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Probleme mit Funk Lisa: Rangierer sagen Stopp

Sorgenkind LISA: Noch immer führen Verbindungsunterbrüche zu gefährlichen Situationen.

Der Zentralausschuss des SEV-Unterverbands des Rangierpersonals (RPV) fordert die SBB-Leitung auf, den Einsatz vom Funk Lisa sofort zu stoppen, weil Mängel des Geräts die Sicherheit gefährden. Die Verantwortlichen zeigten Verständnis für die Forderung, wollten Lisa aber bis Redaktionsschluss nicht sofort aus dem Verkehr ziehen.

Schon seit mehreren Jahren ist Lisa bei der SBB in der Testphase bzw. seit 2015 im Einsatz. Lisa steht für «Light and Integrated Shunting Accessory» (to shunt = rangieren). Es handelt sich um ein mobiles Endgerät für die digitale Rangierkommunikation, das die bisherigen analogen Funkgeräte SE-160 ablösen soll. 

Mit Lisa kann man Fahrstrassen auch ohne mündliche Kommunikation anfordern oder Weichen drahtlos ansteuern. Lisa ist (angeblich) stossfest, wasserdicht und auch mit Handschuhen bedienbar. Jedoch kommt es bis heute zu Verbindungsunterbrüchen, die zu Unregelmässigkeiten, Beinahe-Unfällen und Unfällen führen. Dass diese bisher keine Schwerverletzten oder gar Todesopfer gefordert haben, ist ein glücklicher Zufall. So ist es im Oktober im Bahnhof Buchs (SG) wegen einem Verbindungsunterbruch zu einer Flankenfahrt mit grossem Sachschaden gekommen. Ursache war offenbar ein automatisches Update an einem Gerät.

Deshalb hat der Zentralausschuss des Unterverbands RPV am 18. November beschlossen, zuhanden der Verantwortlichen der SBB klar und öffentlich Stopp zu sagen: «Wir verlangen, dass das Arbeiten mit dem Funk Lisa sofort eingestellt wird, bis es keine Sicherheitsrisiken mehr in sich birgt», fasst RPV-Zentralpräsident Hanspeter Eggenberger zusammen. Die Forderung des RPV wird vom Unterverband TS, bei dem ebenfalls Rangierer organisiert sind, und von der SEV-Leitung unterstützt.

Die Cargo-Leitung hatte bereits am 30. Oktober 2017 nach einem Vorfall in Rümlang ein generelles Einsatzverbot für den Funk Lisa verhängt, dieses aber am 1. Februar 2018 wieder aufgehoben. Nach dem neusten Vorfall ist klar, dass die Probleme weiterbestehen, weshalb es für das Personal unzumutbar ist, mit Lisa weiterzuarbeiten.

Verantwortung nicht auf Rangierleiter/Lokführer abschieben!

Fakt ist: Es gibt Funkunterbrüche. Die Anweisung der Verantwortlichen, bei einem Funkunterbruch nach den Fahrdienstvorschriften (FDV) vorzugehen, ist ein Abschieben der Verantwortung allein auf den Rangierleiter bzw. den Lokführer.

«Sollte – was wir alle nicht hoffen – ein Unfall mit Funk Lisa geschehen, der menschliches Leid verursacht, zieht der ZA RPV sämtliche Kollegen, die mit diesem Gerät arbeiten müssen, aus der Verantwortung. Die Verantwortung liegt zu 100 % bei der Leitung», stellt der Zentralausschuss RPV in seinem Sitzungsbericht klar. Und er warnt alle betroffenen Mitarbeitenden:

Aufruf zur Vorsicht

«Kolleginnen und Kollegen, seid bei eurer täglichen Arbeit einfach sehr vorsichtig, es könnte ja sein, dass der Funk ausfällt. Ihr, die täglich mit diesem Gerät arbeitet, das euch die Unternehmung zur Verfügung stellt – im Bewusstsein, dass dieses Gerät nicht der Sicherheitsnorm entspricht.»

Nehmen die Verantwortlichen weiterhin Unfälle in Kauf?

In der Tat schrieb die Leitung Produktion von SBB Cargo am 5. November in einem Newsletter zum Funk Lisa: «Wir kennen auch die aktuellen Schwierigkeiten, Beinahe-Unfälle und leider auch Unfälle.» Die Verantwortlichen sind sich also der Probleme bewusst – und trotzdem haben sie bisher das Risiko weiterer Unfälle wegen Lisa in Kauf genommen. Denn dieses Risiko besteht weiterhin, auch wenn eine Taskforce unter der Führung von SBB Infrastruktur «fokussiert an Sofortmassnahmen zur Verbesserung der aktuellen Situation arbeitet», wie es im Newsletter heisst. Und auch wenn darin die Leitung Produktion SBB Cargo schreibt, dass sie «Sofortmassnahmen» prüfe. Darum fordert der SEV-RPV ein sofortiges Einsatzverbot – obwohl Ersatzlösungen nicht einfach zu finden sind.

Medienstelle RPV / Fi

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