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Betriebszentralen

Unreife Software belastet Personal

Die Betriebszentralen haben mit DispoOp ein System erhalten, das noch nicht ausgereift ist. (©Keystone)

Künftig soll «DispoOp» den Mitarbeitenden der Betriebszentralen manuelle Arbeit abnehmen. Doch heute ist das neue Programm noch so unausgereift, dass sein Austesten und Verbessern den Mitarbeitenden erhebliche Mehrbelastung bringt. Darum fordert für sie der SEV-Unterverband des Administrations- und Servicepersonals (AS) bestmögliche Unterstützung und Entlastung.

In den Betriebszentralen soll DispoOp die Systeme RCS (operative Planung) und ILTIS (Zuglenkung und Stellwerkbedienung) zusammenführen, indem es den Zugverkehrsleiter/innen (ZVL) und Disponent/innen Bahnverkehr (DBV) manuelle Anpassungen von Daten im ILTIS abnimmt. DispoOp wird in Etappen eingeführt. Vor Kurzem wurde der «Life Test» mit dem Programm auf neue Bereiche ausgeweitet, was die betroffenen Mitarbeitenden stark fordert. «Das Arbeiten im neuen Modus ist für die ZVL und DBV noch sehr gewöhnungsbedürftig, das neue Programm ist sehr dynamisch und zum Teil sehr unberechenbar», sagt dazu Peter Käppler, Zentralpräsident SEV-AS, nach Rückfrage bei der Branche Infrastruktur seines Unterverbands.

«Wie befürchtet ist ein System eingeführt worden, das noch nicht ausgereift ist», bilanziert Käppler. «Das Projektteam will es mit der Life-Test-Phase zur definitiven Reife führen. Für die Mitarbeitenden ist dies vor allem in komplexeren Gebieten im Moment eine Mehrbelastung. Als Gewerkschaft hätten wir zum Schutz des Personals eine bessere Vorbereitung gewünscht.»

Schreiendes Baby mit Potenzial

«Volle Hingabe und Aufmerksamkeit wie bei einem Baby ist angesagt», beschreibt ein betroffener ZVL seine Erfahrungen mit DispoOp. «Das angeblich automatische Programm outet sich als ständig manuell zu bedienender Zeitfresser, kompliziert in der Anwendung und unausgereift. Was mich besonders ärgert sind die vielen Fehler. Ich fühle mich wie eine Laborratte.» Sein Fazit: «Zu unreif für eine definitive Einführung im jetzigen Zustand der Software. Hat aber mächtiges Potenzial, wenn die vielen Fehler beseitigt werden können und die Bedienerfreundlichkeit massiv verbessert wird.»

Wie weiter?

«Nun muss das Projektteam weiter mit vollem Elan schnell Verbesserungen erreichen», fordert Zentralpräsident Peter Käppler. «Ebenso muss die Leitung die ZVL und DBV bestmöglich unterstützen und entlasten. Und vor allem auch die Auswirkungen auf ihr zukünftiges Berufsbild endlich klar aufzeigen.»

Markus Fischer
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