Auf den Spuren von ...
Mirco Kläy, Schiffführer BSG

Mirco Kläy arbeitet bei der Bielersee Schifffahrtsgesellschaft (BSG), wo er sich nach einer beruflichen Neuorientierung ganz seiner nautischen Karriere widmen kann. Daneben engagiert er sich als Sektionspräsident BSG für den SEV. Zentrale Aspekte der Gewerkschaftsarbeit sind für ihn, die Solidarität untereinander und dass alle, die unzufrieden sind, auch gehört werden.
Nur eine kurze Distanz vom Bahnhof Biel, am Feuerwehrhaus Nidau vorbei, liegt die grosse Werkhalle der Bielersee Schifffahrtsgesellschaft mit einem traumhaften Ausblick auf den Bielersee. Wenn Mirco Kläy nicht auf dem See unterwegs ist, ist diese Werkhalle sein Arbeitsort.
«Nach der Schreinerlehre habe ich jahrelang gerne als Schreinermonteur gearbeitet und habe mich später auch zum eidgenössisch diplomierten technischen Kaufmann weitergebildet», erzählt der erfahrene Schreiner, der nach dieser Zusatzausbildung in einer Schreinerei als Projektleiter tätig war. «Zur Schifffahrt bin ich zufällig gekommen, weil ich für mich gemerkt habe, dass ich nicht bis zur Pensionierung als Schreiner arbeiten möchte. Auch wenn ich das gerne mache, so fehlte mir beruflich etwas.» Beim Stöbern auf einem Stellenportal stiess er auf die Stelle bei der Bielersee Schifffahrtsgesellschaft, ein Moment, der seine berufliche Laufbahn entscheidend veränderte.
Traumberuf mit Abwechslung und Nähe zu Natur und Wasser
«Ich schätze die Abwechslung, welche nautische Berufe mit sich bringen sehr: Im Sommer mache ich eine nautische Karriere, lerne das Schifffahren und arbeite dort, wo unsere Kundinnen und Kunden ihre Freizeit verbringen. Im Winter kann ich dennoch etwas ‹schreinern›, indem wir den Unterhalt der Schiffe machen.» Für Mirco Kläy ist diese Mischung aus Kundenkontakt und der Nähe zur Natur besonders entscheidend. So sagt er auch, dass diese Kombination einfach schön und für ihn einzigartig ist.
Damit die nautische Berufslaufbahn auch in Zukunft ein Traumberuf bleibt, engagiert sich Mirco Kläy im SEV. «Ich wurde wie fast alle von unserem damaligen Sektionspräsidenten angeworben. Als dieser seine gewerkschaftliche Arbeit beendet hatte, wurde ich als neuer Sektionspräsident vorgeschlagen und gewählt. Wir sind ein kleiner Betrieb und daher auch eine kleine Sektion. Bei uns im Betrieb sind 90 % SEV-Mitglieder, daher ist alles etwas familiärer. Wichtig ist mir die Solidarität untereinander und dass alle, die unzufrieden sind, gehört werden.» Als Sektionspräsident übernimmt er somit eine wichtige Schnittstelle zwischen Mitgliedern und Gewerkschaft und sorgt dafür, dass Anliegen klar formuliert und auf höherer Ebene vertreten werden. Zudem trägt er Verantwortung dafür, alle Mitglieder der Sektion einzubeziehen, zu informieren, und eine starke, handlungsfähige Sektion zu erhalten.
Auch in seiner Tätigkeit als Sektionspräsident zeigt sich, wie wichtig klare Strukturen und gute Rahmenbedingungen im nautischen Bereich sind. Während sich die Arbeitsbedingungen und -zeiten in vielen Berufen stetig weiterentwickeln, sind diese in der Schifffahrt stets dieselben geblieben. Im Sommer während der Saison heisst das, dass in der Regel an sechs Tagen pro Woche gearbeitet wird. Diese Zeit wird dann dafür im Winter abgebaut, sprich es gibt dann bei genügend Überzeit zum Beispiel eine Viertageswoche oder eine längere Auszeit. Hier sieht Mirco Kläy Verbesserungsbedarf, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken: «Man muss eine nautische Karriere wollen. Wer per Zufall reinstolpert und nicht weiss, ob das passen könnte, zieht in der Regel nach ein paar Saisons weiter.»
Ausgleich an Land
In seiner Freizeit geht er ein- bis zweimal pro Woche ins Muay Thai, wo er sich richtig auspowern kann. Muay Thai ist eine traditionelle thailändische Kampfsportart, die Technik, Kraft und Konzentration vereint. Die Freizeitgestaltung fällt im Winter leichter, da dann wochentags gearbeitet wird. Während der Saison hingegen, mit sechs Arbeitstagen pro Woche und Diensten teils am Abend oder am Wochenende, bleibt nicht gleich viel Zeit für das Kampfsporttraining. Meistens klappt es mit einer anderen grossen Leidenschaft im Sommer besser: Mirco Kläy ist ein leidenschaftlicher Darts-Spieler.
Für die Zukunft hofft er, die Freude am Schifffahren und an der nautischen Tätigkeit zu bewahren. Dann kann er sich gut vorstellen, bis zur Pensionierung auf dem Bielersee zu arbeiten. Sein grosses Ziel: den internen Titel «Kapitän» zu erreichen – eine Auszeichnung der BSG, die erhält, wer alle neun Schiffe fahren kann.
Sarah Thomas