| Aktuell / SEV Zeitung

Delegiertenversammlung RPV

DV RPV: Viele Fragen zu «G-enesis»

Am 26. Mai tagten die Delegierten des SEV-Unterverbands des Rangierpersonals im Hotel Bern in Bern. Thematischer Schwerpunkt war die laufende Reorganisation des Einzelwagenladungsverkehrs, die der Leiter Produktion SBB Cargo, Peter Luginbühl, vorstellte. Er musste viele kritische Fragen beantworten.

Peter Luginbühl erläuterte die Gründe und Massnahmen der Tranche 6 des Reorganisationsprogramms «G-enesis»: Der Bund unterstützt den EWLV während acht Jahren finanziell und erwartet von der SBB, dass sie den EWLV danach kostendeckend betreibt. Um dieses (aus SEV-Sicht unrealistische) Ziel zu erreichen, erhöht SBB Cargo die Preise für die Kund:innen durchschnittlich um 20 Prozent und reduziert die Produktionskosten durch Anpassungen des Produktionsmodells mit Einsparungen von Personal und Rollmaterial. Auch soll das überalterte Rollmaterial durch eine geringere Zahl moderner Loks und Wagen ersetzt werden, die weniger Unterhalt benötigen sollen, auch dank weniger Typen. «Optimierung» der Produktion heisst: Rund 50 der bisher 280 Bedienpunkte werden nicht mehr angefahren, «weil sie nicht rentieren», oder nur noch auf Bestellung mit Ganzzügen. «So können wir künftig nahezu gleich grosse Mengen transportieren wie bisher», hofft Luginbühl optimistisch, «aber deutlich wirtschaftlicher dank besser ausgelasteter Züge.» Sendungen sollen gebündelt werden, um weniger Züge führen und rangieren zu müssen. So sollen 33 % weniger Streckenloks, 16 % weniger Rangierloks, 21 % weniger Lokführer:innen und 29 % weniger Rangiermitarbeiter:innen nötig sein. Cargo will auch Standorte schliessen: beim Lokpersonal Brig, Buchs SG und Chiasso, beim Rangierpersonal Delémont, Fribourg, Martigny, Payerne, Rothenburg, Thun, Wil und Yverdon. Rund 200 Mitarbeiter:innen sind von Veränderungen betroffen: 130 in der Deutschschweiz, 40 im Tessin und 30 in der Westschweiz. Drei Viertel von ihnen müssen den Arbeitsort wechseln, für die übrigen gibt es Funktionswechsel, Pensionierungen und «vereinzelte Eintritte ins Arbeitsmarktcenter, Kündigungen sind die Ausnahme» (gemäss GAV aus wirtschaftlichen Gründen nur unter vier Dienstjahren möglich).

Weil viele Pensionierungen anstehen, sei der Zeitpunkt für die Reorganisation günstig, da sie jetzt sozialverträglich umgesetzt werden könne, betonte Luginbühl. Trotz Stellenabbau müsse SBB Cargo in den nächsten Jahren sogar 400 neue Mitarbeiter:innen ausbilden. Bis Ende Juni sollen die Teamleiter:innen nicht nur die 200 Direktbetroffenen in persönlichen Gesprächen über die Reorganisation informieren, sondern alle rund 1300 Mitarbeiter:innen der Cargo-Produktion.

Zum Referat kamen viele kritische Fragen, die der Referent oft nicht befriedigend beantworten konnte. Etwa zur Ersetzung der Schichtleiter:innen durch Kompetenzzentren oder zu den Umstrukturierungen in der Planung. Gab es Verbesserungen, seit der RBL eine eigene Region ist? Führt die Reduktion der Cargo-Standorte nicht zu längeren Fahrten zu Kund:innen? Sind die Standortwechsel für die Betroffenen zumutbar – etwa für einen 61-Jährigen ohne Auto, der vor Früh- und nach Spätdiensten vor Ort schlafen muss, falls der Einteiler nicht auf ihn Rücksicht nimmt. Oder wie will SBB Cargo Betroffene zum Bleiben motivieren? Welche Konsequenzen werden aus einem Nichterreichen der Eigenwirtschaftlichkeit gezogen?

Zur Sprache kam auch das konzernweite Projekt zur Umwandlung der bisherigen Stellenbeschreibungen in «generische» Funktionsumschreibungen. «Generisch» heisst: die Umschreibungen können zum Beispiel für Ressourcenplaner in verschiedenen Bereichen identisch sein. In den letzten Monaten hat die SBB neue Funktionsumschreibungen für die Rangiermitarbeiter:innen ausgearbeitet, und der Personenverkehr legt sie ihnen nun in einem Zusatz zum Arbeitsvertrag zum Unterschreiben vor. Viele Kolleg:innen sind verunsichert, weil sie über das Projekt bisher wenig bis nichts gehört haben. Es besteht aber kein Grund zur Panik, denn ausser dem Namen der Funktion sollte für sie nichts ändern: weder das Pflichtenheft noch Anforderungsniveau und Lohn noch der Arbeitsort.

Wie weiter mit weniger Mitgliedern?

Die Delegierten nahmen die Rechnung 2025 und das Budget 2027 einstimmig an und verdankten Kassier Heinz Schneider seine Arbeit mit Applaus. 2025 schrieb der RPV bei einem budgetierten Mitgliederbestand von 1200 Personen einen Verlust, den er aus dem Vermögen problemlos begleichen kann. Effektiv sank der Bestand von 1160 Mitgliedern Ende 2024 auf 1118 Mitglieder Ende 2025, trotz 74 gewonnener Neumitglieder. Ende April 2026 waren es noch 1093 Mitglieder trotz 18 Neumitgliedern – und weiterhin hohem Organisationsgrad. Der Grund für den Mitgliederschwund ist, dass die vielen Pensionierungen wegen dem Stellenabbau bei SBB Cargo nicht durch Neumitglieder ersetzt werden können. Daher rechnet das RPV-Budget 2027 nur noch mit 1000 Mitgliedern und sieht ein etwas höheres Defizit vor, das vorläufig ohne Beitragserhöhung verkraftbar bleibt. Doch Zentralpräsident Danilo Tonina will an der nächsten Präsidentenkonferenz die Zukunft des RPV ab 2028 zur Diskussion stellen: Sollen Sektionen fusionieren? Oder gar der RPV mit einem anderen Unterverband?

Es gab auch Wahlen, unter anderem von Dace Handke (RPV Thurtal) in die Frauenkommission RPV und von Karim Habraoui (RPV Lausanne) als Vertreter Romandie im Zentralvorstand RPV (im Bild vorne rechts).

Markus Fischer

Hast du einen Kommentar oder eine Frage zum Artikel? Schicke eine Mail an den/die Autor:in oder an