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GAV SBB/SBB Cargo: Ein deutliches Ja

85% Ja-Stimmen für den neuen GAV SBB/SBB Cargo! Das Votum der Delegierten der GAV-Konferenz vom 17. September ist eindeutig.

Nun fehlt noch die Zustimmung des SBB-Verwaltungsrats, der sich am Mittwoch, 26. September, dazu äussern wird – nach Redaktionsschluss. Das Resultat zeigt , dass die Verhandlungsgemeinschaft der Gewerkschaften(VG) einen guten GAV erreicht hat, entsprechend den Erwartungen der Delegierten, auch wenn Bestandteile davon als unbefriedigend beurteilt werden.

Giorgio Tuti, Präsident SEV, sorgte für den passenden Einstieg: «Vor 20 Jahren waren einige von euch bereits hier. Der Beamtenstatus fiel, und der SEV trat ein in die GAV-Welt. Der Contrat social barg grosses Konfliktpotenzial! Heute reden wir vom sechsten GAV SBB/SBB Cargo. Der Contrat social kommt bei jeder Verhandlung wieder auf den Tisch und ist immer noch da! Dieser GAV ist der einzige Gesamtarbeitsvertrag in der Schweiz, der einen Contrat social vorsieht. Dass er auch im neuen GAV verankert ist, zeigt, dass wir fähig sind, zu mobilisieren. Wir wollen heute das Verhandlungsergebnis für die Gesamtheit des SBB-Personals analysieren.»

Auch Manuel Avallone, Vizepräsident SEV und Leiter der VG, kam auf den Hintergrund der Verhandlungen zu sprechen. «Wir haben eine Umfrage durchgeführt, bei der die ToCo-Garantien und der Kündigungsschutz (Contrat social) als zentrale Punkte resultierten. Als weitere wichtige Punkte wurden ein rascherer Lohnaufstieg, die Herausforderungen der Digitalisierung, die Verlängerung des Vaterschaftsurlaubs und die Berufsinvalidität erkannt. Ein Jahr später glaube ich sagen zu können, dass wir unseren Mitgliedern zugehört haben.»

«Der bestmögliche Kompromiss»

Die übertriebenen Forderungen der SBB-Leitung waren ebenfalls Teil der Ausgangslage: Angriff auf den Contrat social, die Regionalzulagen, die ToCo-Garantien, die Treueprämien, die Ferien der über 60-Jährigen... «Dank der Flächenpräsenz, den mutigen Kommentaren im Intranet der SBB und der Mobilisierung des SEV vom 18.Juni konnten die Verhandlungen auf ein vernünftiges Niveau gebracht werden. Nicht zu vergessen ist auch die Medienberichterstattung.»

Ein Delegierter kommentierte mit scharfen Worten: «Danke für die Transformation des Pitbulls SBB in einen Chihuahua. Ich denke, dass der Erfolg des Unternehmens von uns abhängt. Die SBB ist aber nicht in der Lage, uns dafür angemessen zu danken.» Die Delegierten lehnten es schliesslich ab, die Zustimmung zum GAV von der Zustimmung des Verwaltungsrats zu allen vereinbarten Massnahmen zur Abfederung der geplanten Senkung der PK-Renten abhängig zu machen, wie es ein AS-Delegierter forderte.

Die Unterverbände beurteilten das Gesamtpaket als «insgesamt gut, trotz einzelner negativer Punkte», wie Hans-Ulrich Keller (Bau) festhielt. Für den LPV ist es das bestmögliche Resultat. Danilo Tonina (RPV) gab seinerseits zu bedenken, dass die Vereinbarung zu den ToCo-Garantien beim RPV zu Gegenstimmen führen werde.

Abschliessend bedankte sich Giorgio Tuti bei den Delegierten für ihr Engagement im gesamten Prozess. Er dankte auch den SEV-Mitarbeitenden, den Zentralpräsidenten und seinen zwei Vizepräsidenten herzlich für die Leitung der VG. «Der grösste Dank aber geht an unsere Mitglieder: Ohne sie, ohne euch als ihre Vertreter, wäre das Resultat ein anderes!»

