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Gleichstellung

Frauen bereit für den zweiten nationalen Streik

Es ist wirklich Zeit, «genug» zu sagen.

Vor wenigen Tagen hat uns Aretha Franklin für immer verlassen. Wir alle erinnern uns an das wunderbare Lied «Respect» für die Frauen- und Bürgerrechte. Die «Nationale Kundgebung für Lohngleichheit und gegen Diskriminierung» vom letzten Samstag war ebenfalls ein vielstimmiger Ruf nach Respekt: Mehr als 20000 Stimmen forderten in Bern die Respektierung der seit Juli 1996 gesetzlich verankerten Lohngleichheit und des 37-jährigen Gleichstellungsartikels in der Bundesverfassung, der bis heute missachtet wird. «Wir alle hier fordern die Respektierung der Lohngleichheit», sagte eine der offiziellen Rednerinnen, Pepita Vera Conforti. «Dies tun wir vor allem auch aus Respekt vor uns selber. Es bedeutet die Anerkennung unserer Professionalität. Dass wir entscheiden können, wann wir freiwillig auf die Entlöhnung unserer Arbeit verzichten – ohne dass diese deshalb sozial und volkswirtschaftlich weniger wert wäre – und wann wir dafür Lohn erwarten. Wir bitten nicht um Almosen oder um eine Gefälligkeit. Heute sagen wir unseren Töchtern: Ihr könnt die erwachsenen Frauen werden, die ihr sein wollt!»

Die Frauen verdienen rund ein Fünftel weniger als die Männer, sind in Politik und Wirtschaft untervertreten und leisten den grössten Teil der unbezahlten Arbeit. Die Frauen verdienen im Schnitt 600 Franken weniger pro Monat als ihre männlichen Kollegen. Und sie arbeiten 44 Tage im Jahr gratis. Dieses Geld fehlt ihnen selber, ihren Familien und in ihren künftigen Altersrenten. Es fehlt auch der öffentlichen Hand wegen dem Steuerausfall. Für die Gewerkschafterinnen ist das Mass voll: «Wenn Frau will, steht alles still!» riefen sie und kündigten damit für 2019 einen zweiten nationalen Frauenstreik an. Denn die Liste der Diskriminierungen ist lang, sehr lang, wie die Rednerinnen auf der Schützenmatte betonten, darunter Lucie Waser vom SEV. Dennoch schwächte der Nationalrat am Montag wie schon der Ständerat die vom Bundesrat beantragte zahme Revision des Gleichstellungsgesetzes: ein Affront!

Françoise Gehring/Fi

Fotos von Annette Boutellier

Über 20000 Menschen kamen zum Schluss der Kundgebung auf dem Bundesplatz zusammen. Viele Männer zeigten sich mit den Frauen solidarisch.
Feminismus ist heute nötiger denn je.
Lucie Waser (SEV) wärmt die Menge auf der Schützenmatte auf.

Kommentare

  • Pascal

    Pascal 27/09/2018 09:32:15

    Wenn ich so die Löhne vergleiche sehe ich keinen Unterschied zwischen den Geschlechtern aber sehr wohl bei den Berufen.. Wie kann es sein das Büroangestellte 1000.- bis 2000.- mehr verdienen als Handwerker...? Das Schichtarbeiter weniger verdienen als Mo-Fr Angestellte.. Dort müsste man meiner Meinung nach mal was ändern.. aber ich denke das ist schlichtweg zu wenig interessant..

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