Halbierungsinitiative
Kampfansage gegen Service public
Zurzeit tobt der Abstimmungskampf über die Zukunft der SRG. Würde am 8. März die sogenannte Halbierungsinitiative angenommen, würden die Budgets von SRF, RTS, RSI und RTR massiv reduziert. Betroffen wären Tausende von Mitarbeitenden des Service-public-Unternehmens. Einer der Betroffenen wäre auch der Bildtechniker Charles Kavuma, der unter anderem SRF-Sendungen im Skiweltcup produziert.

Marco Odermatt fährt beim Weltcup in Adelboden dem Sieg entgegen. Sein Erfolg im Riesenslalom verfolgen am Samstagnachmittag Hunderttausende live auf SRF 2. Die Regie liefert packende Bilder und bringt die Rennatmosphäre direkt ins Wohnzimmer. Genau das ist Service public: Schweizer Sporterfolge im Schweizer Radio und Fernsehen.
Die TV-Bilder der Live-Sendung von SRF Sport werden weltweit gesendet, und die SRF-Produktionen von Skirennen gelten in der Branche als Weltspitze. Eine solche Produktion ist teuer und nur möglich, wenn Dutzende SRF-Mitarbeitende hochprofessionell ihren Einsatz leisten. So sind neben dem Moderatorenteam auch zahlreiche Kameraleute, Regie- und Technikmitarbeitende im Einsatz. Einer davon ist der 47-jährige Charles Kavuma. Der Zürcher arbeitet bei SRF als Bildtechniker und ist in der Regie während den Live-Sendungen dafür verantwortlich, dass die TV-Bilder im richtigen Timing und störungsfrei über den Sender gehen. Dazu gehört auch der Auf- und Abbau der ganzen Technik. So ist er während mehrerer Tage und über das Wochenende im Einsatz, unabhängig davon, ob es schneit oder regnet. Es sei ein harter Job, sagt Charles Kavuma: «Bei solchen Einsätzen sind wir eine ganze Woche weg von der Familie, und wir arbeiten dann schon mal von Morgen bis Abend, auch mal 12 Stunden pro Tag.» Dass die SRF-Mitarbeitenden eine ruhige Kugel schieben könnten und dabei gut verdienen würden – solche Vorwürfe, die man zurzeit in gehässigen Social-Media-Kommentaren lesen kann, lässt der Techniker nicht gelten. «Diese Leute sollten doch mal einen oder zwei Tage mitkommen und anpacken. Mal schauen, was sie danach sagen würden», findet Charles Kavuma. Er ist überzeugt: Die SRG-Mitarbeitenden leisten einen wichtigen Beitrag und garantieren Qualität in allen Landessprachen.
Die Halbierungsinitiative bereitet ihm Sorgen. Sollte sie angenommen werden, müsste die SRG massiv sparen – mit direkten Folgen für SRF. Aufwendige Live-Produktionen wie die Weltcuprennen stünden auf der Kippe. «Der Sparhammer würde auch das Personal treffen. Diese Angst ist bereits spürbar», sagt Kavuma. Die Stimmung sei angespannt, Fehler wolle sich niemand leisten. Ob er um seinen Job fürchte? Seine Antwort ist eindeutig: Ja.
Arbeitsplätze und Service public in Gefahr
Bei einer Annahme der Halbierungsinitiative ist die Angst von Charles Kavuma nicht von der Hand zu weisen. Die Mediengewerkschaft SSM ist sich sicher, dass auch Tausende Arbeitsplätze wegfallen würden. «Weniger Budget heisst, dass Stellen gestrichen werden. Viele SRG-Mitarbeitende würden ihren Job verlieren», erklärt Margarita Lajqi, Verantwortliche für Medienpolitik beim SSM. Sie beruft sich auf die BAK-Studien aus dem Jahr 2024, die den volkswirtschaftlichen Schaden bei einer Annahme der Initiative berechnet hat. Gemäss dieser Studie würden der Initiative rund 2450 Vollzeitstellen direkt zum Opfer fallen. Rechnet man die Zulieferer dazu, würden gar rund 5000 Vollzeitstellen wegfallen.
Für die Betroffenen bedeute dies grosse Unsicherheit. Gleichzeitig würden auch die Nutzerinnen und Nutzer von Radio und Fernsehen die Sparmassnahmen spüren. Der Service public, den die SRG gewährleistet, werde mit der Initiative frontal angegriffen. «Mit halbiertem Budget wäre nicht nur der Auftrag der SRG gefährdet», sagt Lajqi. Die Halbierungsinitiative zeige auch deutlich, dass ein Frontalangriff auf den Service public möglich sei. Denn Service public sei die Grundversorgung – ein Bereich, der für private Unternehmen kaum rentabel ist. «Wenn heute die Medien betroffen sind, stellt sich die Frage: Wer ist morgen dran?», warnt Lajqi. Eine Annahme der Initiative könne die Tür öffnen, weitere Bereiche des Service public zu torpedieren. Sprich: Heute geht es dem öffentlichen Rundfunk an den Kragen, morgen kommt womöglich der öV in die Schusslinie. Letzteres ist der Hauptgrund, weshalb der SEV-Vorstand die Nein-Parole zur Halbierungsinitiative beschlossen hat.
Eine SRG für alle
Seit über acht Jahren arbeitet Charles Kavuma bei SRF für Sendungen wie «Tagesschau», «Kassensturz», «Arena» oder «Club». Auch er fürchtet einen Abbau beim Service public – und den Verlust unabhängiger, neutraler Berichterstattung. Gerade für politische Formate sei Neutralität entscheidend, um ausgewogene Diskussionen zu ermöglichen. Bei profitorientierten Medienunternehmen sei das kaum möglich, sagt er. Dort werde produziert, was sich rechnet. «Die SRG ist hingegen für alle da – wo von links bis rechts alle zu Wort kommen», findet Charles Kavuma. «Das wäre nicht mehr möglich, wenn nur noch finanzstarke Akteure Inhalte produzieren würden.»
Der Abstimmungskampf ist lanciert. Am 8. März entscheiden die Schweizerinnen und Schweizer, ob die SRG künftig mit massiv weniger Mitteln auskommen soll. Bis dahin sorgen Charles Kavuma und seine Kolleg:innen weiter dafür, dass das Publikum live miterleben kann, wie Marco Odermatt aufs Podest fährt.
Renato Barnetta