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Keine kurzfristigen Personalmassnahmen wegen der Euroschwäche

BLS verzichtet auf Personalopfer

Kurzfristige Personalmassnahmen wären kaum zielgerichtet machbar: Zu diesem Schluss ist die BLS gekommen, nachdem das Personal seine Bedingungen formuliert hatte. Was für ein Rückzieher!

Noch vor einem Monat hatte es bei der BLS ganz anders getönt: Es brauche kurzfristige Massnahmen auch des Personals, um die Einbussen durch die Euroschwäche auszugleichen. Die GAV-Verhandlungen waren deshalb zurückgestellt worden, deren Abschluss um ein Jahr verschoben.

Die Verhandlungsgemeinschaft, unter der Leitung des SEV, führte Personalversammlungen durch, die klare Forderungen stellte, um ein Entgegenkommen überhaupt zu ermöglichen. Im Mittelpunkt stand die vollständige Transparenz. Als Gegenleistung war das Personal bereit, über eine befristete Erhöhung der Arbeitszeit zu diskutieren. Allerdings müsse auch das Kader vergleichbare Opfer bringen (kontakt.sev 10 und 11/15).

Die grosse Kehrtwende

Nun kommt der Rückzieher: Am Mittwoch letzter Woche teilte die BLS dem Personal mit: «BLS und BLS Cargo haben gemeinsam kurzfristige Aktionen wie beispielsweise die Einführung von Arbeitszeitverlängerungen geprüft und mit den Gewerkschaften diskutiert. Aufgrund der vernetzten Struktur des BLS Konzerns sowie der unterschiedlichen Betroffenheit der einzelnen Personengruppen hat die BLS entschieden, keine kurzfristigen konzernweiten Personalmassnahmen umzusetzen. In den intensiven Diskussionen mit den Gewerkschaften hatte sich gezeigt, dass kurzfristige Massnahmen kaum zielgerichtet realisierbar wären.»

Man werde sich auf mittel- und langfristige Massnahmen ausrichten und sich darauf konzentrieren, im GAV die Anstellungsbedingungen zu flexibilisieren. In der gemeinsamen Mitteilung des Unternehmens und der Verhandlungsgemeinschaft kommt auch deren Leiterin Barbara Spalinger zu Wort. Die SEV-Vizepräsidentin hält fest: «In den Versammlungen der Basis hatte sich gezeigt, dass die Belegschaft den Vorschlägen der BLS äusserst skeptisch entgegenstand.» Auch die Gewerkschaften würden nun auf die weiteren Verhandlungen zum GAV setzen.

In einer danach publizierten Personalinformation der Verhandlungsgemeinschaft wird es dann aber deutlicher: Unter dem Titel «Euer Einsatz hat sich gelohnt» halten die drei beteiligten Gewerkschaften klar fest, dass der Rückzieher des Unternehmens eindeutig auf die geschlossene und entschiedene Haltung des Personals zurückzuführen ist. «Angesichts der grossen Bedenken aus der eigenen Belegschaft hat die BLS entschieden, auf kurzfristige Personalmassnahmen zu verzichten. Eine der zentralen Forderungen der Basis war vollständige Transparenz. Es wäre der BLS-Führung offenbar äusserst schwer gefallen nachzuweisen, dass ausser dem internationalen Güterverkehr auch andere Bereiche stark von der Euroschwäche betroffen sind. Entsprechend wäre es nicht angebracht gewesen, die gesamte Belegschaft zu Zugeständnissen zu verpflichten.»

Geschlossenheit bewahren

Michael Buletti, für die BLS zuständiger Gewerkschaftssekretär, sagt es deutlich: «Einmal mehr zeigt sich, wie wichtig eine gute gewerkschaftliche Organisation ist. Doch auch diese kann ihre Wirkung nur entfalten, wenn sich die Mitglieder selbst auch engagieren, einbringen und ihre Forderungen auf den Tisch legen. Das hat hier gut geklappt, der Erfolg spricht für sich.»

Abschliessend weisen die Gewerkschaften der Verhandlungsdelegation darauf hin, dass die jetzige Geschlossenheit auch erforderlich sein wird, wenn es darum geht, den heutigen, guten GAV in den Verhandlungen ab Herbst weiterzuentwickeln.

pmo

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