissen. «Ganz von selbst», sagt sie. «Ich habe meine Ausbildung bei der Deutschen Bahn gemacht und war in der EVG. Als ich zur SBB kam, habe ich selbst nach einer Gewerkschaft gefragt und bin sofort beigetreten.»

Kurz nach Abfahrt des Zuges in Richtung Bern ertönt die automatische Durchsage «Nächster Halt: Olten». «Oh, da ist aber noch Zeit!», lacht Tessmer. Vor Olten kommt dann keine automatische Durchsage mehr …

Kaum ein Reisender ist um diese Zeit unterwegs. Die wenigen, die es so früh auf den Zug geschafft haben, sind nicht sehr gesprächig. Auf Tessmers fröhliches «Guete Morge mitenand, Billet bitte», reagieren die meisten nur mit einem schläfrigen Blick. «Das macht mir nichts aus», sagt die Zugbegleiterin dazu. Von mir aus müssen die Leute nur ihr Billett rausnehmen, zeigen und vielleicht noch freundlich gucken.»

Jugendvertreterin im ZPV

Nach dem ersten Kontrollgang bleibt uns etwas Zeit für Gespräche: «Nach meinem Beitritt war ich zunächst in der SEV-Jugend, wollte mich aber stärker engagieren. Es störte mich, dass es im UV keine Jugendvertretung gab. Das wollte ich ändern.» Damals hatte eine Kollegin von ihr die Idee, die heute so beliebten Dankeschön-Aktionen im ZPV einzuführen. Diese Idee hat Tessmer damals umgesetzt und hilft noch immer gerne bei Planung und Koordination dieser Aktionen mit.

Mittlerweile ist Sabrina Tessmer im ganzen SEV ein bekanntes Gesicht. Durch ihr Amt als ZPV-Vizepräsidentin ist sie neu als Ersatzmitglied im Vorstand SEV und schreibt eine Kolumne für kontakt.sev. «Schreiben macht mir viel Freude. Zur Zeit mache ich einen Fernlehrgang für kreatives Schreiben», erzählt sie. Diese Leidenschaft setzt Tessmer nun auch für den Dampfbahn-Verein Zürcher Oberland ein, wo sie sich ehrenamtlich in der Kommunikation engagiert.

Hin- und her bis 13 Uhr

In Langenthal füllt sich der Zug. Schüler/innen, Geschäftsleute und Senior/innen strömen hinein. Sabrina Tessmer startet einen zweiten Kontrollgang, grüsst alle Reisenden und bittet um die Billette. Zurück kommen Swisspässe, Handy-Tickets und vereinzelt ein «Merci» oder ein «Schöne Tag».

In Bern ist meine Reise mit der Zugbegleiterin vorbei. Sie hat nur wenige Minuten Zeit, um sich auf die Rückfahrt auf derselben Strecke vorzubereiten. Ihre Schicht dauert noch bis 13 Uhr.

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