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Streit beim Genfer Transportunternehmen

TPG: Vereinbarung als solide Basis

Die Direktion der TPG und die Gewerkschaften haben eine gemeinsame Basis gefunden. Die Parteien haben eine Vereinbarung zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen unterzeichnet. Über 100 neue Mitarbeitende sollen angestellt werden.

Die Mobilisierung des Personals hat hat einen wesentlichen Beitrag zur Vereinbarung geleistet.

Nach Konsultation bei den Gewerkschaftskolleginnen und -kollegen hat die gewerkschaftliche Front (SEV, transfair und ASIP) am 16.April vor der «Kammer für kollektive Arbeitsbedingungen (CRCT)» eine Vereinbarung zu den Arbeitsbedingungen der TPG-Mitarbeitenden unterzeichnet. Das Dokument wurde auch von der TPG unterschrieben.

Durch die Unterzeichnung nach einem Monat harter Verhandlungen konnte der im März angekündigte Streik abgewendet werden. Der angedrohte Streik des Fahrpersonals der RATP, einem Subunternehmen der TPG, ist seit dem Eingreifen des CRCT hängig.

Schluss mit der Unterbesetzung

Der nun vereinbarte Personalaufbau um 101 Personen wird über drei Jahre unter Einbezug der natürlichen Fluktuation und des Ausbaus des Angebots stattfinden. In einem ersten Schritt betrifft der Ausbau das Fahrpersonal sowie den Bestand in der Planung und im Support. Die Personalrekrutierung beginnt in diesem Jahr.

Bessere Arbeitsbedingungen

Gewerkschaften und Personal sehen seit langem negative Folgen für die Gesundheit der Angestellten durch die personelle Unterbesetzung. Mit dem Personalaufbau sollen die Arbeitsbedingungen verbessert werden, unter anderem in Bezug auf längerfristige Dienstpläne für sämtliche Chauffeure, Arbeitszeiten, Wartezeiten bei Endbahnhöfen etc. Mit mehr Personal soll es wieder möglich werden, die Arbeitszeiten an den stressigen Fahrdienst in der Stadt Genf anzupassen.

Bessere Planungssicherheit

Die Neuanstellungen sollen auch bei den Springern die Einführung eines Dienstplans erlauben. So sollen sie neu ihre Einsätze fürs ganze Jahr kennen und wissen, ob sie morgens, nachmittags oder abends fahren müssen. Bis heute kannten sie keine fixen Arbeitszeiten. Ihre Einsätze wurden jeweils vier Tage im Voraus kommuniziert. Die TPG sind ausserdem bemüht, die Vielseitigkeit ihrer Mitarbeitenden zu fördern.

Weitere Fortschritte

Beim Aufbau des künftigen Depots «En Chardon» wird das Personal des technischen Dienstes miteinbezogen (Personalbestand und Arbeitszeiten). Leider wurde die Chance verpasst, ein Versuchsfeld für flexiblere Arbeitsbedingungen einzuführen. Die Konditionen werden nun an diejenigen in den anderen Depots angepasst. Ab Juli 2018 werden die Löhne um +0,5% erhöht (Teuerungsausgleich).

Die finanzielle Beteiligung an den Krankenkassen-Beiträgen wird ab 1.Januar 2019 in den Lohn integriert. Die Vereinbarung sieht ausserdem Verbesserungen im Gesundheitsschutz vor. So wird ein unabhängiger Betriebsarzt auf Mandatsbasis intervenieren und Empfehlungen abgeben können.

Misstrauen bleibt

Valérie Solano, Gewerkschaftssekretärin des SEV, warnt vor zu grosser Euphorie: «Wir bleiben kritisch und warten erst einmal ab, wie sich die Vereinbarung konkretisieren wird.» Zumal die Stimmung zwischen Direktion und Belegschaft angespannt sei. Um das weitere Vorgehen zu besprechen, wurde ein weiteres Treffen am 25.April vereinbart.

Yves Sancey / chf

Vincent Leggiero, was hältst du als Präsident der Sektion SEV-TPG von dieser Vereinbarung?

Es ist positiv, dass ein Personalaufbau stattfinden wird, auch wenn er mehr Zeit beansprucht als erhofft. Wichtig ist aber insbesondere, dass neue Mitarbeitende dort eingesetzt werden, wo sie dazu beitragen, die Arbeitsbedingungen zu verbessern.

Bist du optimistisch, was die Umsetzung der Massnahmen betrifft?

Ja,zumal meine Kollegen misstrauisch sind. Sie verfolgen kritisch das weitere Vorgehen. Zwischen dem Geschriebenen und der Realität kann es immer zu einer Diskrepanz kommen.

Gibt es in den nächsten zwei Jahren also keine Streiks mehr bei der TPG?

Wenn die Punkte der Vereinbarung eingehalten werden, wird es keine Probleme geben. Aber das Leben verläuft nicht immer gradlinig. Bei der TPG sind wir abhängig von der Politik. Und diese bestimmt auch unsere Arbeitsbedingungen. Nur weil wir jetzt eine Einigung erzielt haben, werden wir nicht zwangsläufig ruhig.

ysa / chf

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