SEV-Delegiertenversammlung
Eine Premiere in der Geschichte des SEV
Am 11. Juni 2026 findet im Musée Olympique in Lausanne die erste SEV-Delegiertenversammlung statt. Das ist das neue demokratische Organ mit 124 Delegierten, das in den kongressfreien Jahren tagt. Christina Jäggi, Organisationssekretärin des SEV ist verantwortlich für die Planung und Durchführung. Ein Interview.

Warum gibt es dieses neue Organ – reicht der Kongress alle vier Jahre nicht?
Christina Jäggi: Am Kongress 2022 haben die Delegierten beschlossen den Kongressrhythmus zu ändern, von bisher alle zwei Jahre neu auf alle vier Jahre. Damit grundlegende Beschlüsse weiterhin zeitnah gefällt werden können und das demokratische Mitbestimmungsrecht unserer Mitglieder nicht eingeschränkt wird, macht es Sinn, eine Art «Mini-Kongress» durchzuführen.
Mini-Kongress?
Die DV übernimmt tatsächlich gewisse Aufgaben, die normalerweise dem Kongress obliegen. Zum Beispiel werden Anträge von Mitgliedern behandelt. Die DV kann gewisse Reglemente erlassen oder ändern. Ausserdem kann sie Vakanzen interimistisch besetzen bis zum nächsten Kongress. Der Umfang der DV ist aber wesentlich kleiner als der Kongress.
Welche Art von Vakanzen kann die DV besetzen? Und was für Anträge stehen auf dem Programm?
Grundsätzlich sind es Vakanzen im Präsidium des SEV-Vorstands, in der Geschäftsleitung und in der SEV-Geschäftsprüfungskommission. So findet dieses Jahr eine Ersatzwahl in die GPK statt.
Insgesamt sind neun Anträge fristgerecht eingereicht worden. Die Themen sind sehr breit. Da geht es zum Beispiel um den Mindesteinstiegslohn in der Branche Bus, um den Umgang mit künstlicher Intelligenz oder darum, den Druck der Gewerkschaft auf die Arbeitgeberseite zu erhöhen.
Gibt es auch Aufgaben der DV, die sich von den Kongressaufgaben unterscheiden?
Ja, ein gutes Beispiel ist die Lancierung von gewerkschaftlichen Kampagnen. Das Schwerpunktthema der diesjährigen DV ist Arbeits- und Gesundheitsschutz. Dazu gibt es auch einen entsprechenden Antrag. Für den SEV ist klar, dass der Gesundheitsschutz eines der wichtigsten Themen seiner Mitglieder ist. Wir nehmen die DV deshalb zum Anlass, eine grössere Kampagne für einen besseren Gesundheitsschutz in der ÖV-Branche zu diskutieren und anschliessend zu lancieren. Weiter wird eine Kampagne zum feministischen Streik 2027 gestartet. Dazu hat die Frauenkommission des SEV die Resolution «Auf zum feministischen Streik 2027 – Für Gleichstellung, Respekt und Wertschätzung der Carearbeit» eingereicht.
Das ist ja das erste Mal, dass der SEV eine solche DV organisiert. Hast du schlaflose Nächte?
Christina Jäggi (lacht): Aufgrund meiner Erfahrungen mit der Organisation der Kongresse schlafe ich relativ ruhig. Ich freue mich auf den Anlass und bin gespannt auf spannende Diskussionen. Trotzdem habe ich einen gewissen und nötigen Respekt: Wenn man etwas zum ersten Mal plant und organisiert, gehört eine gewisse Anspannung dazu.
Michael Spahr
Hast du einen Kommentar oder eine Frage zum Artikel? Schicke eine Mail an den/die Autor:in oder an