| Aktuell / SEV Zeitung

BRANCHENTAGUNG SCHIFFFAHRT 2026

Für zukunftssichere Arbeitsbedingungen auf Schweizer Seen

Spardruck, unterschiedliche nautische Laufbahnentwicklungen und fehlende Reservetouren, die zu kurzfristigen Dienstplanänderungen und Einsätzen an ar-beitsfreien Tagen führen: Über diese Herausforderungen und die Zukunft der Schifffahrt auf Schweizer Seen wurde an der Branchentagung Schiff gesprochen.

Kurz nach 10 Uhr auf der MS Flüelen vor dem KKL in Luzern findet Gilbert D’Alessandro, Zentralpräsident des Unterverbands VPT, die Worte, welche die gesamte Tagung und Stimmung in der Schweizer Nautik-Branche sehr gut einfangen: Die Schweizer Schiffbranche mag zwar klein sein, aber die Verbundenheit zur eigenen Tätigkeit und der Wille, der Nautik auch gegen Widerstände treu zu bleiben, sei tiefer als jeder Seegrund. Auch deshalb zeigte die Branchentagung Schiff 2026 einmal mehr, dass der Zusammenhalt unter den Kolleg:innen und der offene Meinungsaustausch die tragenden Säulen der Schifffahrt sind. In einer Zeit, in welcher manche Schifffahrtsgesellschaften unter erheblichem finanziellem und personellem Druck stehen, ist der Dialog und das Zusprechen von Mut essentiell.

Nautische Laufbahnen: so individuell wie die Gewässer selbst

Nach den Begrüssungen durch das SEV-Vizepräsidium Barbara Keller und Pablo Guarino sowie VPT-Zentralpräsident Gilbert d’Alessandro wurden die wichtigsten Ergebnisse aus der Lohnsystemanalyse der SEV-Gewerkschaftssekretärin und Branchenverantwortlichen Katrin Leuenberger vorgestellt. Dabei wurde deutlich, dass systematische Vergleiche über Schifffahrtsgesellschaften hinweg aufschlussreich, aber auch komplex und schwierig sind. Hauptgründe dafür sind nicht ganz deckungsgleiche Aufgabenbereiche, unterschiedliche Laufbahnmodelle und verschiedene Funktionsstufen. Handlungsbedarf besteht vor allem bei den Einstiegslöhnen, da diese sehr tief sind. Trotzdem zeigt sich einmal mehr, dass Gesamtarbeitsverträge (GAV) eine entscheidende Rolle spielen. Diese wirken sich positiv auf die Sicherheit und Planbarkeit von nautischen Berufslaufbahnen aus, sei es durch Lohnerhöhungen, (teil-)automatisierte Aufstiege und flankierende Massnahmen, die massgeblich zu sicheren Arbeitsstellen in der Schifffahrt beitragen.

Herausforderungen Zeiterfassung, Einspringen und Arbeiten an freien Tagen

Ein weiteres, intensiv diskutiertes Thema war die korrekte Zeiterfassung und Vergütung bei kurzfristigen Dienstplanänderungen und Einsätzen an arbeitsfreien Tagen. Idealerweise sollten Schifffahrtsgesellschaften über die gesamte Betriebsdauer Reservetouren einplanen, um ungeplante und kurzfristige Abwesenheiten aufzufangen. Dies ist aber nur bei wenigen Schifffahrtsgesellschaften Realität. Ungeplantes Einspringen, um den Kursfahrplan einzuhalten, führt nicht selten zum Ausreizen oder sogar Überschreiten des Arbeitszeitgesetzes AZG. Dies darf nicht geschehen, da es sich um Gesetzesverstösse handelt. Springt jemand an einem freien Tag ein, ist ihm oder ihr umgehend ein neuer Freitag anzubieten.

Dafür haben die Kolleg:innen der CGN eine gute Lösung ausgehandelt: Springen sie kurzfristig ein, werden sie, neben der Arbeitszeit, mit einer zusätzlichen Zeitgutschrift von bis zu 150 % des Dienstes und einer Prämie von bis zu 200 Franken entschädigt. Je kurzfristiger der Einsatz angefragt wird, desto höher die Zusatzentschädigung.

Gemeinsam auf Kurs

In der abschliessenden Diskussionsrunde zeigte sich, dass einige Schifffahrtsgesellschaften vor grossen Herausforderungen stehen, während andere von guten bis sehr guten Frequenzen berichten konnten. Grundsätzlich war der Grundton der Tagung optimistisch, aber auch kämpferisch. So entstand über den gesamten Tag hinweg zwischen den verschiedenen Teilnehmenden aller Landesteile ein reger Austausch.

Ausblick Mitgliedergewinnung und Branchentagung Schiff 2027

Da im Rahmen der aktuellen Tagung nicht alle angedachten Themen behandelt werden konnten, stehen für die kommende Branchentagung Schiff zwei Hauptthemen im Vordergrund: Zum einen soll es darum gehen, wie die Lohnverhandlungen organisiert werden in den jeweiligen Unternehmungen und wie das Vorgehen ist, falls keine Einigung erzielt werden sollte. Zum anderen soll über die betriebliche Situation der Schifffahrtsgesellschaften im Hinblick auf Personal, Frequenzen und Fahrplan gesprochen werden. Ein positiver Rückblick gebührt der Mitgliedergewinnung: Hier haben die Schiffssektionen im vergangenen Jahr sehr gute Arbeit geleistet.

Die positive Entwicklung bei der Mitgliedergewinnung unterstreicht eine einfache Logik: Je höher der Organisationsgrad, desto grösser die Verhandlungsmacht und desto besser die erzielten Ergebnisse für das Personal. Der Kurs ist gesetzt und er stimmt.

Sarah Thomas