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GAV SBB / SBB Cargo

GAV SBB / SBB CargoSEV hält an roten Linien fest

Am 18. April beauftragten die GAV-Delegierten des SEV in Bern die Verhandlungsdelegation, gegenüber den sechs inakzeptabelsten Forderungen der SBB-Führung hart zu bleiben. Und stellten klar, dass die SBB nicht nur nehmen kann, sondern auch geben muss, wie bei den bisherigen GAVs. Eine blosse Sparübung auf Kosten des Personals wird die GAV-Konferenz nie akzeptieren. Und wenn das Personal Opfer bringen muss, dann muss die Konzernleitung selber mit gutem Beispiel vorangehen. Unter dem Motto «Mein GAV ist mir nicht Wurst!» setzte der SEV derweil die Sensibilisierung des SBB-Personals fort.

Im Mittelpunkt der GAV-Konferenz standen jene sechs der über 20 Forderungen der SBB-Führung, die die SEV-Verhandlungsdelegation bisher im Auftrag der GAV-Konferenz als nicht verhandelbar zurückwies. Diskutiert wurde die Frage, ob es beim einen oder andern dieser Themen Spielraum gäbe, um die Verhandlungen zu deblockieren:

1.Schwächung des Kündigungsschutzes: Kommt für die Delegierten keinesfalls infrage angesichts des laufenden Stellenabbaus mit dem Sparprogramm «Railfit 20/30» und der von SBB Cargo geplanten Streichung von 800 Stellen.

2.Aufhebung der Lohngarantien zum Lohnsystem Toco, die 2011 eingeführt wurden (im Gegenzug zur von der Führung verlangten Abwertung handwerklicher Berufe): Deren Beibehaltung ist für die GAV-Konferenz eine Frage von Treu und Glauben. Leider wollte die SBB-Führung bisher nicht genau sagen, wie viele Mitarbeitende heute noch betroffen sind und was die jährlichen Kosten sind. Jedenfalls sinken diese Zahlen mit jeder Pensionierung. Delegierte merkten an, dass diese Forderung der Beteuerung der Führung widerspricht, sie wolle dem Personal ja gar nicht ans Portemonnaie. Dasselbe gilt auch für die SBB-Forderungen 5 und 6.

3.Aufhebung der Zusatzferienwoche für Mitarbeitende ab 60 Jahren: Auch hier geht es um Treu und Glauben, war diese Ferienwoche doch vor einigen Jahren die Gegenleistung der SBB-Führung für die Erhöhung der wöchentlichen Arbeitszeit, wie Delegierte in Erinnerung riefen. Doch was damals als Fortschritt beim Gesundheitsschutz galt, weil man mit zunehmendem Alter bekanntlich mehr Erholungszeit braucht, tut die heutige SBB-Führung als ungerechtes Privileg, Komplikation für die Ferienplanung und negativen Kostenfaktor ab. Obwohl damit auch Gesundheitskosten vermieden werden. Doch für die heutige Führung ist Gesundheitsschutz offenbar nur noch ein Lippenbekenntnis, ausser wenn es um die eigene Auszeit geht, wie ein Redner meinte (siehe auch Forderung 5). Hier nachzugeben war kein Thema.

4.Streichung der Garantie von 115 arbeitsfreien Tagen pro Jahr: Die SBB-Führung will bei allen Mitarbeitenden unter dieses bisherige Minimum gehen können–auch dort, wo dies für effizientes Arbeiten gar nicht nötig wäre. «Darum wäre eine solche Generalvollmacht im GAV unverhältnismässig», erklärte SEV-Vizepräsidentin Barbara Spalinger. «Wir können leider nicht darauf vertrauen, dass die SBB-Führung sie verhältnismässig anwenden würde, darum müssen wir mauern!» In der Tat machen es sich manche Vorgesetzte zu einfach, fordern vom Personal Flexibilität und Agilität, statt besser zu planen, wie weitere Redner festhielten. «Wo man Prozesse oder Strukturen verbessern kann, soll man das tun. Doch immer mehr Führungskräfte sind dazu gar nicht fähig, gerade Quereinsteiger. Viele Probleme sind Führungsprobleme. Diese einfach auf Kosten des Personals zu lösen geht nicht!»

