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Neuer GAV Thurbo unterzeichnet

Zeitsparkonto und Ferientage

Mehrheitlich positive Neuerungen sind das Ergebnis der GAV-Verhandlungen bei Thurbo.

Unterzeichnung: 2.v.l. VPT-Turbo-Präsident Gottfried Solenthaler, daneben Barbara Spalinger.

Die Sozialpartnerschaft mit der Thurbo AG war in den letzten Jahren angespannt. Doch die GAV-Verhandlungen konnten nun konstruktiv und mehrheitlich positiv durchgeführt und beendet werden.

Im Jahr 2014 wurde von den Verbänden gemeinsam die Forderung nach einer zusätzlichen (fünften) Ferienwoche vorgebracht. Thurbo knüpfte diese jedoch an die Bedingung, dass die Mitarbeiter dafür fünf arbeitsfreie Tage hergeben und die fünfte Ferienwoche somit vollumfänglich selber finanzieren. Die VPT-SEV-Sektion Thurbo befragte (als einzige Partei der Verhandlungsgemeinschaft) ihre Mitglieder, die diesen Deal ablehnten. Weil gleichzeitig immer offensichtlicher wurde, dass der Thurbo-GAV überkomplizierte Formulierungen enthält, wuchs auf allen Seiten die Bereitschaft, die beiden Kapitel 7 und 8 des GAV von Grund auf zu überarbeiten. Nach zehn Verhandlungsrunden, die sich über ein knappes Jahr erstreckten, konnte nun der neue GAV unterzeichnet werden: Die zusätzliche Ferienwoche wird 2017 eingeführt, das Personal muss dafür aber fünf arbeitsfreie Tage hergeben. Leider ist es uns nicht gelungen, eine Beteiligung der Thurbo zu erwirken. Dies vor allem auch deshalb, weil sich VSLF und Transfair in den Verhandlungen aktiv gegen eine Beteiligung des Arbeitgebers aussprachen! Effektiv erhöht sich die Jahresarbeitszeit bei der Thurbo um eine Stunde. Diese wird jedoch mit einer Lohnerhöhung um 0,1 Prozent für alle ausgeglichen.

Vater- und Mutterschaftstage

Erfreulich ist die Erhöhung des Vaterschaftsurlaubs von zwei auf zehn Tage. Auch der Mutterschaftsurlaub wurde leicht von 4 Monaten auf 18 Wochen erhöht. Bemerkens- und lobenswert daran ist, dass Thurbo zu diesen Anpassungen ohne Widerspruch bereit war.

Mehr Sicherheit fürs Personal

Der neue GAV enthält klare und verbindliche Grenzwerte für die Mehrarbeit pro Kalenderjahr (50 Stunden) und in der Summe der Jahre (100 Stunden). Zwar enthielt bereits der bisherige GAV einen Grenzwert von 75 Stunden Mehrarbeit, über dessen effektive Bedeutung bestand jedoch grosse Uneinigkeit zwischen den Sozialpartnern. Neu kann der Mitarbeiter am Ende der Abrechnungsperiode darüber bestimmen, ob er die Zeit über den Grenzwerten als Überzeit zu 125 Prozent auszahlen oder zu 100 Prozent in ein neu geschaffenes Zeitsparkonto umbuchen lassen will. Dieses Zeitsparkonto ist vor Zugriffen des Arbeitgebers geschützt und bietet dem Arbeitnehmer die Möglichkeit, zusätzliche arbeitsfreie Tage und Wochen zu beziehen, vorübergehend das Pensum zu reduzieren oder vor der Pensionierung arbeitsfreie Monate einzuschalten.SEV

Würdigung

Die Einführung des Zeitsparkontos darf als Erfolg der SEV-VPT Sektion Thurbo gewertet wer- den. Ein Antrag an die Hauptversammlung im März 2015 ver- langte die Schaffung eines sol- chen Kontos. Knapp zwei Jahre später ist der Antrag umgesetzt und das Zeitsparkonto im GAV verankert. Dieser Erfolg und ver- schiedene kleinere Verbesserungen für das Personal entschädigen dafür, dass es uns bis zum Schluss nicht gelungen ist, eine Beteiligung der Firma Thurbo an der zusätzlichen Ferienwoche zu erringen. Somit können wir das Verhandlungsergebnis als posi- tiv bewerten, auch wenn wir an der einen oder anderen Stelle vorteilhaftere Lösungen fürs Personal bevorzugt hätten.

Als positiv erlebt haben wir auch die Verhandlungsführung der Thurbo-Delegation, die sehr professionell arbeitete. Gleichzeitig spürten wir in vielen Belangen Offenheit gegenüber unseren Vorschlägen und die ehrliche Bereitschaft zur Suche nach Kompromisslösungen. Be- züglich der Qualität der Sozialpartnerschaft haben uns diese Verhandlungen auf alle Fälle deutlich vorwärtsgebracht – das ist ein Versprechen für die Zukunft!

Felix Birchler
SEV-Gewerkschaftssekretär

Kommentare

  • Michel Piguet

    Michel Piguet 27/10/2016 14:48:43

    Je n'aime pas cette phrase:
    "On peut se réjouir du fait que Thurbo ait accepté ses adaptations sans opposition."
    Plutôt que "se réjouir du", j'aurai préférer le terme "saluer le" qui est moins égoïste, plus win-win et surtout marque un esprit d'ouverture. Un peu de crème à reluire ne gêne jamais.

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