René Zürcher antwortet
Wir wollen keine Geisterbahnhöfe
Wegen sinkender Billettverkäufe an den Schaltern will die SBB ab dem 1. Januar dreizehn Reisezentren in verschiedenen Regionen schliessen. Diese werden auf Selbstbedienung umgestellt. Auch wenn es keine Entlassungen gibt: Was hält der SEV davon?

Zwar kaufen die Reisenden ihre Billette immer weniger an den Schaltern und das Personal dort widmet sich vermehrt der Beratung und dem Kundendienst statt dem Fahrausweisverkauf. Ist das aber Grund genug, die Verkaufsstellen abzubauen und die Bahnhöfe weiter zu entmenschlichen? Wir denken nicht.
Was die App nicht ersetzen kann, ist die persönliche Beratung: bei komplexen Verbindungen, für ausländische Reisende, ältere Menschen oder Touristinnen und Touristen, die weit mehr als ein Billett suchen. Das Schalterpersonal ist eines der Gesichter der SBB. Diese Verbindung zur Kundschaft zu kappen bedeutet, den Service public zu schwächen und die Bahnhöfe in Geisterbahnhöfe zu verwandeln.
Den Mechanismus kennen wir: Einerseits werden die Öffnungszeiten reduziert, andererseits werden die Reisenden dazu angehalten, zu lernen, ohne Schalter auszukommen – auch am Schalter. Folglich kommen weniger Kund:innen an die Schalter, und dies dient als Rechtfertigung für die Schliessung. Das ist ein Teufelskreis, bei dem von einer neutralen Entscheidung keine Rede sein kann. Die Zahl der SBB-Verkaufsstellen ist zwischen 2005 und 2027 von 262 auf 102 gesunken: –62 %!
Entlassungen gibt es zwar keine, aber die gestrichenen Stellen werden beispielsweise bei Pensionierungen nicht neu besetzt. Es sind also sehr wohl Arbeitsplätze, die schrittweise und stillschweigend verschwinden.
René Zürcher ist SEV-Gewerkschaftssekretär und für den Personenverkehr SBB zuständig. Hast du Fragen an ihn oder an den SEV? Schreib uns an .