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Delegiertenversammlung ZPV

DV ZPV: Zugpersonal unter Druck

Das Zugpersonal hat einen schwierigen Job und braucht von den Vorgesetzten Vertrauen und Unterstützung statt mehr Kontrolle und Druck. Diese Botschaft richtete die DV ZPV am 10. Juni in Langnau im Emmental an Lea Meyer, Leiterin Kundenbegleitung & Cleaning bei SBB Personenverkehr. Sie zeigte ein offenes Ohr.

Druck aufs Zugpersonal entsteht zum Beispiel, wenn Kund:innen mangels Sitzplätzen in die erste Klasse wollen. Oder wenn am Gotthard Passagiere aus Sicherheitsgründen auf dem Perron bleiben müssen. Das gibt es bei der RhB auch an der Bernina. Im letzten Dezember mussten in Tirano einmal gar Polizei und Feuerwehr ausrücken, um Hunderte von Tagestourist:innen, die nach St. Moritz wollten, im Zaum zu halten. Inzwischen hat die RhB ein Schleusenkonzept, hat mehr Kundenlenker:innen angestellt und lässt mehr Extrazüge fahren, was die Situation etwas entschärft hat, wie der ZPV-Koordinator RhB Thomas Weibel an der DV berichtete.

Velo- und Trottinette-Chaos

Gegenüber früher muss das Zugpersonal auch mehr Informationen lesen. Und neben den Velos sind Trottinette zunehmend ein Problem im Pendlerverkehr, denn ihre Mitnahme ist bisher gratis. In der Genfer S-Bahn belegen sie manchmal die ganze Plattform, sodass ein sicheres Ein- und Aussteigen kaum mehr möglich ist, erzählt ein Kollege. Zur Blockierung der Fluchtwege durch Gepäck und Gefährte sagt Zentralpräsident Ralph Kessler in seinem Standortreferat: «Man hat ab und zu den Eindruck, Crans-Montana hätte nie stattgefunden. Das Einhalten der Sicherheitsvorschriften wird in der Schweiz durch die Aufsichtsbehörde wesentlich lascher kontrolliert als in Deutschland, wo Verkehrsunternehmen gebüsst werden.» Auch hat er in 40 Jahren noch nie eine Totalsperrung einer Hauptlinie an Pfingsten erlebt, wie dieses Jahr zwischen Rupperswil und Lenzburg. «Da fragen wir uns schon, ob die Planer eigentlich wissen, welche Passagierzahlen an solchen Tagen befördert werden?» Er beklagt auch die gestiegene Gewalt gegen das Verkehrspersonal. Diese gipfelte im Februar im Tod eines deutschen Zugbegleiters durch eine Hirnblutung, verursacht durch einen Fahrgast.

«Ich lasse keine Velos mehr auf den Zug, wenn die Veloplätze voll sind», stellt ein Kollege klar. Eine Kollegin versteht nicht, warum Besitzer:innen eines GA-Familie bis 25 Jahre kein Velobillett benötigen und daher oft glauben, nicht reservieren zu müssen. Kurz: Das Zugpersonal wäre froh um klarere Regeln für Velos und Trottinette, die einfach durchzusetzen sind. Froh darüber wäre wohl auch die Leiterin KBC, Lea Meyer, kann diese aber nicht allein durchsetzen. Wohl auch, weil die SBB zufriedene Kund:innen will, die bereit sind, sie über Billette und Steuergelder zu finanzieren? Meyer sagt, man könne nicht alles bis ins letzte Detail reglementieren, es brauche auch gesunden Menschenverstand. Dabei könnten die Kundenbegleiter:innen auf die volle Unterstützung der Leitung zählen. Sie erwartet aber eine konsequente, faire Umsetzung der geltenden Regeln im Zug, Kulanz ist im Nachgang durch das Servicecenter Einnahmen möglich.

Gastgeber:innen auf dem Zug

Die Rolle der Kundenbegleiter:innen definiert Meyer als «Gastgeber:innen auf dem Zug, wie Hoteliers». Dem widerspricht niemand. «Doch das Wohlbefinden des Personals ist auch wichtig», findet ein Kollege. Und nicht alle haben Vertrauen in die Vorgesetzten. Viele sind misstrauisch gegenüber dem laufenden Pilotprojekt für die Auswertung der ausgestellten Formulare für «Fahren ohne gültigen Fahrausweis» und der verkauften Fahrkarten auf den Verkaufsgeräten des Zugpersonals. «Wir brauchen nicht mehr Kontrolle und Druck von oben, sondern jetzt mal Ruhe und Unterstützung», sagt Vizezentralpräsident Massimo Brigatti. «Wir sind Hoteliers auf dem Zug, aber allein, wenn wir an Weihnachten um vier Uhr früh zur Arbeit gehen müssen.» Bei der Erhebung gehe es nicht um die einzelnen Mitarbeiter:innen, sondern um Zahlentransparenz, antwortet Lea Meyer. «Ihr macht euren Job gut, wir vertrauen euch.» «Die Zahlen dürfen aber nicht für einen Benchmark zwischen Kolleg:innen missbraucht werden», fordert ein Kollege.

Lea Meyer anerkennt, dass die Kundenbegleiter:innen «in letzter Zeit viel Neues stemmen mussten». Und sie macht sich Sorgen über die Zunahme der Krankheitstage. Zur Gewaltprävention trage die am 28. Mai unterzeichnete Vereinbarung zur Doppelbegleitung bei. «Wir wollen, dass ihr abends ab 22 Uhr immer zu zweit unterwegs seid und auf kritischen Zügen auch tagsüber, aber wir werden es nicht immer schaffen.» Sie setzt auch auf Videokameras in Zügen und auf das (freiwillige) Tragen von Bodycams, was aber heute in der Schweiz erst bei Polizeikräften zulässig ist und noch nicht bei der Kundenbegleitung. Sie dankt für das Ja zu der neuen BAR und bittet um Verständnis, dass sich gewisse Neuerungen wie Ferieneingaben und Rotationen erst einspielen müssen.

Gewerkschaftssekretär René Zürcher informiert unter anderem, dass ab diesem Sommer im Wallis eine erhöhte Transportpolizei-Präsenz geplant ist und später ein eigentlicher Stützpunkt. Die GL ZPV verweist bezüglich Nichterreichbarkeit in der Freizeit auf den GAV SBB, der dieses Recht ganz klar festhält. Die ZPV-Rechnung 2025 schloss mit einem Überschuss ab, der für das 150-Jahr-Fest des ZPV im Jahr 2035 auf die Seite gelegt wird.

Markus Fischer

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