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Securitrans: Sparen beim GAV? Nein danke!

Securitrans will den 2012 letztmals verhandelten GAV per 1. Januar 2020 neu aushandeln und verschlechtern, um «wettbewerbsfähiger zu werden». Die rund 30 Teilnehmenden an der Branchenversammlung Securitrans des SEV-Unterverbands AS vom 9. Februar in Zürich waren sich einig, dass ihre Anstellungs- und Arbeitsbedingungen nicht schlechter werden dürfen.

«Diese GAV-Verhandlungen werden nicht einfach, denn die Geschäftsleitung verfolgt damit ausdrücklich das Ziel, den Personalaufwand zu reduzieren», erklärte SEV-Gewerkschaftssekretär Stefan Marti den versammelten Kolleg/innen. Er betreut seit Anfang Jahr als Nachfolger von Gewerkschaftssekretärin Lucie Waser das Securitrans-Personal. Bei seinem Antrittsbesuch bei Securitrans-CEO Désirée Baer und HR-Leiter Andreas Feuz Ende Januar wurde Marti gleich mit der Forderung nach tieferen Personalkosten konfrontiert. Sonst sei Securitrans gegenüber der Konkurrenz nicht mehr wettbewerbsfähig, besonders im Bereich Objektschutz (Überwachung von Immobilien). Dort bezahlten Firmen wie Protectas, Delta oder Securitas tiefere Löhne, sagte die Securitrans-Spitze und verwies auf den GAV für den Bereich der privaten Sicherheitsdienstleistungen, den die Unia mit dem Verband Schweizerischer Sicherheitsdienstleistungs-Unternehmen (VSSU) abgeschlossen hat. Dieser GAV enthalte Mindestlöhne, die deutlich unter jenen von Securitrans lägen. Aber auch im Bereich Baustellensicherheit arbeite die Konkurrenz günstiger, weshalb auch hier in den kommenden Monaten Aufträge gefährdet seien.

Dichtung und Wahrheit

«Gleisbaufirmen wie Sersa bezahlen vergleichbare Löhne», wandte ein Kollege ein. «Das Problem sind Firmen, die keine Zulagen bezahlen. Aber unsere Löhne und Zulagen sind schon jetzt wesentlich tiefer als bei der SBB.»

«Unsere Kunden wissen, was sie an uns haben», meinte ein zweiter Redner. «2018 haben wir auf den Baustellen in der Ostschweiz Hunderte von Überstunden geleistet. Trotzdem will Securitrans nicht mehr Leute anstellen, sondern uns lieber Überstunden auszahlen.»

Auch beim Objektschutz sei Securitrans nach wie vor wettbewerbsfähig, ja habe in letzter Zeit sogar Aufträge gewonnen dank guter Arbeitsqualität, fügte ein dritter Kollege bei. «Gute Arbeit bekommt man nur für gute Bezahlung!» hielt AS-Zentralpräsident Peter Käppler fest. «Die SBB, die 51% der Securitrans-Aktien hält (neben Securitas mit 49% Anteil), hat es in der Hand, ihrer Tochterfirma Aufträge zu geben, sei es auf Bau-stellen oder zur Überwachung ihrer Immobilien.»

Gutes Ergebnis und Dividenden

«Securitrans hat letztes Jahr einen Rekordumsatz erzielt», gab ein weiterer Kollege zu bedenken. «Dank dem guten Geschäftsgang hat der SEV ja auch bei den Lohnverhandlungen 500 Franken Prämie herausholen können. Zudem bezahlt das Unternehmen hohe Dividenden an SBB und Securitas aus. Uns aber will man künftig noch mehr ausquetschen.»

«Bei unseren obersten Chefs gäbe es bessere Möglichkeiten zum Sparen, zum Beispiel bei ihren teuren Kaffeemaschinen», schlug ein Teilnehmer vor. Kurz: Die Lohnsenkungsabsichten von Securitrans lösten an der Versammlung ziemliche Empörung aus.

Angstmache und Zahlenversteckspiel

«Übertriebene Forderungen jenseits der Realität bekommen wir bei vielen Unternehmungen zu hören», beruhigte Stefan Marti. «Das ist einfach Teil des Spiels bei Verhandlungen. Man schürt beim Personal bewusst Angst vor der angeblichen Konkurrenz und macht das Umfeld und den Markt schlechter, als sie sind. Verlässliche Zahlen aber will man nicht nennen, gerade wenn das Geschäft gut läuft. Solches Versteckspiel hat ebenfalls Tradition.» Absichtserklärungen zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit seien zudem ein Signal an die Politik, erklärte Marti – das heisst an die Gremien, welche die öV-Unternehmen kontrollieren und zumeist bürgerlich dominiert und sehr arbeitgeberfreundlich sind.

GAV-Konferenz gewählt

«Wir werden die Forderungen und Argumente des Unternehmens jedenfalls genau auf ihren Wahrheitsgehalt prüfen, die massgeblichen Zahlen verlangen und uns in gewohnter Manier für eure Löhne, Zulagen und Arbeitszeitregelungen stark machen», versprach Stefan Marti. Die Verhandlungsdelegation des SEV – bestehend aus Peter Käppler, Branchenpräsident Urs Lacher und Stefan Marti – werde sich ihr Mandat von der GAV-Konferenz geben lassen und laufend über den Verhandlungsstand informieren. Neun Kolleg/innen, die alle Berufsgruppen und Sprachregionen abdecken, stellten sich an der Branchenversammlung für die GAV-Konferenz zur Verfügung und wurden mit Applaus gewählt. Sie werden sich voraussichtlich im März erstmals treffen, um das Verhandlungsmandat zu definieren. Einen wertvollen Beitrag dazu lieferte die Umfrage bei den SEV-Mitgliedern von Securitrans. Auch werden die Mitglieder der GAV-Konferenz nun ihren Kolleg/innen laufend den Puls fühlen.

Markus Fischer

SEV braucht Mitglieder

Wenn wir in den Verhandlungen nicht zu einem Ergebnis kommen, das die GAV-Konferenz gutheissen kann, werden Kampfmassnahmen nötig», sagte AS-Zentralpräsident Peter Käppler. «Je mehr Mitglieder wir haben, desto stärker sind wir und desto weniger kann man uns einen schlechten GAV aufdrücken.» Zurzeit ist schon ein grosser Teil der rund 800 Mitarbeitenden von Securitrans gewerkschaftlich organisiert, über 96% davon beim SEV. Kolleg/innen von Securitrans, die ein Mitglied werben, erhalten nicht nur die SEV-Werbeprämie von 50 Franken, sondern (pro Werbung) ein Los zur Teilnahme am Wettbewerb, bei dem man eine Hotelübernachtung für Zwei in Brig, Reka-Checks für Ferien und SEV-Jubiläumswein gewinnen kann.

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