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RATP: Rekurs ans Genfer Arbeitsinspektorat trägt Früchte

Vielen Dank, Herr Inspektor!

Seit mehreren Monaten verlangte der SEV Toiletten an den Endhaltestellen der von RATP DEV betriebenen Linien der Genfer Verkehrsbetriebe TPG und angemessene Pausenräume. Erst nach dem Einschreiten des Arbeitsinspektorats versprach die Firmenleitung Massnahmen.

Riesentoiletten wurden vor dem Hauptgebäude der UNO in New York aufgestellt um aufzuzeigen, dass die WC-Problematik ein Thema der öffentlichen Gesundheit von weltweitem Massstab ist.

Der SEV ist zufrieden mit der Art, wie sich die Dinge entwickeln – auch wenn es viel Zeit und Energie gekostet hat, etwas zu erhalten, was gesetzlich vorgeschrieben ist (in diesem Fall im Arbeitsgesetz und im Unfallversicherungsgesetz). Das vom SEV dazu aufgeforderte OCIRT, die kantonale Stelle für Arbeitsinspektion und Arbeitsbeziehungen in Genf, hat im Frühsommer einen ersten runden Tisch organisiert, an dem die Leitung der RATP DEV, die TPG und der SEV teilgenommen haben, letzterer vertreten durch den Gewerkschafter Pierre Delias und die SEV- Gewerkschaftssekretärin Valérie Solano (siehe kontakt.sev 11/2016). Ein zweiter runder Tisch fand am 30. August statt.

Die Dinge kommen ins Rollen

Die Direktion musste die Forderungen der Gewerkschaft anhören und sie anerkennen. «Unter Anwesenheit eines Ar beitsinspektors läuft die Diskussion besser», erklärt Pierre Delias. «Unter Druck gesetzt haben sie Ja gesagt. Jetzt warten wir darauf, was konkret getan wird. Machen sie, was sie versprochen haben, dann ist es gut», ergänzt er – noch immer nicht ganz ohne Misstrauen.

Endlich wurden Verbesserungen angekündigt

Seit Monaten verlangte der SEV von RATP DEV zu handeln, aber auch von den TPG, in deren Auftrag die Linie betrieben wird. Die Forderung des SEV war klar: Jede Linie muss an den Endhaltepunkten über WCs und angemessene Pausenräume verfügen. «Es ist trivial, aber dies sind wichtige Voraussetzungen für die Arbeitsbedingungen einer Unternehmung, und diese Botschaft hat der SEV übermittelt», erklärt Valérie Solano.

Der SEV freut sich denn auch über die jetzt angekündigten Verbesserungen. Ein Teil davon soll sofort realisiert werden, die übrigen auf den Fahrplanwechsel im nächsten Dezember.

OCIRT handelt exemplarisch

Das OCIRT gab sich nicht mit einer passiven Rolle am runden Tisch zufrieden und damit, mündlich einige Empfehlungen an die Unternehmung abzugeben. Der Arbeitsinspektor hat deshalb einen Brief an RATP DEV geschrieben, in dem er ausdrücklich das Einhalten der Vorschriften fordert. Das OCIRT hat auch eine Frist bis Ende 2016 gesetzt und verlangt vom Unternehmen, dass es bis dahin alle erforderlichen Massnahmen trifft.

Das kantonale Amt steht auch den TPG zur Verfügung, damit Druck auf Gemeinden ausgeübt werden kann, falls diese die Ausführung der nötigen Installationen hinauszögern. Bei einem Treffen von RATP, TPG und SEV im Januar 2017 soll erneut über die Situation gesprochen werden.

Katastrophale Zustände

Für Pierre Delias ist die gegenwärtige Situation «beschämend und traurig, kommt sie doch ausgerechnet von einer grossen Gruppe wie der RATP». Er hofft deshalb, dass die versprochenen Verbesserungen auch wirklich realisiert werden: «Wenn das Personal protestiert, tut sich im Allgemeinen etwas, aber es hält nicht an. Wenn aber die TPG auf den Tisch klopfen, reagiert RATP rasch.» Diesmal brauchte es sogar noch mehr: den Genfer Arbeitsinspektor…

Henriette Schaffter/pan.

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