| Aktuell / SEV Zeitung

Elvetino überdenkt Disziplinarwesen

Schluss mit Strafpunkten bei Elvetino

Unrasiert am Arbeitsplatz – ein Strafpunkt. Quittung nicht abgegeben – drei Strafpunkte. Acht Strafpunkte – Kündigung. So ging es bei Elvetino bisher zu und her. Nun hat die SBB-Tochter angekündigt, das unmenschliche Disziplinarsystem endlich abzuschaffen.

Die Mitarbeitenden von Elvetino stehen unter gewaltigem Druck. Damit soll jetzt Schluss sein.

Seit 2015 erhalten die Angestellten der SBB-Tochter Elvetino Strafpunkte für ihr Fehlverhalten. Wer beispielsweise mit schmutzigen Schuhen zur Arbeit erscheint, kassiert einen Strafpunkt, wer die Verkaufsquittung nicht abgibt, gleich drei. Mit fünf Punkten wird man zu einem Gespräch zitiert, bei acht erfolgt die Kündigung.

Angestellte stehen unter Druck

Gegen dieses unmenschliche Disziplinarwesen wehrt sich der SEV seit dessen Einführung. «Der Druck auf die Angestellten ist enorm», erklärt Regula Pauli, die zuständige SEV-Gewerkschaftssekretärin. Die drohenden Strafpunkte machen den Mitarbeitenden Angst, sie fühlen sich behandelt wie Kriminelle. «Das System gibt ihnen keinerlei Handlungsspielraum», so Pauli weiter. «Ihnen wird das nötige Vertrauen nicht eingeräumt. Die Mitarbeitenden stehen quasi unter Generalverdacht.»

Ein Klima der Angst

Mit den Strafpunkten wollte Elvetino für mehr Transparenz und Verhältnismässigkeit im Disziplinarwesen sorgen. Erreicht hat die Firma das Gegenteil: Das System ist unfair und erzeugt ein Klima der Angst auf den Zügen. Die beiden Mitarbeitenden Alireza Zatigogani und Ali Ashgar Nauroozy zum Beispiel erhielten nach acht Strafpunkten die Kündigung, obwohl die Punkte nicht immer zu Recht vergeben wurden.

Positive Anreize statt Strafen

Auch wenn Elvetino die Kündigungen in den genannten zwei Fällen nicht zurücknehmen wird, gibt es–zumindest für die verbleibenden Mitarbeitenden–Grund zur Freude: Das Strafpunktesystem wird abgeschafft. Die Unnachgiebigkeit des SEV, wie wohl auch die Einsicht der Elvetino Leitung, gaben den Ausschlag für diesen Entscheid. «Der SEV fordert einen fairen und menschlichen Umgang mit den Mitarbeitenden», sagt Regula Pauli. «Ein Klima der Angst, wie es bei Elvetino bisher herrscht, schadet den Mitarbeitenden, aber auch der Firma selbst.» Das hat nun endlich auch die Geschäftsleitung von Elvetino eingesehen. Es erfolgt ein Paradigmen-Wechsel: Die Firma will die schikanösen Strafpunkte durch Anreize ersetzen, welche positives Handeln und gute Arbeit belohnen, statt selbst kleinste Vergehen hart zu bestrafen.

«Wir sind froh, dass Elvetino endlich zur Einsicht gekommen ist und sind gespannt, wie die angekündigten Neuerungen im Detail aussehen», schliesst Regula Pauli. Die Gewerkschaftssekretärin hofft nun auf ein besseres Klima bei der SBB-Tochter.

Karin Taglang

Kommentare

  • Stefanie Salzmann

    Stefanie Salzmann 22/02/2018 08:00:04

    Wow, endlich!

  • Urs Hunziker

    Urs Hunziker 22/02/2018 10:56:43

    Das wäre ja heiter, wenn dieses Strafpunktesystem auf Chefebene angewandt würde. Z.B. würden Banken oder Autofirmen ohne Führung dastehen, denn wer Bussen in Millionenhöhe zahlen muss, hat sich sicher einige Strafpunkte eingehandelt. Nun also weg mit diesem unwürdigen System bei Elvetino. Und meiden wir Banken und Automarken die von den Behörden bestraft wurden. Es gibt Alternativen dazu.