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Auf den Spuren von...

Reto Burger, Reiseberater BLS

Reto Burger ist ein sehr besonnener und vielseitig engagierter Mitt-Vierziger, der sich dem öffentlichen Verkehr und der politischen Arbeit auf verschiedenen Ebenen verschrieben hat. Beim SEV setzt er sich seit sechs Jahren als Sekretär der VPT-Sektion BLS für die Anliegen seiner Kolleginnen und Kollegen ein. Der Ostschweizer arbeitet als Reiseberater bei der BLS in Murten.

Ich treffe Reto am Bahnhof Murten in seiner grossen Mittagspause. Er, der in der Altstadt von Murten wohnt, kann mit diesen Schichten gut leben, die in der Sommersaison nötig sind. Fürs Porträt hat sich Reto eine besondere Lokalität ausgesucht: «Das Depot», eine Zweigstelle des kleinen «Eisenbahn und Sammler Museum Courlevon», die sich seit diesem Juni im ehemaligen Lokdepot am Bahnhof Murten befindet. Reto ist Teil des Vorstands, und mit Herz und Seele dabei. Auch, weil die Sammlung viel über den Verkehr und die Geschichte der näheren und weiteren Region erzählt. «Es ist mir sehr wichtig, ein Bewusstsein für unsere Vergangenheit zu vermitteln, denn es ist nötig, um die Zukunft zu verstehen», philosophiert Reto. «Wir sind nur ein kleiner Punkt auf dem Zeitstrahl.»

«Der öV ist eine Herzensangelegenheit»

Seine eigene Geschichte beginnt vor 47 Jahren in der Ostschweiz. Schon als Kind entwickelte er eine Leidenschaft für den öffentlichen Verkehr. So erstaunt es nicht, dass er als junger Erwachsener die Verkehrsschule in St.Gallen besuchte und im Anschluss die zweijährige Lehre als Bahnbetriebsdisponent bei der SBB absolvierte. «Ich war ein Generalist, wie es ihn heute bald nicht mehr gibt», gibt Reto zu bedenken. «Jeder Bahnhof war ein kleines Unternehmen, wir waren alle tätig im Verkauf, im Fahrdienst und im Güterverkehr». Die Welt damals war eine analoge. Mit dem Einzug der Digitalisierung hat sich vieles verändert, nur wenige der kleinen Bahnhöfe sind heute noch bedient. So wie derjenige in Murten, zu dem Reto vor elf Jahren gestossen ist, damals noch als Mitarbeiter der SBB, jedoch mit Verkaufsaufgaben im Auftrag der BLS. Vor sieben Jahren wechselte er dann von der Generalistenrolle zum Reiseberater der BLS. «Ich stehe gerne im Kontakt mit Menschen, und der öV ist mir eine Herzensangelegenheit – mein Job ergibt also eine gute Kombination», lacht Reto. Bei der fortschreitenden Automatisierung bleibt bei ihm aber auch eine leichte Unsicherheit bezüglich der Zukunft «seines» Bahnhofes.

Der SEV als politischer Akteur

Auch mit dem SEV verbindet ihn eine langjährige Geschichte. «Früher ereigneten sich viele Unfälle aufgrund von schwieriger Kommunikation, zum Beispiel wegen schlechter Funkverbindung oder einer mangelhaften Sicherheitskultur. Und wenn dann mal etwas geschah, dann wurde man als Betroffener kaum betreut. Das hat sich auch auf Druck des SEV stark gewandelt», betont Reto. Seit 27 Jahren ist er nun bereits Mitglied. Vor sechs Jahren liess er sich vom damaligen Sektionspräsidenten und vom Kassier dazu ermuntern, die Funktion als Sekretär der VPT-Sektion BLS zu übernehmen. In diese Zeit fällt auch ein besonderes Ereignis, an das sich Reto gut erinnern kann. 2015 – während der Währungskrise – machte die BLS ihren Mitarbeitenden ein «Angebot»: zwei Stunden mehr Arbeit pro Woche zum gleichen Lohn. «Die durch den SEV einberufene Vollversammlung war sehr gut besucht, auch von einigen Nichtmitgliedern, und sie war ein voller Erfolg!» Das Wochensoll wurde nicht erhöht, die BLS zog ihr Angebot zurück.

Reto sieht den SEV indes nicht «nur» als wichtige Vertretung des Verkehrspersonals, sondern auch als starke Kraft in der Politik, wenn es um Umweltthemen geht. So setzt sich der SEV auch für die Verlagerung der Gütertransporte auf die Schiene ein und will das Erfolgsmodell öV stetig weiterentwickeln. Dieser nachhaltige Ansatz sieht der VPT-BLS-Sekretär auch in der Konzernverantwortungsinitiative, weshalb er sich im Lokalkomitee dafür einsetzt. Als Mitglied im Generalrat von Murten (Stadtparlament) schliesslich engagiert sich Reto als SP-Vertretung auch auf politischer Ebene. Seine vielen Mandate haben wohl auch dazu beigetragen, dass Reto – dessen Dialekt nicht richtig ins Westschweizer Städtchen passen will – hier Fuss gefasst hat.

Ausgleich zum vielseitigen Engagement

Man mag es kaum glauben, aber Reto kann auch gut einfach mal gar nichts tun, zu Hause bei einer Tasse Kaffee oder unterwegs im Zug, mit Blick aus dem Fenster. Für ihn auch ein Versuch, der Informationsflut zu entkommen. Auch darum hat er immer gerne Zeitungen gelesen, was bis heute geblieben ist, denn «viele Themen brauchen mehr als eine Schlagzeile und drei kurze Sätze, um vertieft zu werden».

Chantal Fischer 
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Kommentare

  • D'Alessandro Gilbert

    D'Alessandro Gilbert08/10/2020 07:24:44

    C'est un collègue d'une grande qualité. il est un maillon important de la section VPT BLS.
    Je suis très heureux de l'avoir comme collègue dans la VPT.

  • Gentizon Philippe

    Gentizon Philippe08/10/2020 13:46:36

    Je connais Reto depuis très longtemps et je peux vous dire que c'est un gars capable, calme et pondéré. Bien plus que moi, c'est un amoureux des TP. J'espère qu'il pourra encore rester longtemps dans "sa" gare.

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