Vivian Bologna/chf

Schutz vor Digitalisierung

Der SEV hat die Auswirkungen der Digitalisierung thematisiert. Das Recht auf Nichterreichbarkeit in der Freizeit und jenes auf Informationsstudium während der Arbeitszeit werden im GAV verankert. Als Pilot werden freiwillige Standortbestimmungen für die Mitarbeitenden im Sinne eines «Boxenstopps» eingeführt. Die SBB übernimmt die Kosten, die Zeit geht grundsätzlich zulasten der Mitarbeitenden. Neu leistet das Personal einen Beitrag an die krankheitsbedingten Fehltagkosten mit einem Lohnabzug von 1,2%, der in drei Etappen zu 0,4% eingeführt wird (2019/20/21). Für bisheriges Personal kompensiert die SBB den Beitrag mit einer Lohnerhöhung. Das führt zu einigen Verbesserungen: DieAHV-pflich- tigen Zulagen gehören neu zum versicherten Lohn. Langzeiterkrankte erhalten ab dem ersten Abwesenheitstag eine individuelle Tagespauschale, was vor allem Berufsgruppen mit unregelmässigen Arbeitszeiten einen höheren Ersatzlohn bringt. Auch wurde der Vaterschaftsurlaub auf 20 Tage verdoppelt.

«Es bestand das Risiko, die ToCo-Garantien zu verlieren»

Bei der Arbeitszeit werden die Garantie auf 115 Freitage pro Jahr sowie die zusätzliche Ferienwoche für über 60-Jährige beibehalten. Die Treueprämien bleiben unverändert. Aufgrund gesetzlicher Anpassungen mussten einige Neuerungen verhandelt werden. So haben Schichtarbeitende das Recht auf mindestens 12 freie Wochenenden pro Jahr. Ab Fahrplanwechsel 2019/20 sind für auswärtige Pausen 15% Zeitzuschlag vorgesehen, bei einer Pause ab 61 Minuten sind es 30%. Diese Änderungen basieren auf der neuen Verordnung zum Arbeitszeitgesetz. Sie gehen über die Regelungen, wie sie im Arbeitszeitgesetz (AZG) vorgesehen sind, hinaus. Rund 12000 SBB-Mitarbeitende sind gemäss Martin Allemann, AZG-Spezialist beim SEV, betroffen.

Der Lohnaufstieg wird verbessert. Es stehen weiterhin 0,8% der Lohnsumme dafür zur Verfügung, 2021 sogar 0,9%. Die grosse Neuerung besteht darin, dass die Summe für die ELA auf 0,4% der Lohnsumme begrenzt wird. Davon fliessen nun ca. 0,15% in die ILE, allerdings nur für diejenigen, die sich im 1. und 2. Drittel des Aufstiegs befinden.

Dass generelle Lohnerhöhungen nur bei einer Teuerung von mehr als 1,2% möglich sind, hat einige Delegierte aufgebracht. «In den letzten Jahren gab es keine Teuerung. Wir haben uns deshalb auf die Bedürfnisse der Jungen konzentriert, die im Lohnaufstieg sind», gab Manuel Avallone zu bedenken.

Die Vereinbarung zu den ToCo-Garantien löste viele Reaktionen aus. Garantien bis 5000 Franken werden nicht gekürzt. Höhere Garantien werden in zwei Etappen gesenkt (2020/2022), maximal zu 5% des Maximalwertes des jeweiligen Anforderungsniveaus. Diese Garantien gelten künftig ad personam, sind also nicht mehr an die GAV-Dauer gebunden. «Sie werden somit für über 3000 Mitarbeitende komplett gesichert. Sonst wäre für 3800 Mitarbeitende das Risiko gross gewesen, sie in drei Jahren zu verlieren», erklärte Giorgio Tuti. «Der Entscheid ist unpopulär, aber er orientiert sich an den Tatsachen.»

Kommentare

  • Arnold Peter

    Arnold Peter 27/09/2018 11:50:29

    Ich finde es super dass man sich so einigen konnte.
    Ich selber war zuletzt vor meiner Pensionierung auch bei SBB Cargo

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