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Die Gotthard-Bergstrecke verdient volle Aufmerksamkeit

Bergstrecke braucht Züge mit Begleitpersonal

Die Absicht der SBB ist klar: Ab Fahrplanwechsel 2016 sollen Züge auf der Gotthard-Bergstrecke ohne Zugbegleitung verkehren. Damit nimmt sie weder auf die Sicherheit der Reisenden noch auf deren Service-Bedürfnisse Rücksicht. Zudem wirkt sich der Entscheid negativ auf die Situation des Zugpersonals im Tessin aus. Darauf haben heute in Faido in Anwesenheit zahlreicher Vertreter der Politik die vom SEV vertretenen Zugbegleiter und Lokomotivführer aufmerksam gemacht.

Bis zum Auslaufen der bestehenden Konzession Ende 2017 hat die SBB den Auftrag, die Gotthard-Bergstrecke als Linie des Fernverkehres zu betreiben. Im Gegensatz zu Regionalzügen werden Fernverkehrszüge von Zugpersonal begleitet. Die SBB beabsichtigt jedoch, mit dem Fahrplanwechsel in Dezember 2016 auf der Bergstrecke Regionalzugsmaterial einzusetzen, ohne Zugbegleitung.

Die Absicht, unbegleitete Züge über die Bergstrecke zu führen, wird sowohl vom Zugpersonal als auch vom Lokpersonal kritisiert, das im SEV organisiert ist. Auf einer über hundertjährigen Stecke muss den Reisenden optimale Sicherheit gewährleistet werden. Das Zugpersonal bietet neben dem Service auch die nötige Sicherheit bei Zwischenfällen, für die es speziell ausgebildet ist. Falls eine Rettung aus Tunneln und bei Bränden nötig wird, kann nur das Zugpersonal den Reisenden die nötige Unterstützung und Information bieten. Die Lokführer sind zwangsläufig vollständig damit beschäftigt, das Fahrzeug zu sichern und wieder betriebsfähig zu machen und können sich nicht um die Fahrgäste kümmern.

Der Entscheid der SBB ist auch fragwürdig, da der Wegfall der Zugbegleitung negative Auswirkungen auf die Tessiner Depots des Zugpersonals hat. Es ist mit einem Personalabbau von rund 20 Prozent an den Standorten Bellinzona und Chiasso zu rechnen. Das Personal wäre zwar vorhanden, aber die SBB will es nicht nutzen. Angesichts des bestehenden Gesamtarbeitsvertrags, der Entlassungen aus organisatorischen Gründen ausschliesst, ist diese Haltung unverständlich. Bereits hat die SBB einen Einstellungsstopp für Zugpersonal im Tessin bekanntgegeben.

Der Einsatz für die Zugbegleitung in Zügen, die lange Tunnel befahren, ist es altes Anliegen des SEV, ausgelöst durch die Erfahrungen nach einem Brand in einer Cisalpino-Komposition im Zimmerbergtunnel im April 2006. Damals hatte auch der Abschlussbericht der Unfalluntersuchungsstelle die Wichtigkeit der Zugbegleitung hervorgehoben und empfohlen, die Zahl der Begleitpersonen in Zügen, die lange Tunnel durchfahren, zu überprüfen.

Die Forderung des SEV nach Doppelbegleitung wurde schliesslich für Züge des Fernverkehrs akzeptiert. Nun will sich die SBB wieder davon verabschieden. Zwar sehen sie eine Begleitung der Züge durch den hochmodernen Basistunnel vor, wollen aber das Personal von der vor mehr als 100 Jahren erbauten Bergstrecke abziehen.

Der SEV hält an seiner Forderung fest und erwartet vom Bundesamt für Verkehr als Aufsichtsbehörde für die Sicherheit der Schweizer Bahnen entsprechende Weisungen. Es kann nicht zugelassen werden, dass Züge, die lange Tunnel oder Strecken mit Besonderheiten wie die zahlreichen Kehrtunnel der Bergstrecke befahren, ohne Zugpersonal unterwegs sind.

Mit solchen Entscheiden spielt die SBB einmal mehr den Initianten der „Pro-Service-Public“-Initiative in die Hand, die ohnehin den anhaltenden Serviceabbau zum Schwerpunkt ihrer Kampagne gemacht haben. Der SEV schliesst sich dieser Haltung nicht, an, da die Initiative gerade das Gegenteil bewirken würde: einen weiteren Serviceabbau, mangels entsprechender Finanzierungsmöglichkeiten. Klar ist der SEV aber in der Forderung, dass die Gotthardbergstrecke nicht in die Bedeutungslosigkeit getrieben werden darf – mit unbemannten Stationen und unbegleiteten Zügen. An ihrer Medienorientierung in Faido haben die im SEV organisierten Personalgruppen deutlich ihre Besorgnis ausgedrückt und sind darin von zahlreichen Politikern aus dem Tessin unterstützt worden.

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