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Aktuelles aus der BLS

Die BLS hat viele Baustellen

(BLS)

Subventionsaffäre, Lohnverhandlungen, PK-Abfederungsmassnahmen, Sparmassnahmen: die Themen, die der SEV aktuell im Namen seiner Mitglieder bei der BLS bearbeitet, sind vielseitig. Und in der noch immer vorherrschenden Coronasituation auch besonders herausfordernd.

Der SEV engagiert sich bei der BLS, einem der grössten öV-Unternehmen der Schweiz, in zahlreichen Dossiers. Er hat Mitglieder in allen Sparten des Unternehmens – bei der Bahn, bei der Schifffahrt und bei Cargo.

Fahrlässigkeit oder Absicht?

Anfang September veröffentlichte die Eidgenössische Finanzkontrolle einen Bericht über die durch die BLS zu viel bezogenen Subventionen. In der Folge trat BLS-CEO Bernard Guillelmon zurück. Die Affäre ist für die BLS damit wohl aber noch nicht ausgestanden. Die Geschäftsprüfungskommission (GPK) des Grossen Rates des Kantons Bern prüft weitere Schritte, das Bundesamt für Verkehr überlegt sich gar, Strafanzeige einzureichen. Denn es bestünden Anzeichen dafür, dass die BLS absichtlich über Jahre Erlöse aus dem Libero-Tarifverbund nicht in die Offerten eingerechnet habe. Damit kassierte das öV-Unternehmen rund 40 Millionen Franken zu viel an Abgeltungen für den Regionalverkehr. Weitere 30 Millionen Franken fallen wegen der Rückvergütung zu hoch berechneter Zinskosten an Bund und Kantone an. Die BLS hat diesbezüglich versichert, die anfallenden Beträge aus ihren Reserven zurückzuzahlen. «Wir sind darüber ziemlich irritiert», bemerkt der zuständige SEV-Gewerkschaftssekretär Michael Buletti. «Denn die BLS hat in den Lohnverhandlungen der vergangenen Jahre stets betont, dass sie keinen finanziellen Spielraum habe.»

Dazu passt auch das im November 2018 angekündigte Sparprogramm «Best Way», das noch bis Ende 2023 läuft. Ziel davon ist es, rund 200 Stellen abzubauen, was auch Kündigungen beinhaltet. Das BLS-Personal hat teils einen erheblichen Mehraufwand zu leisten. Das Pikante an der Geschichte: Die Geschäftsleitung der BLS wusste seit 2017 Bescheid über die Verfehlungen, die nun ans Licht kamen. Und leitete vor diesem Hintergrund tatsächlich Sparmassnahmen ein…

Lohnfortzahlung für CEO?

Stossend ist für den SEV zudem die Tatsache, dass CEO Bernard Guillelmon nach seinem freiwilligen Abgang noch von einer Lohnfortzahlung von über einer halben Million profitieren soll. Und dies, währenddem die BLS keine Möglichkeit sieht, ihren Mitarbeitenden beispielsweise ein kleines finanzielles Dankeschön für ihren grossen Einsatz in der von Corona geprägten Zeit zu gewähren. «Aus unserer Sicht ist klar, dass der abtretende CEO auf dieses Geld verzichten muss», sagt Michael Buletti. «Vor dem Hintergrund, dass die Geschäftsleitung schon lange über die fehlerhafte Buchhaltung informiert war, kann es nicht sein, dass der verantwortliche CEO noch ein Jahr lang sein – notabene sehr gutes – Gehalt erhält!»

Der SEV hat zu dieser Subventionsaffäre deutlich Stellung genommen. Er fordert Transparenz und bei Verfehlungen die entsprechenden Konsequenzen. «Wir werden uns insbesondere dafür einsetzen, dass das Personal für den entstandenen finanziellen Schaden nicht bezahlen muss», schliesst Michael Buletti. Der SEV hat dazu bei der Geschäftsleitung der BLS ein klärendes Gespräch verlangt, das wohl demnächst stattfinden wird.

Chantal Fischer
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