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Luftverkehr

Angriff auf Löhne und Arbeitsbedingungen

Am 11. September um 11 Uhr wird das Bodenpersonal an den Flughäfen in Zürich und Genf gegen die massiven Angriffe auf ihre Löhne und Arbeitsbedingungen protestieren. Die Arbeitnehmenden im Luftverkehr sind nicht bereit, einen über die Coronakrise hinausgehenden, tiefgreifenden Sozialabbau hinzunehmen.

Die Flugbranche wurde besonders hart von der Pandemie getroffen. Der Grossteil der Flugzeuge blieb zeitweise am Boden, was zu grossen Ertragseinbussen geführt hat. «Selbst Kolleg/innen, die das Swissair-Grounding mitgemacht haben, haben eine solche globale Krise in der Aviatik noch nie erlebt», sagt Philipp Hadorn, Präsident von SEV-GATA. Bei Gate Gourmet und SR Technics wurden bereits Hunderte Entlassungen angekündigt.

Die Mehrheit der Angestellten am Flughafen befindet sich seit März in Kurzarbeit und erhält dementsprechend nur 80 Prozent ihrer Löhne. «In einer Branche, in der die Einkommen sowieso schon tief sind, schmerzt diese Reduktion über Monate besonders», weiss Regula Pauli, zuständige Gewerkschaftssekretärin für Swissport. Dabei ist nur eine langsame Erholung spürbar: «Die Unternehmungen sind in Bedrängnis, weitere Arbeitsplätze sind gefährdet», fürchtet Philipp Hadorn.

Sparpakete zulasten des Personals

SEV-GATA setzte sich deshalb mit grossem Engagement dafür ein, dass Fluggesellschaften wie auch flugnahe Betriebe durch öffentliche Gelder unterstützt wurden. Die andauernde Coronakrise stellt den Luftverkehr aber weiter vor grosse wirtschaftliche Herausforderungen. Deshalb lancieren die Unternehmen nun drastische Spar- und Kostensenkungsprogramme – und zwar auf dem Rücken des Personals. So will zum Beispiel die Swiss ihre Personalkosten um 15 Prozent reduzieren. Und Swissport fordert ein ganzes Paket an Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen. «Die Angriffe der Arbeitgeber zielen dabei tabulos auf Löhne, Altersvorsorge, Arbeitszeit und Einsatzmodalitäten», erklärt Philipp Hadorn. «Sogar die Sozialpläne, also die Abfederung bei allfälligen Entlassungen, sollen verschlechtert werden.»

Swissport macht letztes Angebot

SEV-GATA ist die schwierige Situation der Unternehmen durchaus bewusst. «Deshalb haben wir bei Swissport Hand geboten, um Lösungen für die Dauer der Krise zu finden», sagt Regula Pauli. Doch nach der dritten Verhandlungsrunde vom Montag, 7. September, liegt keine Einigung, sondern ein allerletztes Angebot von Swissport auf dem Tisch. Dabei stehen drei Varianten zur Auswahl; jede würde eine Einsparung bei den Personalkosten von 10 bis 15 Millionen bedeuten. Die Vorschläge unterscheiden sich lediglich darin, ob mehr Flexibilität verlangt wird – beispielsweise durch Erhöhung der Kurzschichten oder eine Reduktion der Ferien – oder der Lohn sinkt. Auch der Mittelweg ist kein goldener: Er würde Verschlechterungen auf der ganzen Breite beinhalten. In den einzelnen Punkten sei man grundsätzlich zu Anpassungen bereit, «aber nicht in diesem Ausmass!», betont Regula Pauli.

Zudem befürchtet die Gewerkschaftsekretärin, dass Swissport die Anpassungen längerfristig zum neuen Standard machen will: «Obwohl Swissport beteuert, dass die Verschlechterungen nur temporär sein sollen, kann uns niemand versprechen, wie lange diese Krise dauert und ob danach tatsächlich wieder die Arbeitsbedingungen gemäss GAV 2019 gelten.» Regula Pauli appelliert deshalb an die Mitglieder: «Es braucht jetzt ein starkes Zeichen gegen diese Abbaupläne: Kommt zahlreich an die Protestversammlung! Nur so können wir zeigen, dass wir solche Kürzungen nicht akzeptieren werden.»

Kürzungen stehen auch bei der Swiss zur Debatte. So will die Airline ab 2021 bei den Personalkosten 15 Prozent sparen. Nach der ersten Verhandlungsrunde Anfang September wurde zudem klar, dass Swiss entgegen der mit SEV-GATA vereinbarten Absichtserklärung den 13. Monatslohn auf das gesetzliche Minimum reduzieren sowie auf Lohnmassnahmen 2021 gänzlich verzichten will.

Unnötige Sparübung bei Swiss?

Aufgrund der milliardenhohen Bundeshilfe sowie der Möglichkeit zu verlängerter Kurzarbeit hat die Swiss eine gänzlich andere Ausgangslage als Swissport. Für SEV-GATA stellt sich angesichts dieser Ausgangslage vor allem die Frage, ob zusätzliche Opfer seitens Personal überhaupt zwingend nötig sind. «Es macht im Moment vielmehr den Anschein, als wolle die Swiss die zugesicherten Kreditoptionen möglichst gering nutzen, um zeitnah die damit einhergehenden Auflagen loszuwerden und wieder die vollen unternehmerischen Freiheiten zu haben», so Philipp Hadorn. Dadurch erhoffe sich die Swiss wohl, bald wieder fette Gewinne an die Lufthansa-Gruppe abliefern zu können. «Für SEV-GATA darf dies klar nicht auf dem Rücken der Arbeitnehmenden geschehen.» Sollten gewisse Massnahmen zur Kostensenkung dennoch unumgänglich sein, so müssten sich diese auf die Dauer der Krise beschränken, betont der Gewerkschaftssekretär. Die nächste Verhandlungsrunde ist für Ende September geplant.

Elisa Lanthaler
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Alle nach Zürich am 11. September

Die Löhne und Arbeitsbedingungen im Flugverkehr sind massiv unter Druck. Die Kolleg/innen von SEV-GATA brauchen nun die Solidarität von allen: Unterstützen wir sie im Kampf gegen den Lohnabbau! Am 11. September um 11 Uhr demonstrieren SEV-GATA, VPOD und Kaufmännischer Verband am Flughafen-Zürich, Vorfahrt – Abflug 1. Kommt zahlreich und helft den Kolleg/innen, gegen diese drastischen Abbaumassnahmen zu protestieren. Achtung: Bei der Demo gilt Maskenpflicht.

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