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Personal privater Transportunternehmen der Region Zentralschweiz traf sich in Gränichen

Konkurrenz drückt auf Lohn und Arbeit

«Am Schluss bezahlt immer das Personal» war eine häufig genannte Folgerung an der Zentralschweizer VPT-Tagung, zu der sich heute über 250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Bahn-, Bus- und weiteren Transportunternehmen in Gränichen AG trafen. Die Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter forderten klare Grenzen für Ausschreibungen.

VPT-Präsident und SEV-Geschäftsleitungsmitglied Kurt Nussbaumer hatte ein Heimspiel: Die Zentralschweizer Tagung fand in seiner eigenen Sektion statt, AAR bus+bahn. Angereist waren jedoch Kolleginnen und Kollegen aus der ganzen Zentralschweiz, die beim VPT bis ins deutschsprachige Wallis reicht. Nussbaumer machte in seiner einleitenden Rede darauf aufmerksam, dass der Einsatz der Gewerkschaft bei den konzessionierten Transportunternehmungen heute so wichtig ist wie nie zuvor. Er kritisierte zudem jene, die aus gewissen Gründen bei den Wahlen die SVP gewählt haben und erinnerte daran, dass gerade beim vordringlichen Problem der Pensionskassensanierung von dieser Seite keinerlei Unterstützung zu erwarten sei.

SEV-Präsident Pierre-Alain Gentil, scheidender jurassischer Ständerat, widmete sich in seiner Rede drei Punkten, die die Transportgewerkschaft zurzeit stark beschäftigen. Der Sozialpartnerschaft in den Transportunternehmen, der Konkurrenzentwicklung im Verkehrsbereich und der Situation der Pensionskassen SBB und Ascoop, die viele KTU versichert. Er warnte insbesondere die Unternehmen vor der falschen Annahme, ohne Sozialpartnerschaft, insbesondere ohne Gesamtarbeitsverträge, gehe es einfacher: «Die Sozialpartnerschaft hat zwar ihren Preis, aber das Fehlen der Sozialpartnerschaft ist viel teurer und gefährdet letztlich die Zukunft der Branche.» Er forderte die Unternehmen zudem auf, zusammen mit dem SEV und dem Verband des öffentlichen Verkehrs gemeinsam für eine Sanierung der Pensionskasse Ascoop einzustehen: «Hier vertreten wir gegenüber dem Bund alle zusammen das identische Anliegen», betonte Gentil.

Um Liberalisierung und Privatisierung im öffentlichen Verkehr ging es in der Podiumsdiskussion, zu der der Direktor von AAR bus+bahn, Mathias Grünenfelder, der Direktor des Verbandes des öffentlichen Verkehrs VöV, Peter Vollmer, und SEV-Vizepräsident Giorgio Tuti antraten. Am Beispiel von AAR bus+bahn entwickelte sich eine lebhafte Diskussion um Chancen und Risiken der Entwicklung. Der Kanton Aargau will seine Aktien am Busteil der Gesellschaft verkaufen, und die Gemeinden der Region haben sich dieser Absicht angeschlossen, womit nun unklar ist, wem das Unternehmen künftig gehören wird. Peter Vollmer erklärte aus der Erfahrung im VöV, in der Schweiz spiele es praktisch keine Rolle, ob eine öffentliche oder private Trägerschaft bestehe, da das Angebot im Vordergrund stehe. Mathias Grünenfelder äusserte jedoch seine Befürchtung, dass künftige private Besitzer zumindest eine Kapitalverzinsung erwarten; damit sei der Druck auf die Anstellungsbedingungen und somit aufs Personal schon gegeben. Er werde jedoch seinen Firmenarbeitsvertrag mit allen Mitteln zu verteidigen versuchen, erklärte er unter dem Applaus der anwesenden Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter.

Der Verband des Personal privater Transportunternehmen VPT ist einer der zehn Unterverbände der Transportgewerkschaft SEV und zählt über 10 000 Mitglieder bei Bahnen, Bus-, Seilbahn-, und Schifffahrtsunternehmen.

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