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SEV setzt den Kampf gegen Aggressionen fort

Halt der Gewalt im öffentlichen Verkehr!

Der Schutz des Personals vor Übergriffen jeglicher Art ist eine der Hauptaufgaben des SEV. Seit Jahren ist er politisch und gewerkschaftlich aktiv, um zusammen mit den Unternehmen und den Sicherheitsorganisationen die Integrität und Gesundheit sowohl des Personals als auch der Passagiere zu wahren. Mit der Neuauflage der Aggressions-Meldekarte macht der SEV nun einen nächsten Schritt.

Die Aggressions-Meldekarte ist ursprünglich eine Erfindung des damaligen Gatu, also der heutigen Branche Bus im VPT. Aber Aggressionen erleiden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des öffentlichen Verkehrs überall, wo sie sich zeigen. «Die Gewaltbereitschaft steigt; gesellschaftliche Entwicklungen machen nicht Halt vor Zugtüren und Bahnhöfen», schreibt die SBB in ihrem soeben erschienen Jahresbericht.
Ob Busfahrer, Zugbegleiterin, Verkäufer am Schalter oder Lokführerin: Sie alle erleben tagtäglich Übergriffe; die meisten davon verbal, also in Form von Beschimpfungen und Bedrohungen, immer wieder aber auch körperlich, vom Bespucken über Fusstritte bis hin zu Faustschlägen und Messerattacken.
Meldungen schaffen Übersicht
Nun haben sich alle betroffenen Unterverbände des SEV zusammengetan, um die Aggressions-Meldekarte auf eine breitere Basis zu stellen. Der SEV setzt sich damit zum Ziel, erstmals einen gesamtschweizerischen Überblick zu verschaffen.

Was tun bei einer Aggression?

  • Ruhe bewahren, persönliche Gesundheit sichern
  • Kollegen/innen bzw. Vorgesetzte/n  informieren, sich ablösen lassen, falls nötig
  • Meldung ans Unternehmen gemäss den internen Weisungen (SBB: ESI-Meldung)
  • Meldung an Polizei, falls das Unternehmen sie nicht automatisch macht
  • Meldekarte an SEV schicken
  • Falls nötig: Rechtsschutz beim SEV beantragen
Zwar gibt es Zahlen der einzelnen Unternehmen, diese sind aber nicht alle nach gleichen Kriterien erhoben, und die Kriminalstatistik des Bundes unterscheidet nicht zwischen Verkehrspersonal und anderen öffentlichen Diensten. Vor allem aber soll die Meldekarte des SEV eine Stufe tiefer gehen: Mit dieser Karte sollen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des öffentlichen Verkehrs aufgerufen werden, aktiv für eine Nulltoleranz einzustehen. «Das Personal soll eine Beschimpfung nicht als alltägliche Nebenerscheinung einfach hinnehmen», betont SEV-Vizepräsidentin Barbara Spalinger, die für den Rechtsschutz zuständig ist. «Auch was für eine Strafverfolgung nicht ausreicht, soll mit dieser Karte gemeldet und angeprangert werden!»
Diese Karte ersetzt denn auch nicht die Meldungen ans Unternehmen und an die Polizei. Wo die Unternehmen ein eigenes Meldesystem aufgebaut haben (wie ESI bei der SBB), muss auch dort unbedingt jeder Vorfall gemeldet werden, damit eine lückenlose Erhebung möglich ist.
Zwingende Strafverfolgung
Wichtig ist auch, dass sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Gesetzesbestimmung bewusst sind, die alle Aggressionen gegen sie als Offizialdelikt festlegt: «Nach dem Strafgesetzbuch strafbare Handlungen werden von Amtes wegen verfolgt, wenn sie gegen Angestellte des öffentlichen Verkehrs während deren Dienstausübung begangen werden.» So steht es in Artikel 59 des Personenbeförderungsgesetzes und in Artikel 88 des Eisenbahngesetzes, womit klar ist, dass die Untersuchungsbehörde aktiv werden muss, wenn sie von einem Vorfall erfährt.
Die Aggressions-Meldekarte des SEV gibt den Betroffenen einen kleinen zusätzlichen Aufwand; langfristig wird sich dies lohnen, da der SEV mit diesen Informationen gezielt gegenüber den Unternehmen, den Behörden und der Politik auftreten kann. «Wir wehren uns gegen jegliche Verharmlosung dieses Problems, das für unsere Mitglieder absolut zentral ist», betont Barbara Spalinger.
Hiermit erhält nun jedes SEV-Mitglied eine Meldekarte – in der Hoffnung, sie nie benützen zu müssen. Die Realität ist leider eine andere: In den gefährdeten Berufen wird manch einem diese eine Karte nicht genügen. Wer sie also abschicken musste, kann bei seiner Sektion oder auch bei den SEV-Sekretariaten eine neue Karte beziehen – und wieder hoffen, sie nicht mehr zu gebrauchen!  Peter Moor

Vier Fragen an die beteiligten Zentralpräsidentin/en

Wer ist in deinem Unterverband am häufigsten von Aggressionen betroffen?

Andreas Menet, ZPV: Das gesamte Zugpersonal ist täglich mit Aggressionen aller Art konfrontiert. Die meisten Vorkommnisse passieren in der Romandie und im Gebiet des Zürcher Verkehrsverbundes.

