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Auf den Spuren von …

Roman Haas, Busfahrer bei der Auto AG Schwyz

Kolleg:innen nennen den 39-jährige Kassier der SEV-VPT-Sektion Schwyz «Padre». Das hat einen wahren Kern.

Roman Haas holt mich am Bahnhof Brunnen kurz nach 13 Uhr ab, zu Beginn seiner zweiten zweistündigen Pause an diesem Arbeitstag, den er um 17.55 beenden wird. Begonnen hat er um 5.36 Uhr und ist mit dem Kleinbus Iveco Daily zweimal von Sisikon nach Riemenstalden hochgekurvt, um vor allem Schüler:innen ins Tal zu bringen – und auf der dritten Runde wieder zurück nach Riemenstalden. Im Bus ist es angenehm kühl. Leise Chormusik von Haydn schafft eine ruhige Atmosphäre, die sich vom Mittagsverkehr in der prallen Sonne angenehm abhebt.

Nach wenigen Minuten treffen wir in der modernen, 2020 erweiterten Garage der Auto AG Schwyz (AAGS) in Ibach ein, mit Blick über Wiesen auf den Grossen und Kleinen Mythen. Dem Laien fallen die Ladestationen für die Solaris-Elektrobusse auf. Zufällig treffen wir die Aktuarin der SEV-VPT-Sektion Schwyz, Dominique-Anja Reich. Die beiden Fahrprofis wechseln ein paar Worte über die starke Getriebebeanspruchung der Busse am Berg. Auf dem Weg zum Kaffeeautomaten berichtet Roman Haas, dass die Wahlmuotathalerin seit einigen Monaten Gelegenheit erhält, neuen Fahrer:innen während ihrer Instruktion den SEV vorzustellen. Neue Mitarbeitende erhalten von der Sektion auch Infomaterial. Im Vorbeigehen grüsst er den Mitarbeiter der kantonalen Motorfahrzeugkontrolle in einer Halle, die nachts von der AAGS selbst zum Abstellen von Bussen genutzt wird, eine Win-Win-Lösung.

Beim Kaffee erzählt der Luzerner aus Meggen seine abenteuerliche Lebensgeschichte, deren Leitstern der katholische Glaube war und ist. Als Zwölfjähriger fasst er am Ministrantenfest in Bern am Stand der Schweizergarde den Entschluss, selbst einmal Gardist zu werden. Zuerst aber lernt er Lastwagenmechaniker, pilgert nach bestandener Abschlussprüfung in rund 120 Tagen von Einsiedeln nach Santiago de Compostela, um nach diesen rund 2500 Kilometern «fit wie ein Turnschuh» in die RS einzurücken. Danach arbeitet er als Mechaniker, bis er im Juni 2009 tatsächlich Schweizergardist wird. Nach der Vereidigung 2010 gibt ihm Papst Benedikt XVI. die Hand, fragt ihn nach der Herkunft und sagt: «Luzern kenne ich.» So nah kommt er dem Heiligen Vater erst wieder 2013 bei der Abschiedsaudienz, kurz bevor er die Garde verlässt. Dazwischen bekommt er die Besuche von Barack Obama und weiterer Staatsoberhäupter aus nächster Nähe mit und sieht hinter die Kulissen des Kirchenstaates. In der Freizeit kann er die Vatikanischen Gärten nutzen und die Kulturschätze Roms entdecken.

Nach dem Abschied aus der Ewigen Stadt ist Roman Haas zwei Jahre Hauswart eines Klosters in Assisi und geht anschliessend selbst in ein Kloster in Bayern. Nach neun Monaten merkt er aber: «Ein Kloster ist nicht der richtige Ort für mich.» Also wird er Werkstattleiter eines kleinen Bus- und Car-Unternehmens, ebenfalls in Bayern, und macht dort die Führerscheine der Kategorien C, D und E, bis er zwei Jahre später in ein österreichisches Priesterseminar eintritt. Wegen theologischer Differenzen mit der Leitung (er zieht die traditionelle Liturgie der neuen von 1969 vor) und weil er seine Meinung zu sagen pflegt, muss er das Seminar im Januar 2020 nach halber Ausbildung verlassen. Er arbeitet als Busfahrer in Bayern, bis dort die Pandemie den Busverkehr weitgehend lahmlegt, nur Bahnersatz und Soldatentransporte kann er noch fahren. Deshalb wechselt er zu einer Firma, die hauptsächlich Land Rover Defender zu Reisemobilen ausbaut. Weil sich die Stimmung nach Corona in Deutschland verändert hat und auch die «Schweizerkrankheit» (Heimweh) nicht vor ihm Halt macht, beschliesst er, in die Schweiz zurückzukehren. Er sucht bewusst eine Stelle in der Nähe der Pfarrei, die er seit Jahren kennt, und wird Anfang November 2023 Busfahrer bei der AAGS.

Dem SEV tritt er nach ein paar Monaten bei, «weil sich jemand vom Personal für die Anstellungsbedingungen einsetzen muss, auch wenn es niemand machen will». Diese Notwendigkeit ist ihm bewusst, seit er gesehen hat, «was in Deutschland abgeht». Darum geht er von sich aus auf die SEV-Sektion zu. Im April 2025 wird er auf Anfrage Kassier und besucht den Buchhaltungskurs von Movendo. In den gewerkschaftlichen Kursen (zum Beispiel zum Arbeitszeitgesetz) sieht er einen wertvollen Service für die Mitgliedschaft. 2025 nimmt er auch an den Verhandlungen zur Revision des Gesamtarbeitsvertrags der AAGS per 1. Januar 2026 teil, ebenso an den Lohnverhandlungen.

An einer Tagung des Unterverbands VPT merkt er angesichts der Sicherheitsprobleme, die Busfahrer aus Städten in der Westschweiz schildern, dass die Situation in Schwyz noch vergleichsweise gut ist. «Zwar gibt es auch bei uns ab und zu Übergriffe, vor allem verbale. Aber geschlossene Fahrerkabinen sind kein Thema.» Eine Herausforderung sind die zurzeit gut 30 Baustellen auf dem Netz der AAGS, die Verspätungen und Stress verursachen können, gerade die Haltestelle Schwyz Zentrum ist wegen der Bauarbeiten für Fahrpersonal und Fahrgäste eine grosse Herausforderung. Zum Glück wurden beim Fahrplanwechsel 2024 die Zeiten und Linien angepasst, was für das Fahrpersonal eine grosse Entlastung brachte. Der Personalbestand der AAGS ist zurzeit im Lot, weil recht viele Fahrer:innen ausgebildet werden, «aber die Fluktuation ist im Auge zu behalten, vor allem die vielen Pensionierungen».

Im Herbst leitet Roman Haas den Jahresausflug des VPT Schwyz nach Waldshut und ins Kernkraftwerk Leibstadt. Aufgrund vieler Anfragen organisiert er 2027 für das AAGS-Personal zwei Romreisen. Weiter präsidiert er den Oldtimer Club der AAGS, der Extrafahrten anbietet. In seiner Pfarrei dirigiert er ehrenamtlich den Kirchenchor und singt an Hochzeiten als Solist mit Orgelbegleitung. Weitere Hobbys sind Reisen (oft nach Italien) und Wandern.

Markus Fischer

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