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SBB/SBB Cargo

«Uns stehen anspruchsvolle Verhandlungen bevor»

Noch ohne Maske vor der Coronakrise: Barbara Spalinger im Gespräch mit einem SBB-Mitarbeiter am SEV-Werbetag in Basel vom 9. September 2019.

Neues Lohnsystem, Unsicherheiten bei SBB Cargo, Klärungsbedarf beim Corona-Zeitausgleich: In den nächsten Monaten warten einige Herausforderungen auf den SEV. Vizepräsidentin Barbara Spalinger über den aktuellen Stand der Dinge bei der SBB.

Im Juli hat der SEV die Angestellten der SBB sowie SBB Cargo aufgefordert, sich zu melden, wenn sie mit dem Zeitausgleich nach dem Corona-Lockdown nicht einverstanden sind. Gab es viele solcher Fälle?

Wir haben etwa 70 Meldungen erhalten und triagieren diese nun nach Art des Problems und Bereich. Angesichts der Grösse des Unternehmens ist also nicht dramatisch viel falsch gelaufen. Aber in einigen Fällen sind klar Fehler gemacht worden und diese müssen bereinigt werden. Vor allem bei Teilzeitmitarbeitern scheint es grössere Unklarheiten gegeben zu haben.

Wie geht es nun mit diesen Fällen weiter?

Die Betroffenen werden demnächst von uns kontaktiert. Zudem werden wir einen Termin mit der SBB vereinbaren und die nicht korrekt gehandhabten Fälle nochmals anschauen und allenfalls auch kollektiv regeln, sofern eine grosse Zahl ähnlicher Fälle vorliegt. Und bei SBB Cargo steht ein Grundsatzgespräch an, da wir ja bereits im Juli feststellen mussten, dass sie den Zeitausgleich abweichend vom Konzern regeln – und zwar zulasten der Mitarbeitenden. Das war nie so abgemacht, wir haben immer über konzernweit einheitliche Lösungen diskutiert. Damit verstösst SBB Cargo gegen Treu und Glauben und wir brauchen umgehend Verhandlungen dazu.

Am 19. August fand ein erster Austausch zum neuen Lohnsystem bei der SBB statt. Was kannst du uns darüber sagen?

Wir haben bei diesem Treffen die konkreten Vorstellungen der SBB zur Weiterentwicklung des Lohnsystems präsentiert bekommen. Darüber hinaus hat die SBB den Wunsch geäussert, die anstehenden Verhandlungen zum neuen Lohnsystem mit personalrelevanten Sparmassnahmen zu verknüpfen. Während wir zugesichert haben, auf die Weiterentwicklung des Lohnsystems einzutreten, haben wir dies bei den Sparmassnahmen noch nicht entschieden. Dies wird anlässlich der GAV-Konferenz vom 27. August passieren, die uns dann auch das Verhandlungsmandat erteilen muss. Eine ziemlich anspruchsvolle Aufgabe.

In welcher Hinsicht anspruchsvoll?

Die Ausgangslage Ende 2018, als wir einer Weiterentwicklung des Lohnsystems zustimmten, war eine andere, als sie heute ist. In der Zwischenzeit ist auch die Sanierung des Vorruhestandsmodells Valida mit diesen Verhandlungen verknüpft worden und nun kommen auch noch Sparmassnahmen dazu. Das alles in einer Zeit, in der wir weder bezüglich SBB Cargo noch bezüglich der allgemeinen Entwicklung im Kontext der Coronakrise Klarheit haben. Die SBB verhält sich im Moment etwas schwierig, indem sie alle Anliegen voneinander abhängig machen will, was rasch zu einer unübersichtlichen Lage führt. Ob dies sinnvoll ist in einer Zeit, in der Stabilität nötiger wäre denn je, bezweifle ich.

Elisa Lanthaler

 

So geht es bei SBB Cargo weiter

SBB Cargo befindet sich aktuell im Umbau, da sie nicht mehr als Division der SBB geführt, sondern zur Tochtergesellschaft wird. Nachdem nun längere Zeit zusehends Unklarheiten bestanden, sind an einem Spitzentreffen zwischen SEV und SBB Cargo am 24. August ein paar offene Fragen beantwortet worden.

So wird sich SBB Cargo nicht an der Weiterentwicklung des Lohnsystems beteiligen. Stattdessen hat sie angekündigt, nächstes Jahr mit dem SEV in eigene GAV-Verhandlungen eintreten zu wollen. «SBB Cargo befindet sich aktuell finanziell massiv unter Druck, durch Corona hat sich dies noch verstärkt», erläutert Barbara Spalinger. Cargo wolle darum in einigen Punkten Abweichungen vom bestehenden GAV. «Die Stichworte Sparmassnahmen, Kostensenkungen sowie Flexibilisierung sind gefallen, da die vom Güterverkehrsgesetz vorgeschriebene Eigenwirtschaftlichkeit umgesetzt werden muss», so Barbara Spalinger.

Mehr wird SBB Cargo erst gegen Ende Jahr sagen können. Sicher ist, dass dies für den SEV keine normale Verhandlung wird, sondern auf mehreren Ebenen eine gröbere Herausforderung bedeutet.

Kommentare

  • peter nef

    peter nef02/09/2020 15:20:06

    Hallo. Ein grosses Danke erstmal an Euch für Euren Einsatz!
    Zu den Verhandlungen: Wenn das SBB-Management von Weiterentwickung des Lohnsystems spricht, klingt das nicht vertrauenserweckend. Wenn diese Leute grossspurig verkünden, sie würden auf 15% der Boni verzichten, behaupte ich, dass es einer Firma immer noch gut geht, wenn sie Boni ausschütten kann.
    Und was ist mit der halben Milliarde CHF Gewinn vom letzten Jahr? Wurden denn keine Reserven gebildet?
    Sparen könnte das Management bei sinnlosen Projekten und dem Administrativ-Personalbestand
    in Wankdorf!
    Der SEV sollte dem Kader das Sparpotenzial aufzeigen. Ich wünsche mir einen fordernden und starken SEV.
    Das Personal sollte nicht für Fehlentscheide und Unfähigkeit dieser Leute bezahlen müssen.

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