Gilbert D'Alessandro, VPT: Im VPT hat es ganz verschiedene Leute. Die einzigen, die nicht von Angriffen betroffen sind, dürften die Rentner sein ... In den anderen Branchen gibt es Gewalt. Aber die Billettkontrolleure sind am stärksten exponiert, neben den Bus- und Tramführern der städtischen und regionalen Betriebe. Nicht zu unterschätzen: das Stationspersonal, das häufig verbal angegriffen wird, zumal es meist hinter Glas arbeitet. Etwas weniger Angriffe gibt es wohl auf den Schiffen und im Tourismus. Aber in der heutigen Gesellschaft ist nichts ausgeschlossen!

Elisabeth Jacchini, SBV: Ganz besonders das Schalterpersonal, teilweise auch Zugverkehrsleiter/innen auf kleinen Bahnhöfen in Spättouren durch betrunkene, randalierende Jugendliche und – gottlob nicht oft – durch Überfälle, weil sie noch Verkauf ausüben.

Urs Mächler, LPV: Die S-Bahn-Lokführer beim Räumen von Zügen bei Zugsende oder in Wendebahnhöfen!


Welche Art von Aggressionen stehen im Vordergrund?

AM: Verbale Beleidigungen kommen sicherlich am meisten vor. Aber auch Drohungen und Belästigungen sind in der Anzahl gestiegen. Physische Aggressionen wie Tätlichkeiten kommen leider auch immer wieder vor. Das neuste Phänomen ist Bespucken.

GA: Da mache ich keinen Unterschied! Es tut im Innern genau gleich weh, ob man Beschimpfungen oder Schläge bekommt. Worte wie Schläge können die Gesundheit der Kollegen/innen stark belasten.

EJ: Todesdrohung (es gibt ein hängiges Gerichtsverfahren, wo der Angreifer den Spiess umgedreht hat und auf Rassismus geklagt hat). Schimpftiraden, Schimpfwörter, Anbrüllen im Verkauf. Einzelne Raubüberfälle.

UM: Oft verbale Anpöbelungen; es kann aber, wenn jemand geweckt werden muss, auch zu körperlichen Angriffen kommen.


Was versprichst du dir von der Aggressionskarte des SEV?

AM: Ich verspreche mir, dass die Statistiken in unserm Sinne geführt werden. Die Zahlen der SBB sind zwar nicht falsch, aber werden nur aufgrund ihres offiziellen Meldekanals ESI erfasst und gewertet. Mit der Karte besteht die Chance, dass auch die kleineren Vergehen erfasst werden.

GA: Dass es auf gesamtschweizerischem Niveau eine Kartografie der Gewalt gibt. So kann der SEV bei den Unternehmen intervenieren, besonders dort, wo die Firma nichts oder zu wenig unternimmt, um die Gewalt einzudämmen.

EJ: Die Sensibilisierung von Kundschaft und Mitarbeitenden. Die Anerkennung, dass dieses Problem existiert und damit eine Stärkung der Betroffenen. (Aber die Angreifer wird es leider nicht abhalten …)

UM: Mehr Rückmeldungen, sodass man dann angemessen reagieren kann.


Was macht ihr im Unterverband zusätzlich im Kampf gegen Aggressionen?

AM: Wir haben mit Politikern Kontakt aufgenommen. Diese sollen die Politik vermehrt in die Verantwortung nehmen. Weiter werden wir mit der SBB einen Verhaltenskodex ausarbeiten, der die bereits getroffenen Massnahmen noch verstärken soll. Der ZPV führt eine eigene Liste über Aggressionen. Wir suchen zudem den regelmässigen Kontakt zur Transportpolizei.

GA: Wir verbreiten die Karte. Das ist ein Thema durch alle unsere Branchen. Wir ermuntern die Sektionen zur Schaffung paritätischer Kommissionen unter Einbezug des zuständigen Gewerkschaftssekretärs. Sie sollen auf die Bestimmungen des PBG hinweisen und verlangen, dass diese angewandt werden. Weiter arbeiten wir an der Verteilung des Klebers in allen Fahrzeugen und Schiffen.

EJ: Wir haben vor zwei Jahren eine breite Umfrage beim Verkaufspersonal durchgeführt und die Resultate publiziert. Das hat Gespräche mit P-VS ausgelöst und mitgeholfen, dass das Thema offengelegt wurde; nun kön- nen alle Mitarbeitenden einen Kurs besuchen, wie man sich gegenüber renitenten Kund/innen verhalten soll. Zudem: Prävention.

UM: Im Moment noch nichts Konkretes, wir sind aber mit der SBB in Kontakt. Das Lokpersonal wird zur Zurückhaltung aufgefordert im Rahmen des Selbstschutzes!

Kommentare

  • marochin

    marochin25/04/2014 16:21:08

    Je me suis fait agressée plusieurs fois dans les transports en commun et je trouve que cela va de pire en pire. De ce fait nous ne faisons plus de sortie sur Paris car trop risqué dans les transports et très dur de ce garer en voiture. Que l'on rende l’accès difficile pour les voitures pourquoi pas mais qu'il y est des patrouille à chaque départ de trains, il faut être cohérent. Je parle également pour les touristes qui ont une bien piètre image de la France de ce fait.

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