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TPG: Nach dem Versagen nur halbherzige Massnahmen?

Am 18. November haben die TPG eine interne Untersuchung angeordnet, nachdem rund 20 Mitarbeitende beim kantonalen Arbeitsinspektorat gegen zwei tyrannische Kader – darunter die HR-Leiterin – Klagen eingereicht hatten. Die Untersuchung wird ein externer Partner durchführen. Während des Untersuchungszeitraums zieht sich die von den Klagen vor allem betroffene HR-Leiterin aus der Personalführung zurück.

Der SEV hatte seit mehr als drei Jahren Alarm geschlagen, doch die TPG-Direktion hatte die Probleme allzu lange geleugnet und das Leiden der Mitarbeitenden ignoriert. Das Arbeitsinspektorat schreibt in seinem Bericht an den TPG-Direktor von «grosser psychologischer Not» und dass es «äusserst selten vorkommt, dass eine so grosse Zahl von Mitarbeitenden in unser Büro kommt, um über ihre Arbeitsbedingungen zu klagen».

Die für die TPG zuständige SEV-Gewerkschaftssekretärin Valérie Solano beurteilt die Entwicklung in dieser Sache nicht nur positiv: «Wir können zwar zufrieden sein, dass eine Untersuchung eingeleitet wurde, aber wir bedauern, dass die TPG-Leitung damit zugewartet hat, bis sie vom Arbeitsinspektorat dazu gezwungen wurde. Sie hat in dieser Angelegenheit versagt und insbesondere ihre Pflicht zum Schutz der Gesundheit des Personals versäumt, indem sie wegschaute.»

Zudem bleibt die HR-Leiterin von zu Hause aus für die TPG tätig und soll die neue Personalstrategie fertigstellen. In der Personalführung wird sie durch ihren Stellvertreter ersetzt. «Wir hoffen, dass diese Massnahmen das Personal genügend schützen, haben aber Zweifel, ob die halbe Kaltstellung der HR-Leiterin genügt. Wie weit reicht ihr Arm noch? Und ist es angesichts des Umfangs und der Art der gegen sie erhobenen Vorwürfe wirklich gerechtfertigt, dass sie eine Personalstrategie entwickelt?», fragt Valérie Solano.

Für die Sektion SEV-TPG ist es unerlässlich, dass die Untersuchung sowohl innerhalb der Personalabteilung als auch in der Marketing-, Verkaufs- und Kommunikationsabteilung von einer professionellen, unabhängigen und integren Stelle durchgeführt wird. Vom Verwaltungsrat erwartet der SEV, dass er Klarheit und Transparenz einfordert. «Wir sind stolz darauf, leidende Mitarbeitende ermutigt zu haben, sich ans Arbeitsinspektorat zu wenden, das für psychosoziale Probleme am Arbeitsplatz zuständig ist. Jetzt hoffen wir, dass alle Kolleg/innen, die gelitten haben, bei der Untersuchung aussagen werden. Vor allem auch jene, die sich fürchteten, zum Arbeitsinspektorat zu gehen», sagt Valérie Solano.

Vivian Bologna / Übersetzung: Markus Fischer
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