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Deutschsprachige Bahngewerkschaften agieren gemeinsam

Für Sicherheit am richtigen Ort

Nachhaltig statt publizitätsträchtig sollen sich die Regierungen um die Sicherheit in den Zügen kümmern: Das ist die Aufforderung derSpitzen der deutschsprachigen Bahngewerkschaften.

Wenige Tage nach dem Überfall auf einen Thalys-Zug zwischen Amsterdam und Paris haben sich mehrere Minister europäischer Staaten getroffen und Massnahmen für die Sicherheit in den Zügen diskutiert. Dabei standen zusätzliche Personenkontrollen ebenso zur Debatte wie die Einführung personalisierter Billette im internationalen Fernverkehr.

Nur Tage später fand in Norddeutschland das alljährliche Treffen der Bahngewerkschaften aus Deutschland, Österreich, Luxemburg und der Schweiz statt. Dort kamen die Vorschläge der Minister zur Sprache und stiessen auf wenig Verständnis.

Die Vorsitzenden der vier Gewerkschaften EVG, Vida, FNCTTFEL und SEV kritisierten die Empfehlungen der Minister als «dürftig» und «wenig hilfreich». «Das, was an Verschärfung von Kontrollen diskutiert wurde, geht weitgehend an der Lebenswirklichkeit vorbei», machten die Gewerkschaftsvorsitzenden deutlich. Massnahmen, die lediglich den internationalen Fernverkehr betreffen, zielen in die falsche Richtung, da Sicherheitsanliegen des Personals eher die regionalen und nationalen Strecken betreffen.

Bestehende Anliegen der Gewerkschaften

«Es ist bedauerlich, dass die berechtigten Anliegen unserer Kolleginnen und Kollegen in den Zügen und im Servicebereich von den Verantwortlichen bislang weitgehend ignoriert wurden. Nach dem Zwischenfall im Thalys werden jedoch plötzlich eine stärkere Präsenz von Ordnungskräften und verstärkte Kontrollen gefordert», kritisierte Alexander Kirchner, Vorsitzender der deutschen Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG. Bisher waren die politischen Instanzen taub gegenüber den Anliegen des Personals, das im beruflichen Alltag mit Übergriffen und Aggressionen zu tun hat, ohne dass dagegen wirksame Massnahmen ergriffen würden.

Alle vier Gewerkschaften setzen sich schon seit langem dafür ein, dass durch geeignete Massnahmen Sicherheit und Ordnung im öffentlichen Verkehr auch weiterhin gewährleistet sind.

Genügend und qualifiziertes Personal

«Dazu gehört nach unserer Auffassung insbesondere der zielgerichtete Einsatz von gut ausgebildetem Personal», machte SEV-Präsident Giorgio Tuti deutlich. Roman Hebenstreit, Vorsitzender des Fachbereichs Eisenbahn der Vida, ergänzte: «Wir brauchen klare Verantwortlichkeiten und ausschliesslich qualifizierte Fachkräfte, die – aufgrund ihrer Ausbildung – auch schon präventiv tätig werden können.»

Entsprechend forderten die Gewerkschafter Standards bei der Ausbildung und weiteren beruflichen Qualifikationen von sicherheitsrelevantem Personal. «Wir wollen, dass einheitlich qualifiziertes Personal zum Einsatz kommt», machte Jean-Claude Thümmel von der FNCTTFEL deutlich. So seien etwa die Aufgaben eines Zugbegleiters mittlerweile so anspruchsvoll, dass eine europäisch einheitliche Zertifizierung unumgänglich sei. Vor diesem Hintergrund ist die Festlegung einheitlicher Ausbildungs- und Prüfungsinhalte eine zentrale Forderung der Gewerkschaften. «Deshalb brauchen wir dringend ein gemeinsames Grundverständnis im Hinblick auf die Mindestbesetzung und den Personaleinsatz in Zügen sowie eine europaweit einheitliche Definition der sicherheitsrelevanten Berufe. In der Luftfahrt ist dies längst umfassend geregelt», machte der Vorsitzende der Sektion Eisenbahn der ETF, Guy Greivelding, deutlich.

pmo

Intensiverer Austausch zwischen Gewerkschaften und Unternehmen

Neben Sicherheitsfragen beschäftigten sich die vier Bahngewerkschaften insbesondere mit dem Austausch zwischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisationen. Dieser ist in der Europäischen Union an sich im Rahmen des sogenannten sozialen Dialogs geregelt. Wenn die Sozialpartner auf dieser Ebene einig werden, gelten die vereinbarten Arbeitsbedingungen als verbindlich.

In den letzten Jahren hat es jedoch bei diesem Austausch geharzt. Auf Initiative der deutschsprachigen Bahngewerkschaften hin (auch des SEV, der sich zusammen mit der SBB auf europäischer Ebene ebenfalls engagiert) soll nun dieser soziale Dialog für den Bahnbereich neu aufgegleist und wieder handlungsfähig gemacht werden.

pmo

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