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Swiss-Flotte weitgehend stillgelegt

Flugverkehr: Jobs und Kaufkraft sichern

Wegen der Coronakrise bleiben zurzeit viele Flugzeuge am Boden, die Swiss schreibt hohe Verluste. «Jetzt muss der Bund mit Finanzhilfe den Tatbeweis erbringen, dass er sich der Bedeutung der Swiss für die Volkswirtschaft bewusst ist», fordert SEV-Gewerkschaftssekretär Philipp Hadorn, Präsident SEV-GATA, der Branche Luftfahrt des SEV. «In der aktuellen Krise zum Beispiel repatriiert die Swiss im Ausland Gestrandete und transportiert medizinische Güter. Beim Swissair-Grounding im Oktober 2001 machte die Schweiz mit ihrer Hilfe beim Aufbau der Swissair-Nachfolgerin klar, dass die Luftfahrt ‹systemrelevant› ist. Natürlich ist die Finanzhilfe an klare Bedingungen zu knüpfen.»

Hadorn präzisiert: Die Swiss ist vor einem Mittelabfluss zum Mutterkonzern zu schützen. Sie muss sich mit Jobgarantien das Knowhow des Personals über die Krise sichern, um den Flugbetrieb wieder hochfahren zu können, und die Kaufkraft des Personals erhalten. «Nach ihrem ausgezeichneten Erfolg im 2019 kann und muss die Swiss dem Bodenpersonal während der ganzen Kurzarbeit den vollen Lohn garantieren – sprich die von der Arbeitslosenkasse bezahlten 80% des Lohns um die fehlenden 20% ergänzen. Das Swiss-Bodenpersonal hat mit seiner Zustimmung zu Modalitäten zur Bewältigung dieser Krise und zur Verlängerung des – verbesserungswürdigen – GAV bis Ende 2021 schon erhebliche Opfer gebracht, ganz zu schweigen von den Konzessionen in früheren Krisen.»

Der SEV ist froh, dass der Swiss die Kurzarbeit umgehend bewilligt wurde, und er hofft nun auf eine rasche Freigabe der notwendigen Finanzhilfe unter den genannten Auflagen.

Schwierige Situation auch für das Bodenpersonal

Wenn Flugzeuge nicht fliegen, fallen Arbeiten des Bodenpersonals weg. In Zürich-Kloten besorgt z.B. Swissport das Ein- und Ausladen von Gepäck und Fracht, das Check-in und Boarding der Passagiere usw. Von ihren ca. 3000 Angestellten in Zürich arbeiten heute nur noch wenige. Im März fiel die Swissport-Produktion auf 25% des ursprünglich Geplanten, im April werden es noch rund 5% sein, wie SRF in «Schweiz aktuell» berichtete. Kurzarbeit wurde Swissport ab 12. März bewilligt. Da die Arbeitslosenkasse nur 80% des Lohns bezahlt, fordert SEV-GATA von Swissport, die fehlenden 20% zu ergänzen, was die Leitung bisher nicht zusichern wollte. Ab 9. März bezogene Überzeiten werden in Kurzarbeit umgewandelt, ebenso unbezahlte Urlaube im April und Mai, zu denen sich Mitarbeitende nach einem Swissport-Aufruf bereit erklärten. Gute Neuigkeiten gibt es hingegen für die Mitarbeitenden im Stundenlohn: Endlich hat das Amt für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Zürich bestätigt, dass auch sie Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung haben. Die Grundlage der Berechnung ab April 2020 bilden die durchschnittlich gearbeiteten Stunden im 2019. Regula Bieri, Gewerkschaftssekretärin SEV: «Der überfällige Entscheid ist eine grosse Erleichterung für viele Mitarbeitende von Swissport. Für die Zukunft muss sichergestellt werden, dass der Anspruch so oder so sichergestellt ist.» Gewerkschaftssekretär Pablo Guarino, der das Bodenpersonal in Genf betreut, fordert, dass für Aushilfen die Zahl der Stunden pro Monat vertraglich festgelegt wird, um ihre prekäre Situation zu verbessern.

Von der Reinigungsfirma ISS erwirkte SEV-GATA in Genf, dass sie die Kurzarbeitsentschädigung im März auf den vollen Lohn ergänzt. In Zürich ist SEV-GATA nicht Sozialpartner von ISS.

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