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Auf den Spuren von ...

Hanspeter Blank, TKC und Ausbildner

Für die Arbeit draussen am Zug muss man fit sein. Das ist der frühere Handballer und Velofahrer bis heute. Er ist oft in der Natur unterwegs, bastelt gern und ist sehr vielseitig interessiert.

Zuerst erfüllte sich Hanspeter Blank seinen Lokführertraum. Dann bildete er sich zum Visiteur weiter. Nun vermittelt er sein Berufswissen als langjähriger Technischer Kontrolleur Cargo (TKC) an angehende Prüfer Wagenladung (PWL).

Den Entschluss, Lokführer zu werden, fasste Hanspeter Blank mit fünf Jahren mit der Nase knapp über einem Brückengeländer, als ihm ein Lokführer in seiner damals nagelneuen Re 6/6 zuwinkte, bevor der Zug unter der Brücke durchdonnerte. Darum lernte er bei der Firma Josef Meyer Waggonbau in Rheinfelden Schlosser, trat mit 21 Jahren als Lokführeraspirant in die SBB ein und lenkte neun Jahre lang Personen- und Güterzüge vom Depot Basel aus.

Als er eines Morgens im Juli 1997 mit einem Schnellzug in den Bahnhof Dornach-Arlesheim einfuhr, pedalte ein Mädchen mit dem Velo auf der Perronkante. Zum Glück wurde es vom Fahrtwind des Zuges weggedrückt und blieb unversehrt. Am Nachmittag fuhr Hanspeter Blank mit einem Regionalzug bei Sisseln (AG) in eine Kurve, als ein umgeknickter Baum vor ihm auftauchte. Glücklicherweise lag der Stamm neben dem Gleis, doch die Äste beschädigten die Bremseinrichtung des Zuges. Diesen brachte Blank nach selber durchgeführter Mängelbehebung mit stark reduzierter Geschwindigkeit noch nach Basel zurück. Dann quittierte er den Lokführerdienst per sofort. Als er am Abend alles seiner Frau erzählte, antwortete diese, sie hänge ihren Job auch bald an den Nagel, denn in sechs Monaten würden sie Eltern …

Hanspeter Blank setzte sein Knowhow als Schlosser und Bähnler vorerst zwei Jahre lang in der Serviceanlage Muttenz ein. 1999 machte er die damals neunmonatige SBB-interne Ausbildung zum Visiteur für Personen- und Güterwagen (wie die TKC damals noch hiessen) und arbeitete ab 2001 beim Cargoteam Frenkendorf. Er kontrollierte internationale Züge im nahen Swissterminal und fuhr mit dem Dienstwagen auf Bahnhöfe und zu Kunden bis hinauf nach Tecknau, etwa zur Ikea Itingen, zur Landi Gelterkinden oder zur Nebiker AG in Sissach. Diese wurde später durch eine Lärmschutzwand vom Netz getrennt, wie weitere Kunden auch. Weil die Kundenzahl laufend sank, kam Hanspeter Blank zusätzlich in Kaiseraugst zum Einsatz. So sind in den letzten Jahren die meisten TKC-Rayons gewachsen. Als Ablöser in Aarau fuhr er täglich gut 200 Kilometer Auto, «und trotzdem haben die kontrollierten Wagen kaum einen ‹ganzen Zug› ergeben». Darum hat Hanspeter Blank Verständnis für die Idee von SBB Cargo, Rangiermitarbeitende zu Prüfern Wagenladung (PWL) auszubilden, damit sie Züge bei den Kunden gleich selber kontrollieren, statt dass extra ein TKC dorthin fährt oder auf einen Bahnhof, wohin die Wagen zuvor gebracht wurden. «Wenn Defekte am Rollmaterial oder Ladefehler schon beim Kunden entdeckt werden, muss die Bahn nicht für die Folgekosten aufkommen.»

Genug Zeit für Kontrollen zentral

Klar ist für Hanspeter Blank aber, dass die PWL gut ausgebildet werden müssen. Darum erklärte er sich 2019 bereit, mit einem zweiten TKC die insgesamt 13 Tage dauernden PWL-Kurse zu geben. Zusätzlich begleiten die angehende PWL sieben Tage TKC im praktischen Dienst. Hinzu kommt noch ein Tag zur Prüfungsvorbereitung. «Ich konzentriere mich in den Kursen auf das, was täglich gebraucht wird, und zeige auf, wo man Details und Ausnahmen nachschauen kann», sagt der Kursleiter. Tatsächlich sind bisher alle Kursteilnehmenden durch die Prüfung gekommen, obwohl ihre schulische und berufliche Vorbildung stark variiert. «Wichtig ist neben Vorwissen und Intellekt vor allem das Interesse an der Arbeit, und das war bisher bei fast allen vorhanden. Zentral ist, dass für die Kontrollen genug Zeit zur Verfügung steht. Hier habe ich die grössten Bedenken. Auf keinen Fall darf die technische und betriebliche Kontrolle (Erstellen der Bremsrechnung, etc.) gleichzeitig gemacht werden. Wenn eine einzige Person beides machen muss, so muss sie den Zug dafür zweimal abschreiten.» Und selbstverständlich können die PWL nicht alle Aufgaben der fundierter ausgebildeten TKC übernehmen.

Die Kurse bereiten Hanspeter Blank «grossen Plausch». Daneben arbeitet er weiterhin als TKC. Wichtig war und ist ihm ein guter Kontakt zu den Kunden. «Um diese müsste sich SBB Cargo stärker bemühen, auch wenn das zuerst vielleicht mal ein Verlustgeschäft ist.» Dass TKC oft nur als Kostenfaktor gesehen werden, weil der Wert ihrer Arbeit, Sicherheit, nicht einfach berechnet werden kann, ist für ihn teilweise verständlich. «Aber die Entschädigung der TKC und PWL muss in Anbetracht des Fachwissens, des täglichen Bemühens um Sicherheit im Eisenbahnbetrieb, der periodischen Prüfungen und des Schichtdienstes fair sein.»

Markus Fischer
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