SEV Migration
Migrationsberatung vor Ort für mehr Sicherheit

Das Schweizer Migrationsrecht ist ein Labyrinth aus Fristen und komplexen Verordnungen. Mit dem Projekt «Migrationspolitik Basics» befähigt der SEV ausgewählte Mitglieder nun dazu, direkt vor Ort kompetente Orientierungshilfe zu leisten. Damit wird ein einzigartiges gewerkschaftlichen Projekt an der Basis mit echtem Mehrwert initiiert.
Wer eine Aufenthaltsbewilligung verlängern will, Familienmitglieder nachziehen möchte oder Fragen zum komplexen Status F hat, stösst schnell an bürokratische Grenzen und auf überforderte Gesichter. Dabei können kleine Fehler bei Fristen oder falsch interpretierte Verordnungen fatale Folgen für das Leben und die Arbeit in der Schweiz haben. Genau in diesem spannungsgeladenen Feld setzt das Projekt «Migrationspolitik Basics» an, das Besa Mahmuti, Gewerkschaftssekretärin SEV und Verantwortliche Migrationskommission, initiiert hat.
Die Idee dahinter ist so simpel wie bestechend: Statt Ratsuchende an externe, oft überlastete Stellen zu verweisen, wird das bereits vorhandene Wissen innerhalb der Migrationskommission gebündelt, professionalisiert und gezielt so weit ausgebaut, dass eine qualifizierte Erstberatung vor Ort möglich wird. Besa Mahmuti bringt die Notwendigkeit dieses Projekts auf den Punkt: «Recht haben und Recht bekommen darf im Migrationsrecht keine Frage der Herkunft oder des Bildungsstandes sein, sondern muss durch solidarische Unterstützung für alle zugänglich werden.»
Expertenwissen direkt an der Basis verankern
Viele Mitglieder der Migrationskommission verfügen aufgrund ihrer eigenen Biografie oder ihrer langjährigen gewerkschaftlichen Tätigkeit bereits über ein tiefes Verständnis rund um migrationsrechtliche Hintergründe. Entsprechend gross ist das Bedürfnis, dieses informelle Wissen zu ordnen und für andere zugänglich zu machen. Denn der Arbeitsalltag zeigt deutlich, wie wertvoll eine solche strukturierte Wissensbasis ist: Fragen zu Aufenthaltsstatus oder Arbeitsbewilligungen tauchen häufig zuerst im Pausenraum auf, im Gespräch unter Kolleg:innen. Diese privaten Gespräche sollen durch gezielte Schulungsmodule zu qualifizierten Erstberatungen reifen und die Mitglieder der Migrationskommission sowie interessierte SEV-Mitglieder befähigen, sich sicher im Umgang mit Gesetzestexten und behördlichen Abläufen rund um Migrationspolitik zu fühlen und Antwortsuchende auch gezielt an entsprechende Fachstellen zu verweisen.
Unter anderem werden in der Schulung Themenblöcke rund um das Migrationsrecht inklusive Aufenthaltsbewilligungen, Sozialversicherungsrecht mit Grundlagen AHV, BVG, AVL, Unfall, Krankheit sowie Auswandern, Arbeitsrecht und entsprechend relevante Fachstellen besprochen. Besa Mahmuti betont dabei den menschlichen Aspekt: «Wissen ist das wirksamste Mittel gegen die Angst vor der Bürokratie, und genau diese Sicherheit wollen wir unseren Mitgliedern direkt am Arbeitsplatz zurückgeben.» Diese Form der Befähigung sorgt dafür, dass die Gewerkschaft nicht erst bei einem Problem kontaktiert wird, sondern schon präventiv als Kompetenzzentrum fungiert.
Eine Initiative für gewerk-schaftliche Solidarität
Das Projekt «Migrationspolitik Basics» soll eine niederschwellige Anlaufstelle sein, die nah bei den Menschen ist und breiter gedacht ist als der traditionelle Fokus der Gewerkschaften auf Gesamtarbeitsverträgen und dem klassischen Arbeitsrecht. Denn die Lebensrealität der Arbeitnehmenden ist untrennbar mit ihrem rechtlichen Status verknüpft. Wer um seinen Aufenthalt bangt, kann seine Rechte am Arbeitsplatz kaum wirksam wahrnehmen. Die strategische Relevanz ist offensichtlich, denn laut Besa Mahmuti ist die Gewerkschaft dort am stärksten, wo sie die drängendsten Sorgen ihrer Mitglieder versteht und kompetent löst. So entsteht eine Vertrauensbasis, die weit über das berufliche Umfeld hinausstrahlt und den SEV als ganzheitlichen Partner positioniert.
Besa Mahmuti fasst die Vision treffend zusammen: «Wir warten nicht darauf, dass das System einfacher wird, sondern wir machen unsere Kolleg:innen stark genug, um sich darin erfolgreich zu behaupten.» Das Projekt ist somit kein kurzfristiges Hilfsangebot, sondern ein nachhaltiges Investment in die Handlungsfähigkeit der Basis.
Sarah Thomas