5.«Vereinfachung» der Treueprämien: Konkret will die SBB diese nur noch in Geld gewähren, also die Möglichkeit zum Zeitbezug abschaffen. Zudem will sie neu Pauschalbeträge für alle, ohne Bezug zum individuellen Jahreslohn. Und sie will die Prämien seltener gewähren. Mehr noch als die verlangte Reduktion des Geldbetrags–«die Führung will uns nicht ans Portemonnaie?!»–gab die Abschaffung des Zeitbezugs zu reden: «Der Zeitbezug wird infrage gestellt von Leuten, die Sabbaticals geniessen!»–«Die Konzernleitung predigt Wasser und geniesst Wein!»–«Das ist eine Zweiklassengesellschaft. Ich brauche auch meine Auszeit!»

6.Abschaffung der Regionalzulage: Dies wäre für die Betroffenen ein inakzeptabler Lohnabbau. Die jetzige Lösung wird insgesamt als gerecht empfunden. Die Liste mit den zulageberechtigten Gemeinden soll überprüft und erweitert werden.

Kurz: Die GAV-Konferenz hält an der Rückweisung der sechs Forderungen fest. Erst wenn die SBB davon ablässt, sind echte Verhandlungen möglich. «Falls es zum Unterbruch kommt, muss die Mitgliedschaft zeigen, dass sie sich wehren will», sagte SEV-Vizepräsident Manuel Avallone. Die Delegierten dokumentierten ihre Wehrbereitschaft durch Unterschreiben eines Protestbriefs an die SBB-Führung. Und stehen hinter den SEV-Forderungen: verbesserter Lohnaufstieg, vor allem für die Jungen; verbesserter Gesundheitsschutz, besonders im Zusammenhang mit der Digitalisierung, sowie bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben.

Markus Fischer

Kommentare

  • Häller Philippe

    Häller Philippe 26/04/2018 10:15:28

    Concernant le point 5, et plus précisément la possibilité de convertir la prime d'ancienneté en congés : si ma mémoire est bonne, il n'y a pas si longtemps, les CFF poussaient à prendre des congés au lieu de l'argent...

  • Wettstein Urs

    Wettstein Urs 26/04/2018 13:02:37

    115 Arbeitsfreie Tage
    Bei Mitarbeitenden in Touren sollte die Garantie von 115 Arbeitsfreie Tage weiterhin gelten. Sie werden ja von Vorgesetzten Dispatcher eingeteilt.
    Bei Mitarbeitenden unter Zeitautonomie die sich ihre Arbeitszeit selber ganz oder zum teil einteilen können, sieht das etwas anders aus. Da geschieht es aus Eigenverantwortung.

  • Franco Luca

    Franco Luca 30/04/2018 08:46:36

    Sia ben chiaro, non si tratta solo di principio o testardaggine da parte del SEV ed i suoi membri, qui sono in gioco i fondamenti stessi su cui si basa ed è nato il CCL. Un codice d'intenti comuni per il bene dell'Azienda e dei lavoratori, che sono l'anima e il corpo della più importante, funzionale e invidiata ditta di trasporti pubblici a livello nazionale e internazionale. Qui si vuole sacrificare, decapitandolo, il CCL sull'altare degli interessi minori che inequivocabilmente finiranno con il minare qualità e sicurezza. Smantellare il CCL significherebbe spianare al strada alle speculazioni e la storia insegna che le speculazioni portano ad avviare una spirale discendente. Proteggere il CCL non è dunque solo una protezione degli interessi dei singoli, ma è necessario per salvaguardare l'Azienda, la nostra Azienda FFS.

  • Fazis Werner

    Fazis Werner 01/05/2018 12:43:52

    Ich hoffe das der SEV in diesen sehr wichtigen Themen Stark bleibt und stärke weiterhin gegen die geplanten verschlechterungen des GAV´s zeigt bis eventuell zu einem Streik, ansonsten bin ich sehr entäuscht von meiner Gewerkschaft.

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