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Personalmangel

Der SBB fehlen über 100 Kundenbegleiter/innen

Der Unterbestand führt zu vielen Einerbegleitungen, manchmal sogar auf 400-Meter-Zügen oder nach 22 Uhr, wie eine Erhebung des SEV-ZPV zeigt.

Personalmangel gibt es bei der SBB nicht nur beim Lokpersonal, und der SEV hat davor schon lange gewarnt. Bei der Kundenbegleitung fehlen gemäss SEV-ZPV mehr als 100 Vollzeitangestellte. Laut Rückmeldungen von Mitgliedern an den Unterverband fahren viele Fernverkehrszüge nur noch mit einem/er Kundenbegleiter/in.

Der neue Zentralpräsident ZPV, Ralph Kessler hat sich den Kampf gegen die Einerbegleitung im Fernverkehr auf die Fahne geschrieben. Über einen Monat nach der Übergabe einer Resolution für den Stopp des Projekts «Kundenbegleitung 2020» (KB 2020) an den SBB-Chef wartet der ZPV noch immer auf eine Antwort der Leitung.

Auf den Zügen ist die Lage nicht rosig. Der ZPV forderte die Mitglieder vor einigen Wochen auf, ihm Fernverkehrszüge mit Einerbegleitung (ZK-Leistungen) per Mail an Enable JavaScript to view protected content. zu melden. Die daraus resultierende Statistik bereitet SEV-Gewerkschaftssekretär Jürg Hurni keine Freude: «Dem ZPV wurden über 200 Fernverkehrszüge mit Einerbegleitung gemeldet, wo nach Meinung des Personals eine Zweierbegleitung unverzichtbar wäre (z.B. Doppel-ICN, Doppel-Fernverkehrs-Doppelstöcker oder Züge nach 22 Uhr, die der ZPV nach einem Ampelsystem als «rot» klassifiziert). Diese Situation hat Auswirkungen auf die Fahrgäste, da ein/e Kundenbegleiter/in (KB) allein deren Sicherheit nicht genügend gewährleisten kann. Wenn z.B. ein Bahnhof in einer Kurve liegt, kann man allein unmöglich den ganzen Zug überblicken, und bei 400-Meter-Zügen sowieso nicht.»

Auch nach 22 Uhr

Es geht um die Sicherheit der Passagiere, aber auch um die der KB. Jürg Hurni erinnert daran, dass die SBB bei der Einführung des Projekts KB 2020 versichert hatte, dass in den Fernverkehrszügen nach 22 Uhr und auf Zügen, die als problematisch erachtet werden, eine Doppelbegleitung gewährleistet sein werde: «Die ZPV-Statistik zeigt aber, dass diese Zusagen nicht eingehalten werden. Der Personalmangel ist so gross, dass den Einteiler/innen nichts anderes übrig bleibt, als Einzelbegleitungen einzuteilen, damit auf allen Fernverkehrszügen mindestens ein/e KB mitfährt. Es besteht ein Mangel von mehr als 100 KB mit 100%-Pensum. Die SBB bastelt zurzeit. Die Nachfolgeplanung wurde verschlafen wie beim Lokpersonal. Der Unterschied ist, dass ohne Lokführer/in der Zug nicht fährt. Doch die Einzelbegleitung ist nur eine Notlösung.»

Ein wiederkehrendes Problem

Jürg Hurni blendet zurück: «2009 vereinbarten wir mit der SBB die Einführung der integralen Doppelbegleitung, zuerst auf kritischen und dann auf allen Fernverkehrszügen. Dafür sollte der Personalbestand bis 2014 um 125 Vollzeitstellen steigen.»

Die integrale Doppelbegleitung wurde umgesetzt, konnte aber wegen dem Unterbestand nicht immer eingehalten werden. Also machten SEV und ZPV Druck, die Doppelbegleitung wenigstens auf kritischen Verbindungen und vor allem nach 22 Uhr konsequent umzusetzen. «Natürlich können wir verstehen, dass es Ausnahmesituationen gibt, in denen die Doppelbegleitung nicht möglich ist, aber das Problem ist eindeutig struktureller Art», stellt Jürg Hurni klar.

Das Problem ist auch wiederkehrend. Schon im Jahr 2013 wollte die SBB die bestehenden Regeln für die Doppelbegleitung lockern und diese beispielsweise von der Zahl der Fahrgäste abhängig machen. Mit der Einführung von KB 2020 vor knapp zwei Jahren wurde das Begleitkonzept komplett geändert. «KB 2020 rückte ausdrücklich von der Doppelbegleitung aller Fernverkehrszüge ab», erklärt Jürg Hurni. «Man versprach uns, auf bestimmten Streckenabschnitten eine Verstärkung zu stellen oder Schwerpunktkontrollen durchzuführen, sowie generell mehr Flexibilität bei der Planung. Doch bis heute hat im Fernverkehr noch keine einzige Schwerpunktkontrolle stattgefunden. Und Einerbegleitungen wurden dem ZPV eben gar auf kritischen Zügen und nach 22 Uhr gemeldet.» Mit KB 2020 wollte die SBB zudem Regionalverkehrs-KB im Fernverkehr einsetzen können und umgekehrt.

«Bisher ist die Reorganisation ein Fehlschlag, wie wir in der Konsultationsphase warnten. Gegen Personalmangel hilft nur das Einstellen von Personal. Und das setzt voraus, dass man die Arbeit der KB attraktiver macht. Im Moment geschieht aber genau das Gegenteil. Das Zugpersonal hat zunehmend die Nase voll und verliert das Vertrauen in die Leitung», kritisiert Hurni. Anfang Dezember ist ein Treffen mit Verantwortlichen von Kundenbegleitung und Cleaning (KBC) geplant. «Die beim ZPV eingegangenen Meldungen der KB zeigen, dass die Situation sehr kritisch ist und die SBB Lösungen finden muss», fasst Jürg Hurni zusammen.

Vivian Bologna/Übersetzung: Markus Fischer
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Kommentare

  • Darioly

    Darioly19/11/2020 07:34:37

    Cela s'apparente à un manque de vision, mauvais travail, de notre ancien CEO qui a voulu faire des économies sur le dos du personnel mais pas sur son salaire, le méritait il vraiment alors qu'il n'a pas fait son travail correctement? Et bientôt on verra d'autres dégâts?

  • Michel Moni

    Michel Moni19/11/2020 10:27:55

    Cela fait plusieurs années que M. Meier a voulu travailler en sous effectifs, pour recevoir le bonus pour bons résultats. C'est désolant que le conseil d'administration n'est jamais intervenu.

  • Isler André

    Isler André19/11/2020 13:36:39

    Eigentlich mangelt es überall im operativen Bereich an Personal, bei uns im Bau ebenso. Nur das merkt wohl niemand so richtig.

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