| Aktuell / SEV Zeitung, Frauen

Eidg. Abstimmung am 25. September

Tuti: «Lehnen wir die AHV21 ab, denn sie ist nur der Anfang»

© Keystone/Anthony Anex

Am 25. September stimmen wir über AHV 21 ab. Im Gespräch mit SEV-Präsident Giorgio Tuti geht es um die wichtigsten Gründe, weshalb die Gewerkschaften das Referendum dagegen ergriffen haben. Die Nein-Kampagne wird am 1. Juli offiziell lanciert.

Für Giorgio Tuti ist klar, dass AHV 21 die Frage der Rentenhöhen in der Schweiz nicht klärt. «Der Bundesrat will schlicht das Problem der zu tiefen Altersrenten nicht sehen. Er beantragt dem Parlament, unsere Initiative für eine 13. AHV-Rente abzulehnen. Aber das Schweizer Volk hat entschieden, dass die AHV-Renten die Grundbedürfnisse abdecken sollen, das steht in der Verfassung. Die Renten der Zweiten Säule sind im freien Fall und jene der Frauen skandalös tief. Zudem folgen die AHV-Renten nicht der Lohnentwicklung. Die durchschnittliche AHV-Rente liegt heute gerade mal bei 1800 Franken, das sind 21 Prozent des Durchschnittslohns. Einst waren es 26 Prozent, was einer Rente von fast 2300 Franken entsprechen würde. Dieses Jahr folgen die AHV-Renten wohl nicht einmal der Teuerung.» Neben der Tatsache, dass die AHV-Renten nicht für ein Leben in Würde reichen, sind auch noch mehrere Initiativen unterwegs, die eine Erhöhung des Rentenalters für alle anstreben. «Dies sind im Moment die Absichten, und die Erhöhung des Rentenalters der Frauen von 64 auf 65 Jahre in AHV 21 ist nur ein Vorgeschmack darauf, was den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer noch blüht», ergänzt Giorgio Tuti.

10 Milliarden auf dem Buckel der Frauen

Es ist also offenkundig, dass die Abstim-mung vom 25. September über die Frauenfrage hinausgeht, auch wenn es die Frauen sind, die in diesem Paket den höchsten Preis bezahlen. AHV 21 sieht Einsparungen von fast 10 Milliarden auf ihrem Buckel vor. Ihre Renten würden im Durchschnitt um 1200 Franken jährlich sinken, wobei die Frauen schon heute um einen Drittel tiefere Renten als die Männer erhalten. Jede Verschlechterung der Situation ist also un-tragbar.

Ein deutliches Zeichen dafür, dass diese Medizin nicht geschluckt wird, sind die über150 000 Unterschriften, die eine breite Allianz für das Referendum gesammelt hat. «Es geht nun darum, dieses Signal am 25.September an den Urnen zu bestätigen. Wir müssen uns jeglichem Abbau beim Zugang zu den Renten widersetzen, sei es für Frauen oder für Männer. Erst recht, da weitere Verschlechterungen auch bei der Zweiten Säule zu erwarten sind», kritisiert Giorgio Tuti.

Die Abstimmung über AHV 21 kommt zwei Jahre nachdem über eine halbe Million Men-schen am 14. Juni 2019 auf die Strasse gegangen sind, um mehr Zeit, Respekt und Geld für die Frauen zu verlangen. Weit davon entfernt, gehört zu werden, müssen sie sich nun an der Urne wehren.

Auf Seiten der Gewerkschaften gibt man sich nicht mit einer Verteidigungshaltung zufrieden. Der Wille ist klar, die Renten zu verbessern. «Wir haben soeben die Initiative lanciert, um die AHV mit Gewinnen der Nationalbank zu stärken, und wir wollen jene für die 13. AHV-Rente zum Erfolg führen. Man muss die Renten erhöhen und nicht senken», hält Giorgio Tuti fest.

Vivian Bologna / Übersetzung: Peter Moor
Enable JavaScript to view protected content.