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Kundenbegleitung 2020

Zugbegleiter nicht allein lassen

Die SBB will ab Fahrplanwechsel 2018 die integrale Zweierbegleitung abschaffen. Sie erhofft sich dadurch mehr Flexibilität und Kundenfokus. Die Mitarbeitenden sind skeptisch und nicht frei von Ängsten.

Die Ergebnisse der Umfrage des ZPV decken sich mit den Forderungen des SEV an die SBB.

Mit der Abschaffung der integralen Zweierbegleitung schafft die SBB die Grundlage, um künftig Fernverkehrszüge nur noch mit einer Person zu begleiten und alle weiteren Mitarbeitenden nach Bedarf flexibel einzusetzen. Der SEV steht diesem Vorhaben sehr kritisch gegenüber, zumal er im 2010 die integrale Zweierbegleitung aufgrund zunehmender Aggressionen gegenüber dem Zugpersonal zur Umsetzung gebracht hat. Das Problem hat sich indes kaum entschärft – die Zahl der Aggressionen stagniert auf hohem Niveau und sie sind heftiger geworden.

Die Forderungen des Personals

Der SEV fordert die Beibehaltung der grundsätzlichen Doppelbegleitung, insbesondere für folgende Verbindungen:

  • Züge ab 22.00 Uhr
  • Kritische Züge
  • Züge durch den Gotthard- resp. Lötschberg-Basistunnel
  • ICN (Neigezüge) mit zwei Einheiten
  • Züge mit mehreren Einheiten und Modulen
  • Züge mit mehr als sechs Wagen
  • Neuer Fernverkehr – Dosto

Die SBB nahm diese Forderungen zur Kenntnis, liess sie aber nicht in ihr Konzept einfliessen. Sie argumentiert damit, dass die Mitarbeitenden auch künftig auf den meisten Zügen zu zweit oder in grösseren Teams unterwegs sein werden.

Muss-Soll-Kann-Leistungen

Sie hat ihre Leistungen aufgegliedert in Basis- und Pflichtleistungen, die zwingend eine Zweierbegleitung erfordern, vor allem auch aus regulatorischer Sicht, in Soll-Leistungen, die nur in Ausnahmefällen keine Zweierbegleitung vorsehen, sowie in Kann-Leistungen. In dieser Kategorie werden Züge gemäss Bedarf mit zusätzlichem Personal begleitet.

Drei Fragen an Andreas Menet

Andreas Menet, die SBB argumentiert, die Erfahrungen der Mitarbeitenden und die Inputs der Sozialpartner in die Erarbeitung des Konzepts einbezogen zu haben. Wie siehst du das als Zentralpräsident des ZPV?

Nein, das stimmt so nicht. Wir haben der SBB unsere Forderungen letzten November schriftlich mitgeteilt. Einige Monate später liegt uns ein Arbeitspapier vor, in dem diese kaum berücksichtigt wurden. Was das Personal betrifft ist interessant, dass sich die Aussagen der Mitarbeitenden in unserer kürzlichen ZPV-Umfrage genau mit unseren Forderungen decken. Diese sind also nicht aus der Luft gegriffen und widerspiegeln die Haltung und Ängste des Zugpersonals.

Mit dem Projekt Kundenbegleitung 2020 einher geht auch ein verändertes Berufsbild. Die SBB bietet ihren Mitarbeitenden damit auch Entwicklungsmöglichkeiten.

Das kann man sicher so sehen. v.a. jüngere Mitarbeitende sind diesbezüglich eher optimistisch. Die Zusammenführung der Berufsbilder FV, RV und Aufsicht P wird in Anbetracht der Digitalisierung als eher positiv aufgenommen. Es bestehen aber auch Ängste, denn die Anforderungen werden steigen.

Wie geht es denn jetzt weiter? Die SBB will das Projekt so umsetzen.

Die GL SBB hat entschieden. Wir sehen aber nach wie vor grossen Handlungsbedarf und werden auf allen Ebenen versuchen, unsere Forderungen einzubringen und die Aufhebung der integralen Zweierbegleitung zu diskutieren. Auch gesundheitliche Aspekte gehören in die Diskussion. Dass Kundenbegleiter nach der Ausbildung nicht mehr direkt im Fahrdienst eingesetzt werden dürfen, wird als eher negativ angeschaut. Es beeinträchtigt die Flexibilität im täglichen Berufsalltag.

chf

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