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Delegiertenversammlung des Unterverbandes ZPV

Viel Aktivität in schwierigem Umfeld

«Die Gewerkschaftsarbeit ist ein Buch mit sieben Siegeln.» Mit diesem Satz eröffnete Zentralpräsident Andreas Menet sein Standortreferat. Die vollgepackte DV zeigte, dass die aktuelle Situation herausfordernd ist.

Andreas Menet übergibt Linus Looser die breit unterzeichneteStellungnahme des ZPV.

Andreas Menet betonte, dass sich die Gewerkschaften aktuell in einem schwierigen Umfeld bewegen und Gewerkschaftsarbeit auf allen Stufen eine grosse Herausforderung darstelle. Denn gefragt sind heute hauptsächlich Produktivität und Wirtschaftlichkeit. Dass die Arbeit der Gewerkschaften vor diesem Hintergrund umso wichtiger ist, zeigen denn auch die steigenden Mitgliederzahlen. «Wir sind hier, um die Weichen für die Zukunft zu stellen», appellierte Andreas Menet an die Teilnehmenden. So erstaunte auch die vielseitige Tagesordnung wenig, die mit den GAV-Verhandlungen und dem Projekt Kundenbegleitung 2020 zwei aktuelle und schwierige Schwerpunkte setzte.

Red und Antwort

Noch vor der Mittagspause wagte sich Linus Looser, Leiter Verkehrsmanagement (VM) der SBB, in den Saal und berichtete über den aktuellen Stand der Kundenbegleitung 2020. Dass er dabei auf wenig Verständnis traf, überrascht kaum. Insbesondere die Abschaffung der integralen Zweierbegleitung ab Fahrplanwechsel 2018 gab erneut zu reden. Der SBB-Vertreter versuchte seine Logik aufzuzeigen: «Es werden nicht alle Züge nur noch mit einer Person begleitet. Nur dort, wo es aus unserer Sicht zulässig und vernünftig ist. Auf Zügen mit vielen Kunden oder auf riskanten Zügen werden wir die freiwerdenden Ressourcen einsetzen.» Wieso nur noch wenige Verbindungen und Züge zu den Basisleistungen gehören und viel mehr bei den Verstärkungsleistungen angesiedelt sind, begründete Linus Looser damit, dass sich Risiken und Situationen unter dem Jahr auch verändern können und diese Aufgliederung eine rasche Anpassung ermögliche. Die Zweifel und Ängste der ZPV-Mitglieder konnten mit diesen Ausführungen indes nicht aus der Welt geschafft werden. Und so zeigte der ZPV mit einer eindrücklichen Aktion auf, wieso die Zweierbegleitung beibehalten werden muss. Zusätzlich erhielt Linus Looser eine Stellungnahme des ZPV (siehe auch Kasten).

Harziger Kampf für einen ausbalancierten GAV

Nach der diskussionsreichen Mittagspause wurde Manuel Avallone, ZPV-Vizepräsident, als Referent zum GAV begrüsst. Er zeigte die aktuell harzige Situation auf und versprach den Anwesenden, dass sich die Verhandlungsdelegation mit Haut und Haar für einen ausbalancierten GAV einsetzt. Er betonte, dass «die Forderungen der SBB ein Minenfeld sind und nicht verhandelt werden können!». Manuel Avallone rief dazu auf, sich jetzt nicht zurückzulehnen und weitere Mitglieder zu werben. Denn nur zusammen sind wir stark und können etwas bewirken!

Abwechslungsreich und voller Diskussionen

Nach einem abwechslungsreichen Tag mit viel Diskussion, zahlreichen Wahlen und der Abstimmung über elf Anträge schloss DV-Präsident Roger Tschirky die 133. DV des Zugpersonalverbands.

Chantal Fischer


Personelles

Die jährliche Delegiertenversammlung bietet jeweils auch die Gelegenheit, freie Ämter neu zu besetzen und abtretende Kolleginnen und Kollegen zu verdanken.

So wurde Peter Lerf nach vierjähriger Amtszeit turnusgemäss aus der GPK ZPV verabschiedet. Sein Statement «Resignieren steht nicht in unserem Wörterbuch» passte bestens in das angespannte Umfeld, in dem sich die Gewerkschaften aktuell bewegen. Richard Zbinden wird das GPK-Amt übernehmen.

Als neue ZPV-Jugendvertreterin wurde Yasmin Furrer gewählt. Ein Antrag, beide Kandidatinnen zu berücksichtigen und damit die Jugendvertretung zu verdoppeln, wurde deutlich abgelehnt, insbesondere auch aufgrund der Statuten, die bei einer solchen Änderung angepasst werden müssten.

In die SBB-GAV-Konferenz gewählt wurden: Sabine Brülhart und Pascal Prince, sowie Vincent Biètry und Loucifi Hicham (Ersatzmitglieder).

chf

Aktion der ZPV-Delegierten und Stellungnahme an die SBB

Die ZPV-Delegierten haben sich für den Aus- tausch mit Linus Looser, Leiter VM, an ihrer DV vom 23. Mai eine besondere Aktion ausgedacht. Alle Anwesenden erhielten eine Karte mit einem Argument für die Zweierbegleitung. Im Anschluss an die Diskussion mit Linus Looser standen die Delegierten nacheinander auf und platzierten die Stichworte auf einer Pinwand. So ergab sich am Ende ein schönes Bild mit Argumenten dafür, wieso die Zweierbegleitung sinnvoll und unerlässlich ist. Nach der Aktion übergab Zentralpräsident Andreas Menet Linus Looser eine Stellungnahme zum Thema, die vorgängig von den Anwesenden unterzeichnet worden war. Linus Looser war nach eigenen Angaben «beeindruckt» von der Aktion und nahm die Stellungnahme entgegen. Die Themen und offenen Fragen aus der Diskussion will er in weiteren Gesprächen aufnehmen, so versprach er es zumindest. Man darf gespannt sein, ob sich daraus wirklich Anpassungen im Projekt ergeben.

chf