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Auf den Spuren von...

Pascal Schneiter, vom Gleismonteur zum Lokführer

Pascal Schneiter fährt beim Léman Express. Er ist auch aktiv gegen die Begrenzungsinitiative, über die das Schweizer Stimmvolk am 27. September abstimmen wird.

Der Kassier des LPV Genf, Pascal Schneiter, ist ein Aktivist, der einiges zu bieten hat. Einst war er Gleismonteur, heute führt er den Léman Express. Politisch engagiert er sich gegen die Begrenzungsinitiative, über die wir am 27. September abstimmen.

Wir treffen Pascal Schneiter in Genf Cornavin. Anlass dafür ist die Abstimmung vom 17. Mai – wegen der Coronakrise auf den 27. September verschoben – über die Begrenzungsinitiative der SVP. Pascal hat allen Grund, darüber zu reden. Er hat den Schweizer Pass, lebt aber in Frankreich, eine Viertelstunde von Genf entfernt. Er hat kein Verständnis für die Initiative: «Die Mobilität der Menschen zu begrenzen ist utopisch in einer Welt, die sich immer mehr öffnet. Ein Ja zu diesem Begehren wäre ein grosser Fehler. Es bringt nichts, sich zu verbarrikadieren. Unsere Arbeitsbedingungen werden über Gesamtarbeitsverträge geschützt und nicht über die Schliessung der Grenzen.» Als Lokführer des Léman Express spricht er gerne über die Situation in Genf. «Die Lösung ist ganz einfach: Die Schweizer Lokführer fahren auf dem Schweizer Netz, die französischen Kolleg/innen in Frankreich.» Sie bleiben jeweils Angestellte der SBB bzw. der SNCF.

Die sehr gute Zusammenarbeit der französischen und Schweizer Gewerkschaften ermöglicht ein geeintes Auftreten. «Es wird für dieses Netz vor 2025 keine Ausschreibung geben», betont er. «Die französischen und Schweizer Gewerkschaften sind in dieser Frage solidarisch; sie werden ihr ganzes Gewicht einbringen, damit die Politik in der Ausschreibung Anstellungsbedingungen festlegt und nicht einfach den tiefsten Preis entscheiden lässt», stellt Gewerkschaftssekretärin Valérie Solano fest, die die Gespräche mit den Sozialpartnern geführt hat. Nicht nur bei der Bahn konnte der SEV das Prinzip vom Schweizer Lohn auf Schweizer Boden verteidigen: Die Chauffeure der grenzüberschreitenden Buslinien erhalten einen Zuschlag für die Strecken in der Schweiz, damit ihre Löhne der Branchenüblichkeit entsprechen.

Erste Ausbildung als Gleismonteur

Zurück zu Pascal, den das Leben in alle Teile der Westschweiz geführt hat: «Ich bin in Biel aufgewachsen, dann kam ich mit 15 Jahren ins Waadtland, nach Yvonand. Rund 20 Jahre bin ich in der Waadt geblieben, danach zog ich nach Genf, wo ich in Tonstudios gearbeitet habe. Ich bin nicht Musiker, aber ich liebe es, mit den Tönen zu spielen. Das hat aber nicht funktioniert, so bin ich bei den Schienen geblieben; ich glaube, ich könnte nichts anderes machen. Von Anfang an wollte ich nicht in einem Büro arbeiten. Meine Mutter schlug mir vor, bei Infra zu arbeiten. Ich habe die Ausbildung als Gleisbauer gemacht, danach jene zum Führer von Baufahrzeugen. Das war eine anspruchsvolle Arbeit mit viel Nacht- und Wochenenddienst.» Eher per Zufall fand er die Abzweigung. «Ein Kollege ging an eine Infoveranstaltung für Lokführer Personenverkehr, und ich habe ihn begleitet. Ich habe es gepackt, er nicht», schmunzelt Pascal.

Wichtige Unterstützung des SEV

Welche Rolle spielt der SEV in Pascals Leben? Er ist 1988 beigetreten, aber die Verbindung wird erst enger, als er von Cargo zum Personenverkehr wechselt. «Wir brauchten das Niveau A1 in Deutsch, und drei Monate vor Beginn der Ausbildung sagte man mir, man müsse es schon am Anfang mitbringen. Mein Kurs war jedoch später. Meine Umschulung war in Gefahr. Der ehemalige Präsident des LPV Genf Jérôme Koelle und der Vizepräsident des LPV haben sich für mich eingesetzt und die Einwände von HR aus dem Weg geräumt. Sie befürchteten nämlich, dass ich im Vergleich zu den anderen Aspiranten zu viel verdiene. Wir konnten eine Lösung finden. Ich werde mich mein Leben lang an die Unterstützung des SEV erinnern. Ich erzähle den Aspiranten jedes Mal, was der SEV für mich geleistet hat. Jérômes natürliche Hilfsbereitschaft hat mich stark geprägt.»

Kassier des LPV Genf

Pascal ist Kassier der Sektion LPV Genf. Zuvor war er schon als Vertreter von Cargo im Vorstand. Später hat er die Kasse übernommen, als Cédric Echenard in eine andere Funktion wechseln wollte. Die Anfangsschwierigkeiten beim Léman Express sind in Genf das grosse Thema: «Nur dank uns funktioniert es», unterstreicht Pascal. Die Lokführer erwarten deshalb ein Zeichen von ihren Vorgesetzten. Pascal hat sich auch dafür eingesetzt, dass die Öffnungszeiten der Parkplätze ausgeweitet werden. «Unser Vorschlag wurde ausprobiert, und er scheint allen zu passen. Er könnte nun dauerhaft umgesetzt werden. Davor konnten nur jene die Parkplätze benützen, die vor 6 Uhr beginnen und nach 23 Uhr aufhören, was nicht zu unseren versetzten Schichten passte. Bevor ich im Namen des LPV eine formelle Anfrage machte, habe ich bei den Kolleg/innen ihre Bedürfnisse abgefragt. Danach ging unser Präsident Philippe Wehrli zu den Verhandlungen und hatte Erfolg.»

Mit diesen Beispielen will Pascal illustrieren, dass es etwas bringt, wenn man sich für eine Sache einsetzt. «Wenn man nicht einmal den kleinen Finger rührt, erreicht man nichts. Ich bin stolz auf den Einsatz des SEV für unsere Arbeitsbedingungen. Aber da ist noch mehr: Die Aktionen gegen die billigen Fernbusse haben mich beeindruckt. Das ist es, was ich von einer Gewerkschaft erwarte: ein 360°-Engagement.»

Vivian Bologna/Übersetzung: Peter Moor

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